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Apr
24

Nach Götzes Wechsel: Exodus bei Dortmund?

Der Wechsel Mario Götzes von Borussia Dortmund zu den Bayern ist ohne jeden Zweifel eine Sensation. Die Folgen sind jedoch möglicherweise fatal für den BVB und die gesamte Bundesliga.

Wenn die zweitbeste Fußballmannschaft eines Landes seinen besten Spieler an die beste Fußballmannschaft verliert, zieht das zwangsläufig eine Verschiebung der Machtverhältnisse nach sich. Der Wechsel Mario Götzes zum FC Bayern ist allerdings mehr als eine eindeutige Schwächung der Nummer zwei und eine nicht wegzudiskutierende Stärkung der Nummer eins. Vielmehr könnte sein Abgang der Startschuss für einen Exodus der Stars beim BVB sein.

Bricht der BVB nun auseinander?

Borussia Dortmund hat seit 2008 Unglaubliches vollbracht. In der Ära Jürgen Klopp entwickelte sich der Verein von einem Mittelfeldklub mit vielen Talenten zur zwischenzeitlichen Nummer eins im deutschen Fußball. Fast noch bemerkenswerter war, dass der BVB in den letzten fünf Jahren bis auf wenige Ausnahmen seine „besten Pferde“ im Stall halten und sogar mit langfristigen Verträgen ausstatten konnte. Unter diesen Voraussetzungen schien auch ein jahrelanger Wettstreit mit den Bayern möglich. Zumindest bis gestern. Nach dem Bekanntwerden des Götze-Wechsels könnte die aktuelle Mannschaft nämlich bald zerrupft werden.

Robert Lewandowski ist spätestens 2014 weg, vielleicht auch schon 2013. Dass auch er zum FC Bayern wechseln wird, ist durch den Götze-Abgang zumindest nicht wahrscheinlicher geworden. Schließlich verfügt der künftige Bayern-Trainer Pep Guardiola mit Götze nun über den Spielertyp „falsche Neun“. Hinzu kommt mit Mario Mandzukic ein klassischer Mittelstürmer, der nach seinen Leistungen der Saison 2012/13 eigentlich nicht auszutauschen ist. Unabhängig davon Lewandowski bleibt aber weiterhin ein interessanter Mann für ein halbes Dutzend internationaler Top-Klubs.

Mats Hummels ist der nächste Spieler, der nun über seinen Abschied nachdenken könnte. Das Interesse des FC Barcelona an einem der spielstärksten Innenverteidiger der Welt ist mehr als eines dieser wilden Gerüchte, auf die man tagtäglich in spanischen Gazetten stößt. Barca wiederum ist „einer von zwei, drei Vereinen auf der Welt“, die für den Verteidiger nach eigener Aussage interessant sind. An diesem Umstand dürfte auch das 0:4 von München nichts geändert haben. Der Klub ist ein Mythos, der auch in den kommenden Jahren zur europäischen Spitze gehören wird – und ganz nebenbei einen Nachfolger für den 35-jährigen Carles Puyol benötigt, der auf seine alten Profi-Tage häufiger im Lazarett als auf dem Platz zu finden ist.

Ebenfalls international heiß begehrt ist Ilkay Gündogan, der bei Real Madrid als „Kronprinz“ von Xabi Alonso gehandelt wird, aber auch als Anwärter für die Nachfolge des mittlerweile 33-jährigen Xavi in der Schaltzentrale des FC Barcelona gilt. Gündogan hat zwar erst in der vergangenen Woche angekündigt, seinen Vertrag in Dortmund verlängern zu wollen, doch das ist bis heute nicht passiert. Ob die Personalie Götze ihn umdenken lässt?

Mit diesen drei Spielern plus Götze würde eine komplette Achse wegbrechen. Doch einen sollte man nicht vergessen: Trainer Jürgen Klopp. Der ist so etwas wie der „Rising Star“ am internationalen Trainerhimmel, gehört wegen seiner Erfolge in Dortmund und seiner sympathischen Art mittlerweile bei jedem internationalen Top-Klub zum (erweiterten) Kandidatenkreis bei der Trainersuche.

Machen die Bayern indirekt die Liga kaputt?

Ein Abgang dieser fünf wäre natürlich das Horrorszenario für alle BVB-Fans. Zu ihrer Beruhigung: Dass es zu einer solchen Kettenreaktion kommt, ist nicht gesagt. Allerdings erscheint ein Dortmunder „Ausverkauf“ in diesem Sommer wahrscheinlicher als in den Vorjahren, weil die Borussia durch ihre Leistungen in der Champions League heuer enorme Begehrlichkeiten geweckt hat. Hinzu kommt, dass der eine oder andere Akteur beim Gedanken an die sich abzeichnende Dominanz der Bayern über die nächsten Jahre womöglich die Lust verliert, in der Bundesliga um Platz zwei zu spielen.

Sollte es tatsächlich so weit kommen, wäre das fatal für die Bundesliga. Der BVB hätte dann zwar viel Geld, müsste damit aber eine neue Mannschaft aufbauen, die eine ganz andere Identität hätte als der (bislang) so verschworen anmutende aktuelle Kader. Die Folge: Dortmund wäre erst einmal kein ernsthafter Widersacher mehr für den FC Bayern. Und die Bundesliga hätte nicht die von Uli Hoeneß in der Vorwoche* „befürchteten“ spanischen Verhältnisse, sondern tatsächlich die von Jürgen Klopp prophezeiten schottischen Verhältnisse mit einer dominierenden Mannschaft und 17 weiteren Vereinen, die um den inoffiziellen Titel „Best of the rest“ spielen. Bleibt zu hoffen, dass die Borussia dies verhindern kann…

*der Wechsel Götzes stand zum Zeitpunkt dieser Aussage übrigens schon fest

1 Kommentar

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  1. h.chinaski sagt:

    na ja… der bvb ist auch nach den abgängen von sahin und kagawa nicht auseinander gefallen. und der wiedereinzug in die champions-league spricht auch für die schwarz-gelben. dortmund hat auch schon angekündigt lewandowski in dieser saison nicht abgeben zu wollen. bei gündogan könnte ich mir vorstellen dass er aus der sahin-geschichte gelernt hat und vorerst in dortmund bleibt. und selbst wenn er geht, hat der bvb noch ne menge potential auf der position (bender, leitner etc.). ein abgang von hummels würde die dortmunder treffen und wäre meiner meinung nach auch am wahrscheinlichsten.

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