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Mai
23

Pfiffe gegen Robben – Undankbarkeit trifft Frust

Das Freundschaftsspiel zwischen dem FC Bayern und der niederländischen Nationalmannschaft war unnötig wie ein Kropf, da gibt es keine zwei Meinungen. Und vermutlich würde heute niemand mehr über das Spiel reden, wäre der für sein Land auflaufende Bayern-Star Arjen Robben nicht von „seinem“ Publikum ausgepfiffen worden.

Einmal Star…

Vor zwei Jahren brachte Arjen Robben den FC Bayern fast im Alleingang ins Champions League-Finale. Der oftmals geniale Niederländer war in der Saison 2009/10 in den „Tod oder Gladiolen“-Spielen gegen Juventus Turin oder Manchester United der entscheidende Mann und der umjubelte Held. Auch in Liga und Pokal war Robben mit seinen zahllosen Toren und Vorlagen maßgeblich am Gewinn des Doubles beteiligt. Fast folgerichtig wurde er von den Bayern-Fans zum „Spieler der Saison“ und vor der deutschen Sportjournaille zum „Fußballer des Jahres“ gewählt. Auch in der Saison 2010/11 war Arjen Robben ein echter Stützpfeiler im Bayern-Team. Nachdem der Flügelstürmer die Hinrunde wegen einer hartnäckigen Verletzung verpasst hatte (die im Übrigen der Auslöser für das gestrige „Rekompensationsspiel“ war), verbuchte Robben in 14 Bundesligaspielen sagenhafte 22 Scorerpunkte und hatte so einen erheblichen Anteil daran, dass es der FC Bayern 2010/11 überhaupt noch in die Champions League-Qualifikation geschafft hat.

…und zurück

Im Spieljahr 2011/12 war aber alles plötzlich anders. Der sonst für seine Genialität und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor so gefeierte „Shooter“ wurde zum „Ego-Shooter“. Immer auffälliger wurde nun, was im Erfolgsfall niemand kritisiert hatte: Arjen Robben wählt als erste Option immer den eigenen Torabschluss, auch wenn ein Abspiel mehr Erfolg verspricht.

Robbens zweites Problem war, dass die Bayern auch ohne ihn, der in der Hinrunde abermals lange verletzt ausfiel, streckenweise sehr guten und erfolgreichen Fußball boten. Es passierte das, was einem Star mit Ecken und Kanten nicht passieren darf: Es kamen öffentliche Diskussionen darüber auf, ob es ohne ihn nicht sogar besser geht.

Auch Neid-Diskussionen und Spekulationen über seinen (Nicht-)Status in der Mannschaft, wo Robben den Spitznamen „Alleinikow“ innehaben soll, machten die Runde. Tiefpunkt war die Kabinenschlägerei mit Franck Ribéry nach dem Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Real Madrid. Der Franzose kam milde davon und wurde wohl nicht zuletzt dank seines guten Standings in der Mannschaft vor härteren Repressalien bewahrt.

Das „Sahnehäubchen“ Im Fall Robben waren aber Knackpunkte auf dem Spielfeld, die bei den erfolgsverwöhnten Bayern-Fans für mächtig Frust gesorgt haben: Robben vergab in Dortmund und gegen Chelsea entscheidende Elfmeter, ferner ließ er gegen Dortmund einen Hochkaräter aus. Überspitzt ausgedrückt, hat Arjen Robben dem FC Bayern in dieser Saison zwei Titel gekostet. Das ist bei genauerem Hinschauen natürlich Quatsch, die Bayern hatten sowohl in Dortmund als auch gegen Chelsea mehr als nur diese Chancen, um das Ergebnis zum Besseren zu wenden. Auch stehen immer noch elf Mann auf dem Platz. Diskutieren darf man allein darüber, ob Robben nach seinem Fehlschuss gegen Dortmund und dem Dusel-Elfer gegen Real Madrid im CL-Halbfinal-Rückspiel gegen die Engländer erneut hätte antreten dürfen. Rückblickend weiß man natürlich, dass die Antwort nur „Nein“ lauten kann.

Keine Dankbarkeit – Fans forcieren Robben-Abschied

Dass Arjen Robben nun vom Teilen des eigenen Anhangs ausgepfiffen wird, dürfte ihn selbst schwer getroffen haben. Gut vorstellbar, dass der Niederländer, dem wie jedem anderen im Bayern-Kader noch der Frust vom Samstag in den Knochen hängt, nun schmollt und seine Vertragsverlängerung bis 2015 bereut. Vorstellbar ist ebenfalls, dass Robben mit einem Abschied im Sommer liebäugelt. Sicher ist, dass gerade Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge alles tun werden, um Robben bis zum Start in die neue Saison zu besänftigen und die Fans wieder „einzunorden“. Klappt das nicht, ist ein Verkauf immer noch möglich – und nicht unwahrscheinlich.

Auch wenn freie Meinungsäußerung erlaubt ist, ist das Verhalten der Fans ist „professionell“ (im negativsten Sinne). Arjen Robben hat große Verdienste um den FC Bayern. Wenn nichts mehr half, war Robben in vielen Spielen zur Stelle. Er ist ein Spieler, der mit seinen Einzelaktionen einer ins Stocken geratenen Mannschaft helfen kann. Dafür feiert man ihn.

Eine funktionierende Elf braucht ihn dagegen nicht. Das haben mittlerweile auch seine Mitspieler registriert, die Franck Ribéry nicht zuletzt deshalb deutlich mehr in ihr Herz geschlossen haben, weil der Franzose die richtige Mischung aus Egoismus und Mannschaftsdienlichkeit gefunden hat. Robben spaltet jedoch die Truppe, weswegen ein Verbleib in der Tat problematisch werden dürfte. Nach gestern Abend ist er es mehr denn je. Sollte es zur Trennung kommen, haben die Fans sicherlich ihren Teil dazu beigetragen. Und auch wenn das Ende der „Ära“ Robben vielleicht das Beste für den Verein wären, so bleiben Verdienste doch Verdienste – und Arjen Robben hat so viele für den FC Bayern, dass ihn nicht wie einen Hund aus der Arena „prügeln“ sollte.

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