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Apr
02

Neues vom Keinbockheim: Der 1.FC Köln verblüfft alle

Normalerweise gehört der 1.FC Köln zu den ausrechenbaren Fußballvereinen im Land. In einer Situation wie der aktuellen, hat man in der Vergangenheit stets den Übungsleiter ausgetauscht. Genau das ist nicht passiert. Und damit hat der FC nicht nur die zahlreichen Medienvertreter vor Ort verblüfft, die vorschnell die Entlassung von Stale Solbakken verkündet.

Wieder einmal geht es drunter und drüber in Köln. Es wäre auch zu schön gewesen, wenn in der heißen Phase einer Bundesliga-Saison am Geißbockheim Ruhe herrschen würde. So ist das Trainingsgelände des ersten Bundesligameisters erneut zu einer Pilgerstätte für frustrierte Fans und sensationslüsterne Medien geworden. Nachdem sich die Mannschaft nach der 1:2-Pleite bei Aufsteiger Augsburg nicht ganz zu Unrecht blanker Enttäuschung und Wut ausgesetzt sah, rechnete nun wirklich jeder mit der Entlassung des Trainers.

So überschlugen sich in den einschlägigen Medien (Bild, Express, Ksta, Sport1, kicker, Spox & Co.) denn auch die Meldungen, wonach Solbakkens Aus bereits besiegelt sei und Frank Schaefer das Ruder bis zum Saisonende übernehmen werde. Umso überraschender dann die Presseerklärung des FC am Sonntag (1. April) um 16:30 Uhr, in der man dem aktuellen Trainerteam den Rücken stärkte.

Solbakken bleibt – und spaltet die Massen

Das Festhalten am Trainer sorgte etwa im Verhältnis 50:50 sorgte für Entrüstung und für Zustimmung beim Anhang. Ich zähle mich zur Fraktion der Solbakken-Befürworter. Denn Hand aufs Herz: Die gestern als Alternativen gehandelten „Feuerwehrmänner“ stellen allesamt keine Verbesserung dar.

Frank Schaefer galt noch vor einem Jahr als zu weich für die Bundesliga. Außerdem fehlte es ihm in weiten Teilen der Mannschaft – allen voran bei der Portugal-Fraktion um Petit und Geromel – an Akzeptanz.

Klaus Toppmöller war in den letzten Jahren einer der Dauerkandidaten beim FC. Doch die Zeiten, in denen man „Toppi“ noch als gute Verpflichtung bezeichnen konnte, gehören der Vergangenheit an. Lange lebte er von seinen Erfolgen mit Bochum in den späten Neunzigern und seiner Vize-Triple-Saison mit Bayer Leverkusen 2001/02. Anders ausgedrückt: Seit einem Jahrzehnt ist Toppmöller den Nachweis erfolgreicher Arbeit schuldig geblieben.

Selbst der Name Peter Neururer ist gefallen. Doch nach dem als Sprücheklopfer bekannten Ex-FC-Trainer (3/1996-9/1997) kräht seit Jahren kein Hahn mehr. Wenn es in Liga 1 lichterloh brannte, wurde der Trainerposten stets anderweitig besetzt. Böse Zungen behaupteten, dass einzig der 1.FC Köln für eine Neururer in Frage komme. Doch nicht einmal der FC hat sich zu diesem Schritt entschlossen.

Alle Beteiligten nun in der Pflicht

Stattdessen darf Stale Solbakken vorerst weitermachen. Der Norweger ist zwar ebenfalls nicht der Liebling aller Spieler (welcher Trainer ist das schon?), doch weil er im Amt bleiben darf, ist die Mannschaft nun stärker in der Pflicht. Die Führung um Claus Horstmann forderte den Trainer am Sonntag geradezu dazu auf, mit aller Härte durchzugreifen. Damit hat Solbakken die Lizenz, den Kader umzukrempeln und Leitungsverweigerer sowie Stinkstiefel zu rasieren. Mehr Mittel hätte ein neuer Trainer vermutlich auch nicht zur Verfügung.

Natürlich ist das Festhalten an Solbakken keine reine Überzeugungstat Horstmanns, sondern auch ein Versuch, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Denn nachdem alle anderen starken Männer im Verein in den letzten Monaten freiwillig (das Präsidium Overath) oder unfreiwillig (Sportdirektor Finke) das Feld geräumt haben, wird Horstmann zunehmend kritischer gesehen. Immerhin ist der Geschäftsführer im 13. Dienstjahr beim FC und somit für die Entwicklung des Vereins in dieser Zeit mitverantwortlich. Klar scheint zu sein, dass Horstmann einen weiteren Abstieg kaum überstehen würde. Damit es nicht so weit kommt, setzt er nun alles auf die Karte Solbakken.

Aber auch der Übungsleiter muss nun ultimativ beweisen, dass er Zug in die Mannschaft bekommt. Auch wenn sich der eine oder andere Spieler einen schlechten Charakter und eine unprofessionelle Arbeitsauffassung nachsagen lassen muss, gehört es zu den Aufgaben eines Trainers, aus Individualisten zumindest eine Zweckgemeinschaft zu formen, die 90 Minuten alles für den Sieg gibt.

Das ist Solbakken in den vergangenen Wochen gründlich misslungen. Anders als noch in der Hinrunde, ist die Mannschaft seit Jahresbeginn nicht mehr in der Lage, nach katastrophalen Leistungen eine Trotzreaktion im nächsten Spiel zu zeigen. Bleibt das so, dürfte der fünfte Abstieg der Vereinsgeschichte bevorstehen. Sollte die Trendwende ausbleiben, blieben dem Verein angesichts der anstehenden englische Woche (7.4. gegen Bremen, 10.4. Tage in Mainz, 15.4. in Mönchengladbach) dann nur noch drei Spiele bleiben, um doch noch einmal den Trainer auszutauschen…

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