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Jun
02

Nicht totzukriegen – Der HSV darf weiter polarisieren

So knapp und dramatisch wie nie hat der Hamburger SV seinen ersten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga vermieden. Der Dino lebt weiter, die Uhr tickt noch mindestens ein weiteres Jahr. Wie oft soll sich das noch wiederholen? Ein Appell ans entweder oder.

Die Marketing-Abteilung des Hamburger SV sollte überlegen, den Dino als Maskottchen durch einen Zombie zu ersetzen. Denn eigentlich war der HSV am Montagabend schon tot: Im Relegations-Rückspiel beim Karlsruher SC schlecht gespielt, 0:1 in Rückstand geraten, nur noch wenige Minuten zu spielen.

Alles verdichtete sich auf ein letztes Hoffen der HSV-Fans auf die Rettung. Und auf ein letztes Bangen im schadenfrohen Teil Fußball-Deutschlands, der Dino möge endlich und verdientermaßen absteigen. Dann kam es, wie es bei diesem Verein fast schon kommen musste: Der Fußball-Gott zeigte sich gnädig, Schiedsrichter Manuel Gräfe gewährte den Rothosen eine umstrittene letzte Chance. Ausgleich, Siegtreffer, Rettung.

Der HSV gehört in die Bundesliga, aber…

Der Hamburger SV gehört in die Bundesliga, ohne ihn wäre sie an Tradition, aber auch an Emotionen ein ganzes Stück ärmer. Auf der anderen Seite hat vermutlich kein Verein in 52 Jahren Bundesliga so akribisch auf einen Abstieg hingearbeitet wie der HSV. Seit zwei Jahren geben sich der Klub und seine Angestellten bei nahezu jeder sich bietenden Gelegenheit der Lächerlichkeit preis, nur um sich dann in der Relegation auf lächerlich skurrile Weise zu retten. Wollt Ihr uns das noch ein weiteres Jahr antun?

Ganz ehrlich, HSV: Entweder im Sommer mit dem eisernen Besen durch den Laden kehren und jeden vor die Tür setzen, der sich im Verlauf der Saison als untauglich erwiesen hat. Und dann endlich das aus dem Verein herausholen, was der Rahmen ermöglicht und was die Fans verdienen. Oder aber einfach mal absteigen und zumindest den Rest von Fußball-Deutschland erlösen.

Hallo, Charakter?

Rettungsfreude und Stolz auf die Moral der Spieler im Saisonfinale hin oder her. Diese Mannschaft hat sich nicht gerettet. Ihre Spieler haben so unglaublich wenig Charakter, dass sie es „geschafft“ haben, trotz ihrer hohen individuellen Qualität bis zur letzten Sekunde zittern zu müssen – und die Rettung dann auch nur mit sehr viel Glück zu bewerkstelligen.

Nun wird das Verhindern des Super-GAU wieder gefeiert wie eine historische Großtat, wie ein WM-Titel oder eine Meisterschaft: Der scheidende Großverdiener Rafael van der Vaart schnappte sich am späten Montagabend die immer noch laufende Uhr, zu deren Weiterticken er herzlich wenig beigetragen hat. Der kaum schlechter alimentierte Lewis Holtby gab am Mikrofon den Vorsänger bei der Nicht-Abstiegsparty. Es war seine beste Leistung der Saison. Das ist herzlich wenig für den Verein von Uwe Seeler, Kevin Keegan und Ernst Happel.

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