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Mrz
28

Nationalmannschaft: Eine Vorqualifikation muss her

Es ist ein alter Hut, der bei FIFA und UEFA aus sportpolitischen Gründen nie eine Mehrheit erhalten wird: Kleine Fußballnationen, wie Kasachstan, San Marino oder Albanien sollten eine Vorqualifikation spielen, ehe sie auf die „Großen“ losgelassen werden.

Waren das noch Zeiten! Auf dem Weg zum WM-Titel 1990 in Italien traf Deutschland in der WM-Qualifikation auf die Niederlande, Finnland, Wales und… sonst niemanden. 6 Spiele auf dem Weg nach Italien, plus die 7 Spiele beim Finalturnier, nach nur 13 Partien in zwei Jahren war der Weltmeister gefunden. So viele Spiele muss man heute fast schon absolvieren, um sich überhaupt für das Endturnier zu qualifizieren. Eine Entzerrung des Spielplans sieht anders aus. Doch in diesem Fall liegt die „Schuld“ gar nicht einmal ursächlich bei FIFA und UEFA.

Der Fall des Eisernen Vorhangs und seine Folgen für den Fußball

Seit 1990 ist viel passiert. Der Eiserne Vorhang ist gefallen, aus dem einstigen Vielvölkerstaat UdSSR sind mittlerweile 15 Staaten geworden. Hinzu kommt der Zerfall eines weiteren Vielvölkerstaates, Jugoslawiens, in sechs Kleinstaaten. Und das ist durchaus erfreulich, denn Vielvölkerstaaten haben sich in der Geschichte immer als Konfliktherde erwiesen, die Unabhängigkeit einer Nation als die beste Lösung.

Der „Dumme“ ist in diesem Fall der Fußball. Denn von den 15 Teilrepubliken der UdSSR gehören 11 zur UEFA, weiterhin die 6 Nationen Ex-Jugoslawiens. Aus zwei Ländern vor 20 Jahren sind also 17 geworden, die an allen europäischen Qualifikationsausscheiden teilnehmen, zusätzlich zum altbekannten „Kanonenfutter“ (u.a. Luxemburg, San Marino, Färöer).

(Fast) Alles spricht für eine Vorqualifikation

Für den Fußball bedeutet jede neu hinzukommende kleine Nation in der Regel einen sportlichen Qualitätsverlust. Wenn mehr als die Hälfte der 53 Starter nur „dabei sein“ und einmal gegen England, Spanien, Italien, Frankreich oder Deutschland spielen will, dann ist das für diese kleinen Fußballnationen zwar ein Highlight, für die großen aber eine weitere lästige Reise in irgendeinen unbekannten Winkel Europas bzw. Eurasiens. Außerdem bedeuten Spiele gegen Mannschaften, die um Klassen schlechter sind als man selbst, dass man in der Heimat nur etwas „gewinnen“ kann, wenn man mindestens mit 6:0 gewinnt.

Bei allem Verständnis für die Litauens, Andorras, Färöers oder Moldawiens würde eine Vorqualifikation der 25 oder 30 schlechtesten Mannschaften Europas dem Fußball insgesamt gut tun. Wer sich hier gegen Gegner auf Augenhöhe durchsetzt, hätte es sich redlich verdient, in einer späteren Vierergruppe gegen drei größere Nationen zu spielen.

Die großen Teams wiederum würden sich die eine oder andere lästige und undankbare Reise ersparen, im Rahmenterminkalender wäre aufgrund einiger wegfallender Pflicht-Länderspiele mehr Platz für Ruhepausen bzw. ein oder zwei Freundschaftsspiele. Und auch für die Zuschauer würde die Sache wieder interessanter, weil es dann in jedem Quali-Spiel wirklich um etwas gehen würde. Schließlich kann in jeder Vierergruppe mit nur sechs Spielen jeder Punktverlust schon das Aus bedeuten.

Warum es nie zu einer Vorqualifikation kommen wird

Auch wenn Vieles für eine Vorqualifikation spricht, wird diese Idee vermutlich nie in die Tat umgesetzt werden. Zum einen, weil jedes Qualifikationsspiel vermarktet werden kann und somit weiteres Geld in die Kassen der UEFA bzw. FIFA spült. Zum anderen, weil jeder UEFA -Präsident, der sich öffentlich für eine solche Vorqualifikation aussprechen würde, bei der nächsten Wahl von den kleineren Mitgliedsverbänden abgestraft würde. Und so wird man sich auch weiterhin auf sie einstellen müssen, diese Samstage bzw. Mittwoche, an denen sich die DFB-Elf mit Liechtenstein, San Marino, Kasachstan oder Aserbaidschan messen muss.

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