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Sep
29

„Nichts Illegales gemacht“ – Chronologie der Blatter-Skandale

Sepp Blatter will trotz der Eröffnung eines Strafverfahrens gegen sich Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA bleiben. Er habe „nichts Illegales oder Unzulässiges gemacht“, teilte er am Montag den Mitarbeitern in der FIFA-Zentrale in Zürich mit. Aktives Abseits hilft dem 79-Jährigen auf die Sprünge mit einem „Best of“ seiner skandalösen Verstrickungen.

1998: Präsident dank Bestechung?

Der langjährige FIFA-Generalsekretär Sepp Blatter kandidiert als Nachfolger des 82 Jahre alten skandalumwitterten Weltverbandspräsidenten Joao Havelange. Gegen seinen Widersacher Lennart Johansson, amtierender UEFA-Präsident und klarer Favorit auf den Wahlsieg, setzt sich „der zweite Mann“ Blatter überraschend durch. Gerüchte über die Bestechung von FIFA-Delegierten machen die Runde, sind bis heute aber nicht bewiesen. Der Schwede Johansson wunderte sich hinterher öffentlich, dass Delegierte, die ihm ihre Unterstützung zugesichert hatten, plötzlich für Blatter stimmten.

2002: Erster Verdacht der Veruntreuung

Kurz vor dem Ende seiner ersten Amtsperiode erstatten elf Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees Anzeige gegen Blatter wegen des „Verdachts der Veruntreuung und der ungetreuen Geschäftsbesorgung“. Drahtzieher ist Blatters damaliger Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen, der seinen Boss in einem 31-seitigen Dossier der Korruption beschuldigt. Allen Verdachtsmomenten zum Trotz wird Blatter im Duell mit Herausforderer Issa Haytou aus Kamerun wiedergewählt.

2002: Persönliche Bereicherung bei Ticketverkäufen?

Kaum wiedergewählt, gerät Blatter bei der WM 2002 in Japan und Südkorea wieder in die Schusslinie. Tausende Fans bleiben aus mysteriösen Gründen ohne Eintrittskarten, als Schuldiger wird ein langjähriger FIFA-Partner ausgemacht, der für das Ticketing mitverantwortlich ist. Auch werden Gerüchte laut, wonach FIFA-Funktionäre Karten auf dem Schwarzmarkt veräußern und sich daran bereichern würden – der Präsident ist hier inbegriffen. Blatters Generalsekretär Jerome Valcke wurde in dieser Angelegenheit Mitte September 2015 angeklagt und von der FIFA suspendiert (s.u.).

2010: Russland und Katar

Als Blatters „Meisterstück“ gilt die Doppel-Vergabe der WM-Endrunden 2018 an Russland und 2022 an Katar. Besonders die Vergabe an das Emirat am Persischen Golf lässt Abermillionen von Fans fassungslos zurück. Temperaturen jenseits der 40 Grad lassen im Sommer keinen Fußball zu, auch ist das Emirat wegen der menschenunwürdigen Lebensbedingungen seiner Arbeiter in Verruf geraten. Doch die FIFA findet eine Lösung: Das Turnier wird einfach in den Winter verlegt. Dazu muss lediglich der Fußball-Rahmenterminkalender in den Jahren vor und nach der WM 2022 verändert werden. Ist ja kein großes Ding… Die Menschenrechte werden auf die lange Bank geschoben. Was darüber hinaus bleibt, sind Korruptionsvorwürfe. Mittlerweile ermittelt nach Selbstanzeige der FIFA (sic!) die Schweizer Bundesanwaltschaft wegen „Unregelmäßigkeiten“.

2011: Zwei auf einen Streich

Erneut droht es für Blatter kurz vor der FIFA-Präsidentenwahl eng zu werden. Doch erneut geht er als Sieger hervor, weil der Katarer Mohammed Bin Hammam seine Kandidatur nach plötzlich auftretenden Korruptionsgerüchten zurückzieht. Fast zeitgleich legt Jack Warner aus Trinidad und Tobago, der 1998 für Stimmen besorgt haben und im Gegenzug die WM-TV-Rechte für einen Spottpreis erhalten haben soll, wegen eben dieser Schmiergeldaffäre seine Ämter nieder. Blatter bleibt zumindest formal unbeschadet, wie auch immer er das geschafft hat.

2015: Massen-Festnahme vor FIFA-Kongress

Zwei Tage vor dem FIFA-Kongress in Zürich, auf dem Blatter zum vierten Mal wiedergewählt wird, nehmen US-Ermittler sieben ranghohe Funktionäre wegen des Verdachts der Korruption fest, darunter zwei Vizepräsidenten. Blatter gewinnt die Skandal-Wahl, weil sich sein Widersacher Prinz Ali bin Al Hussein nach einem 73:133 im ersten Wahlgang zurückzieht. Eine Welle der Kritik prasselt auf den „Sonnenkönig“ ein, die Glaubwürdigkeit der FIFA erreicht ihren Tiefpunkt. Vier Tage nach der Wahl kündigt Blatter am 2. Juni seinen Rücktritt an, der auf einem Außerordentlichen Kongress am 26. Februar 2016 vollzogen werden soll.

2015: Sturz der rechten Hand

Die Einschläge kommen näher für Sepp Blatter: Mitte September wird Generalsekretär Jerome Valcke von allen Aufgaben entbunden. Dem 54 Jahre alten Franzosen, seit 2007 zweiter Mann der FIFA und rechte Hand Blatters, wird konkret vorgeworfen, sich beim Ticketverkauf für mehrere WM-Endrunden bereichert zu haben. Valcke wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe, die FIFA-interne Ethikkommission nimmt Untersuchungen auf.

2015: Blatter wankt mehr denn je

Nach der Exekutivkomitee-Sitzung am 25. September in Zürich teilen die Schweizer Justiz-Behörden mit, dass auch gegen Blatter ermittelt wird. Eine geplante Pressekonferenz mit dem 79-Jährigen wurde zuvor kurzfristig abgesagt. Blatter wird unter anderem „eine treuwidrige Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken im Februar 2011 zu Lasten der FIFA“ an UEFA-Präsident Michel Platini vorgeworfen, der ihn gern als FIFA-Boss ablösen möchte. Blatter wie Platini behaupten, es handele sich um reguläre Beraterhonorare für den Zeitraum Januar 1999 und Juni 2002.

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