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Jul
18

Paris St. Germain kann Leben kaufen

Vor wenigen Wochen erklärte der Bremer Skandalstürmer Marko Arnautovic einem österreichischen Gendarm, wie die Welt funktioniert: „Ich bin so reich, ich kann dein Leben kaufen.“ Dieser Satz zeugt nicht nur von der epochalen Tumbheit von “Astronautovic“, sondern ist auch ein treffendes Motto für das, was Paris St. Germain gerade auf dem Transfermarkt veranstaltet.

Der zweimalige französische Meister Paris St. Germain war nie ein Verein, der jeden Franc bzw. Euro zweimal umdrehen musste. Der erst 1970 gegründete Hauptstadtclub hatte immer reiche Förderer, darunter den französischen Modemacher Daniel Hechter, der dem Verein von 1974 bis 1978 vorstand. 1991 stieg der französische Pay-TV-Sender Canal+ bei PSG ein und versorgte den Club 15 Jahre lang mit frischem Geld, ehe von 2006 bis 2009 die US-amerikanische Investmentfirma Colony Capital das Zepter schwenkte. Erst diese Mäzene und Investoren haben es dem Verein ermöglicht, überproportional viele Weltstars an die Seine zu locken. So spielten bislang u.a. die Weltmeister Youri Djorkaeff, Leonardo, Rai und Ronaldinho für die Blau-Roten. Auch illustre Weltstars, wie Nicolas Anelka, George Weah oder Jay-Jay Okocha hatten ihr sportliches Zuhause eine ganze Weile im Prinzenpark.

Neureich seit 2011, erfolgreich ab…?

2011, mit dem Einstieg der Qatar Investment Authority, brach für die Pariser jedoch eine Ära ungekannten Reichtums an. Bereits in der vergangenen Saison griff man tief in die Tasche und investierte mehr als 100 Millionen Euro in die Verstärkung der Mannschaft. Königstransfer für schlanke 42 Millionen Euro war der argentinische Mittelfeldstar Javier Pastore von US Palermo. Mit Mo Sissoko, Thiago Motta und Keeper Salvatore Sirigu wurden drei weitere Stars aus der italienischen Serie A verpflichtet.

Leonardo und Ancelotti: Begrenzter Tellerrand

Kein Wunder, heißt der „Supermanager“ (offizielle Bezeichnung auf der Homepage des PSG) doch seit 2011 Leonardo. Der brasilianische Weltmeister von 1994 ist als langjähriger Italien-Legionär als Spieler (fünf Jahre bei Milan) und Trainer (je eine Saison bei Milan und Inter) ein Intimkenner und Liebhaber der Serie A. Wenig verwunderlich ist daher auch die Trainerwahl Leonardos: Nach sportlich mäßiger Hinrunde 2011/12 verpflichtete er seinen ehemaligen Milan-Trainer Carlo Ancelotti. Dem gelang es trotz des mit Abstand teuersten Kaders der Ligue 1 nicht, das Überraschungsteam aus Montpellier in der Meisterschaft abzufangen.

Daher wurde in diesem Sommer das Portemonnaie in bislang einzigartiger Weise geöffnet. Eingekauft wurde vorwiegend – wen wundert’s – in Italien. Der argentinische Linksaußen Ezequiel Lavezzi (SSC Neapel), Spielmacher-Talent Marco Verrati (Pescara) und die Milan-Stars Thiago Silva und Zlatan Ibrahimovic kosten den Verein allein an Ablösesummen über 100 Millionen Euro. Auch der ehemalige Weltfußballer Kaka (natürlich ein Ex-Milanista) von Real Madrid soll noch kommen.

Das Faustpfand der Pariser: Geld. Mehr als beim PSG kann man in diesen Tagen nur in Katar (nachzufragen bei Senor Raul), Russland (nachzufragen bei Herrn Eto’o) oder China (nachzufragen bei Herrn Drogba) verdienen. Beim PSG spielt man dafür aber immerhin noch in einer der fünf besten – ok, der fünftbesten – Liga Europas und darf in der Champions League mitmischen. Außerdem soll man in Paris als Multimillionär ganz gut leben können. Also pourquoi pas?!

Nur B-Ware?

Ibrahimovic ist mittlerweile fast 31, Kaka bei Real Madrid nur zweite Wahl, die Serie A nur noch die viertstärkste Liga in Europa – auffällig ist, dass der PSG bei all seinen finanziellen Möglichkeiten „nur“ gehobene B-Ware verpflichtet. Bei den ganz Großen des Weltfußballs ist man bislang abgeblitzt. Weder Messi noch Ronaldo können sich einen Wechsel in die französische Hauptstadt vorstellen. Selbst Spieler, die noch ein paar Stufen von Messi und Ronaldo entfernt sind, wie Eden Hazard, der den FC Chelsea vorzieht, oder Luka Modric, der wohl zu Real Madrid wechselt, erteilten den Parisern eine Abfuhr.

Somit macht der PSG die gleiche Erfahrung wie zuvor der FC Chelsea (neureich ab 2003), Manchester City (neureich ab 2008), Anschi Machatschkala (neureich ab 2010) oder der FC Malaga (neureich ab 2011): Ein nie versiegender Geldhahn genügt im modernen Fußball nicht, um Erfolg zu haben. All diese Vereine mussten in den ersten Jahren des neuen Reichtums Nackenschläge hinnehmen. Viele Wunschspieler sagten erst einmal „nein“, stattdessen wurden vor allem gealterte Weltstars oder überschätzte Talente für unverhältnismäßig viel Geld verpflichtet.

Dankenswerterweise schauen eben diese Spieler vor allem auf das Geld, wenn sie eine solche „Herausforderung“ annehmen – und enttäuschen häufig auf dem Platz. Niemand kommentierte diesen Umstand so süffisant wie Jorge Valdano. Der frühere Generaldirektor von Real Madrid beschrieb den Wechsel von Robino 2008 zu Manchester City wie folgt: „Wir wollen ihm die Chance nicht verbauen, zu einem englischen Mittelklasseclub zu wechseln.“ Vier Jahre ist dieser Ausspruch mittlerweile her. Solange hat Manchester City gebraucht, um trotz schier unerschöpflicher finanzieller Mittel spitze zu werden. Der FC Chelsea musste neun Jahre auf den ersehnten Champions League-Sieg warten. Und wer weiß, ob Anschi Machatschkala und der FC Malaga überhaupt einmal etwas gewinnen…

Beim PSG wird sich der Erfolg auch nicht sofort einstellen. Mit diesem Kader MUSS der Verein eigentlich die französische Meisterschaft locker für sich entscheiden. Doch um in Europa vorne mitzumischen, muss noch sehr viel mehr passieren. Und Paris hin, Millionen her – die ganz großen Stars werden auch künftig einen Bogen um die Ligue 1 machen.

P.S.: Noch ein Tipp an Leonardo und Ancelotti: Wie wäre es mit Shevchenko und Bierhoff? Beide passen ins Beuteschema und sind verfügbar…

1 Kommentar

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  1. Christian sagt:

    Unvergessen die Possen der letzten Transferfenster, als Tevez, Pato und andere Kaliber absagten. Der Coup um Ibrahimovic wird sicher auch durch das Tor bei der EM befeuert worden sein.

    PSG war mal mein Herz-Klub in den 90ern, mittlerweile drücke ich der Konkurrenz die Daumen. Auch die (zuweilen problematische) Stimmung in der Kurve ist völlig amputiert worden. Der Klub zieht lauter Erfolgsfans an und hat letztes Jahr parallel zu dem Einsteig der Kataris den Dauerrivalen Marseille sowie St. Etienne in der Medienberichterstattung mit deutlichstem Vorsprung abgehängt. Ist ein wenig wie Arsenal im Highbury und dann im Emirates Stadium.

    Interessant wird die Sache dann, wenn die Sozialisten um Hollande das Wahlversprechen wahrmachen und Reiche mit 75% auf das Einkommen versteuern. Gibt es dann eine Loi Beckham?

    à plus!

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