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Jul
17

Operation Felge: Saisonvorschau 2. Bundesliga 2013/14

Am Freitag startet die 2. Fußball-Bundesliga in die Saison 2013/14. Wieder einmal macht das Schlagwort der „besten 2. Liga aller Zeiten“ die Runde. Angesichts von Namen wie Fortuna Düsseldorf, Greuther Fürth, 1. FC Kaiserslautern, 1. FC Köln oder 1860 München kann man zumindest nominell nicht meckern. Doch der Kreis der Aufstiegsaspiranten ist noch ein wenig größer. Eines scheint jetzt schon klar: Die neue Spielzeit wird wieder einmal extrem offen und spannend.

DIE TOPFAVORITEN

Fortuna Düsseldorf: Nur ein Betriebsausfall?

33 Spieltage stand die Fortuna in der abgelaufenen Saison auf einem der ersten 15 Plätze. Ausgerechnet am 34. und letzten Spieltag mündete die sportliche Talfahrt der Rückrunde aber noch in den direkten Abstieg. Eine eigene Pleite in Hannover sowie die Siege von Augsburg und Hoffenheim bedeuteten Platz 17 – der Traum von der Beletage war nach nur einer Saison ausgeträumt.

Nun startet die Fortuna als einer der Top-Favoriten in die Zweitligasaison. Der Verein hat auf vielen Positionen einen Cut vollzogen, sich vom einstigen Erfolgstrainer Norbert Meier getrennt und ihn durch den „Düsseldorfer Jung“ Mike Büskens ersetzt. Die „Stars“ Andrej Voronin, Dani Schahin oder Robbie Kruse wurden eher mit Kusshand als mit Bedauern verabschiedet.

Insgesamt ist der Kader auf 25 Positionen verändert worden, die Fortuna hat aber einen Umbruch auf hohem Niveau vollzogen. Von den Neuen dürften Mittelfeldspieler Levan Kenia (Lwiw), Angreifer Charlison Benschop (Brest) und Linksverteidiger Heinrich Schmidtgal (Fürth) gesetzt sein. Spannend wird der Kampf um die Nummer eins: Der im Vorjahr zunächst überragende und dann enttäuschende Fabian Giefer hat in Michael Rensing (Leverkusen) einen erstklassigen Konkurrenten erhalten. Insgesamt ist der Kader ausgeglichen besetzt und dürfte zu den stärksten der 2. Liga gehören.

Prognose: Offiziell wurde der Wiederaufstieg erst als Ziel für die übernächste Saison ausgegeben. Doch auch wenn Düsseldorf sich erst einspielen muss, gehört die Fortuna zu den Top-Kandidaten auf einen direkten Aufstiegsplatz. Das 3:2 in der Generalprobe gegen AS Monaco mit Stars wie Falcao, Carvalho und Moutinho untermauerte diesen Eindruck.

1. FC Kaiserslautern: Mit Angriffspower ins Oberhaus

In der Vorsaison scheiterte der FCK knapp, aber nicht unverdient in der Relegation gegen 1899 Hoffenheim an der Rückkehr ins Oberhaus. Dieses Mal wollen die Pfälzer die beiden Nervenspiele unbedingt umgehen und den direkten Weg nach oben schaffen. Um dies zu dokumentieren, hat Vorstand Stefan Kuntz die Mannschaft mit den Frankfurtern Olivier Occean und Karim Matmour besonders in der Offensive prominent verstärkt. Nimmt man das bisherige Top-Angriffsduo Mo Idrissou und Albert Bunjaku hinzu, verfügen die Roten Teufel wohl über die größte Angriffspower aller Zweitligisten.

Auch die Abwehr um Marc Torrejon dürfte wieder zu den sichersten der Liga zählen. Einzig das Mittelfeld, das die spielstarken Akteure Alexander Baumjohann (Berlin) und Mitchell Weiser (Bayern) verloren hat, dürfte ein wenig an Potenzial eingebüßt haben. Insgesamt ist die Mannschaft des nicht ganz unumstrittenen Trainers Franco Foda aber unter diesen Voraussetzungen zum Aufstieg verdammt.

Prognose: Anders als die größten Konkurrenten um die vorderen Plätze ist die Lauterer Mannschaft im Kern zusammengeblieben. Gelingt es, die vielen Punktverluste der Vorsaison nach Führung abzustellen, ist der FCK ein logischer direkter Aufsteiger.

1. FC Köln: Jetzt – oder nie?

Nach einem Übergangsjahr, das nach schwachem Start und zwischenzeitlichen Ambitionen auf den Relegationsplatz letztlich auf Position fünf beendet wurde, ist der FC nun gefordert. Auch wenn die Verantwortlichen den Druck bewusst kleinreden, muss das Team um den neuen Trainer Peter Stöger und den neuen Sportdirektor Jörg Schmadtke in dieser Saison unbedingt aufsteigen, will man in Zukunft nicht (noch) kleinere Brötchen backen.

Dass der Klub ins Risiko gegangen ist, lässt sich allein an der rund zwei Millionen Euro teuren Verpflichtung des bisherigen Leihstürmers Anthony Ujah (Mainz) festmachen. Der technisch limitierte, aber durchaus treffsichere Mittelstürmer trägt in der Offensive die Hauptlast des Toreschießens. Dahinter hat sich der FC mit Marcel Risse (Mainz), Daniel Halfar (1860) oder Roman Golobart (Wigan) solide bis gut verstärkt. Mit Christian Clemens ging zwar der beste Spieler der Vorsaison nach Schalke, doch der Kader dürfte vor allem in der Breite an Qualität hinzugewonnen haben.

Prognose: Für Trainer Stöger ist der deutsche Fußball Neuland. Zudem haben die Vorbereitungsspiele gezeigt, dass sich die Mannschaft noch finden muss. Zum Start warten mit Dresden und Düsseldorf gleich zwei harte Aufgaben. Umschifft der FC diese Klippen und gelingt ein besserer Start als im Vorjahr (kein Sieg aus den ersten sechs Spielen), werden die Geißböcke gemeinsam mit Kaiserslautern und Düsseldorf um die ersten drei Plätze kämpfen.

DIE VERFOLGER

Greuther Fürth: Neustart nach dem Lehrjahr

Für die Franken war das Abenteuer Bundesliga nach nur der Premierensaison bereits beendet. Als schwächste Heimmannschaft der 50-jährigen Ligageschichte stand Fürth im Grunde bereits im Winter als Absteiger fest. Die Greuther haben ihren Kader sogar auf 31 Positionen verändert: 15 Abgängen stehen 16 Neue gegenüber. Mit Edgar Prib (Hannover) und Felix Klaus (Freiburg) haben zwei der wenigen Lichtblicke des Vorjahres den Verein verlassen, mit Johannes Geis (Mainz) ging zudem das größte Talent der Kleeblätter.

Zumindest konnte mit Nikola Djurdjic der Top-Torjäger und mit Abdul Rahman Baba ein umworbenes Außenverteidigertalenten gehalten werden – wohl auch ein Fingerzeig, dass die Greuther durchaus angreifen wollen. Aufhorchen ließ zuletzt das 6:2 im Test gegen den schottischen Meister Celtic Glasgow.

Prognose: Die Truppe von Frank Kramer gehört nicht zum engsten Favoritenkreis. Ein „typisches“ Fürther Jahr wie vor dem Aufstieg 2012 mit einer Endplatzierung unter den Top Sechs scheint aber allemal möglich. Lässt die Konkurrenz es zu, ist vielleicht sogar mehr drin.

1860 München: Der zehnte Versuch

Die Löwen sind mittlerweile das Urgestein der 2. Liga. Seit dem Bundesligaabstieg 2004 verweilen die Münchner nun schon im Unterhaus. Jedes Jahr war der Aufstieg das Ziel, doch stets verlor der TSV zeitig die Tuchfühlung zur Spitze. Das Chaos in der Führung ist inzwischen legendär. Ob unter dem neuen Präses Gerhard Mayrhofer endlich Ruhe einkehrt?

Personell tat sich wenig bei den Löwen, mit Yannick Stark (FSV Frankfurt) und Daniel Adlung (Cottbus) wurden aber zumindest zwei herausragende Zweitligaakteure der Vorsaison an die Isar gelotst. Gemeinsam mit den Altstars Gabor Kiraly, Daniel Bierofka, Benjamin Lauth und Rob Friend sollen sie der Mannschaft die nötige Qualität für den Aufstiegskampf verleihen. Das Problem im Vorjahr war die Offensive: Nur 39 selbst erzielte Tore konnten nie und nimmer für den Aufstieg reichen.

Prognose: Wenn nicht alle Nase lang weiterhin Provinzpossen aufgeführt werden, könnten die Löwen einen Satz machen und eine bessere Platzierung als den sechsten Rang des Vorjahres einfahren. Für einen Einlauf auf den ersten drei Rängen müsste aber alles passen.

Union Berlin: Das neue Braunschweig?

Zuletzt war Union zweimal in Folge als Siebter in Lauerstellung. Mit Verteidiger Mario Eggimann (Hannover) und Mittelfeldspieler Benjamin Köhler (Kaiserslautern) sind zwei erstligaerfahrene Recken zu einer bereits funktionierenden Mannschaft gestoßen. Der Kader wirkt nun qualitativ und quantitativ so gut besetzt wie seit dem Wiederaufstieg nicht.

Im treuen Berliner Anhang erwartet wohl niemand von Trainer Uwe Neuhaus und seiner Mannschaft den Aufstieg. Alles kommt in dieser Phase ein wenig beschaulich daher – fast wie vor einem Jahr ein Braunschweig. Die Eintracht spielte anschließend eine Hinrunde ohne Makel und war in der Winterpause fast schon aufgestiegen. Ob Union Ähnliches zu Wege bringen kann?

Prognose: Die Eisernen sind ein Geheimfavorit für den Aufstieg. Die Bilanz im eigenen Stadion in der Vorsaison war top (34 Punkte). Legt Union nun auch in der Fremde zu, kann es für die Konkurrenz gefährlich werden.

DIE AUßENSEITER

FSV Frankfurt

Der Überraschungsvierte der Vorsaison hat mit John Verhoek (St. Pauli), Marcel Gaus (Kaiserslautern) und Yannick Stark (1860) drei seiner Besten an Ligakonkurrenten verloren. Zudem ist der Überraschungseffekt des Vorjahres weg. Der FSV sollte im Kampf um den Aufstieg daher keine Rolle spielen.

Energie Cottbus

Im Vorjahr lag Energie lange im Rennen um den Relegationsplatz, brach aber in der Rückrunde ein und wurde Achter. Mit Mittelfeldspieler Daniel Adlung, Abwehrass Uwe Hünemeier und Keeper Thorsten Kirschbaum sind drei Stützen weg. Inwiefern die Neuen (u.a. Robert Almer, Charles Takyi, Erik Jendrisek) deren Verlust kompensieren können, bleibt abzuwarten. Im Idealfall ist das obere Tabellendrittel für Energie drin.

FC St. Pauli

Torjäger Daniel Ginczek ist weg, dafür hat St. Pauli mit Bernd Nehrig, Christopher Nöthe (beide Fürth), Marc Rzatkowski (Bochum) und John Verhoek (FSV Frankfurt) zweitligaerprobte Akteure hinzugewonnen. Mehr als Platz zehn sollte für die Frontzeck-Elf damit drin sein. Vielleicht klopfen die Hamburger ja sogar ganz zart oben an.

FC Ingolstadt

Alle Jahre wieder will der Audi-Verein nach oben. Wirklich vorangekommen ist der Abonnent auf einen Mittelfeldplatz aber nie. Unter Neu-Trainer Marco Kurz gehen die Bayern die Saison nun mit einer verjüngten Mannschaft an. Mehr als ein Platz im Mittelfeld dürfte also wieder nicht drin sein.

VfL Bochum

Peter Neururer hat den VfL in den letzten sechs Spielen der Vorsaison reanimiert und gerettet. Doch was nun? Läuft es Neururer-typisch, kommen die Bochumer schwach aus den Startlöchern und entlassen den Retter bald wieder. Der Verlust von Leon Goretzka (Schalke), Christoph Kramer (Gladbach) und Marc Rzatkowski (St. Pauli) spricht für ein solches Szenario. Die Neuen um Christian Tiffert (Seattle), Heiko Butscher (Frankfurt) und Felix Bastians (Hertha BSC) könnten diese Verluste mit ihrer Erfahrung aus zahlreichen Erstligaspielen auffangen, allerdings haben alle drei in ihrer Karriere schon bessere Tage gesehen. Für den VfL steht daher in der kommenden Saison die Konsolidierung im Vordergrund.

AUGEN NACH UNTEN

Für das klamme Überraschungsteam VfR Aalen (9. der Saison 2012/13), den SC Paderborn (12.), Erzgebirge Aue (15.), Dynamo Dresden (16.; in der Relegation gegen Osnabrück gerettet) sowie die beiden Aufsteiger Karlsruher SC und Arminia Bielefeld dürfte es 2013/14 allein um den Klassenerhalt gehen. Das gilt auch und insbesondere für den SV Sandhausen, der nach dem sportlichen Abstieg als Siebzehnter der Vorsaison erst durch den Lizenzentzug des MSV Duisburg noch mit Verspätung die Klasse gehalten hat.

2 Kommentare

Derzeit kein Ping

  1. Kölsche Ziege sagt:

    Bald geht es los. Die Spannung steigt und das Fieber auch. Danke für die schöne Zusammenfassung.
    Gruß
    Die kölsche Ziege

  2. WolframWuttke sagt:

    Moin Marco,

    muss mal Deine ungewohnt mainstreamige FCK-Prognose kommentieren:

    Matmour ist als Neuzugang keiner Erwähnung wert, ein völlig unnützer Transfer. Gegen Gaus, Stöger, Wooten und Fortounis sollte er keine Chance haben. Toptransfers im Sturm sind Occean und Zoller sowie Ring und Jenssen im MF

    Torrejón: Erstaunlich, dass Du, der Kicker und selbst meine FCK-Kumpels ihn als Abwehrchef sehen. m.E. ist Torre überhaupt kein Leadertyp, spielerisch limitiert und spricht schlecht deutsch. Simunek halte ich hingegen für prädestiniert für den Posten. Allerdings finde ich für diese Meinung wohl keine Mehrheit. Als Verluste sehe ich nur Baumjohann (der aber auch nur selten gut war), Weiser eher weniger.

    Mein Fazit: Der Kader ist deutlich breiter und eingespielter als letzte Saison. Wenn wir diese Saison endlich mal Fußball spielen, Ring/Jenssen und Zoller einschlagen und eventuell sogar auf Fortounis gesetzt wird, können wir aufsteigen. Dies würde allerdings eine phantastische Weiterentwicklung bei Franco Foda bzw. einen Trainerwechsel bedingen.

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