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Apr
27

Pokal-Halbfinale Bayern – Dortmund: Der letzte deutsche Clasico?

Bayern München hat sich zum dritten Mal in Folge frühzeitig und wenig spektakulär die deutsche Meisterschaft gesichert, Borussia Dortmund als großer Widersacher der letzten Jahre steht am Ende der Ära von Jürgen Klopp vor einer Zeitenwende. Das Pokal-Halbfinale zwischen den prägenden Bundesliga-Teams der vergangenen Jahre könnte das letzte innerdeutsche Highlight für lange Zeit sein.

Den Strauß Blumen zum Abschied, den Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge medienwirksam und wohl nicht ohne Kalkül in Aussicht gestellt hatte, möchte Jürgen Klopp nicht – jedenfalls nicht vor dem Anpfiff seines womöglich letzten großen Spiels als Dortmund-Trainer. Der scheidende Star-Coach ist beim Versuch, die schier uneinnehmbare Allianz-Arena zu nehmen und die schwache BVB-Saison durch die Reise zum Pokalfinale in Berlin vielleicht noch zu einem guten Ende zu bringen, im Kampfmodus: „Es ist eine sehr nette Geste, aber wir sind am Dienstag auf Krawall gebürstet.“

Vermissen wird man sie, die Wortgefechte des emotionalen Dortmunder Trainers mit den Bayern-Verantwortlichen im Vorfeld eines jeden „deutschen Clasicos“. Zu diesem nicht ganz passenden Begriff ist die Paarung aufgestiegen, seit der BVB den Bayern 2011 und 2012 in der Meisterschaft eine lange Nase gezeigt und die Münchner vor drei Jahren im Pokalfinale mit 5:2 gedemütigt hat. Jahrelang polarisierte das Duell schon Tage vor dem Anpfiff die Massen. Bayern hatte im BVB einen Widersacher, phasenweise gar einen Dominator. Waren das Zeiten!

Ein letztes Halali

Ende April 2015 lebt dieses Duell eher von seiner mitteljungen Vergangenheit. Mit dem Champions-League-Duell im Mai 2013 in Wembley, das Bayern mit 2:1 gewann, erlebte der Zweikampf seinen Zenit und Wendepunkt. Seither ist die Ergebnismaschine aus Münchnern – verstärkt mit den Dortmundern Mario Götze und Robert Lewandowski – den Westfalen um Lichtjahre voraus. Die werden sich zur kommenden Saison unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel erst einmal wieder sortieren müssen, zumal neben Klopp noch prominente Abgänge aus dem Kader (u.a. Mats Hummels, Ilkay Gündogan) drohen.

Zwar kommen auch die Münchner in absehbarer Zeit nicht mehr ein einem Umbruch vorbei. Doch wenn die Ü-30-Spieler Franck Ribéry, Arjen Robben, Xabi Alonso, Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger nicht mehr das Format für das allerhöchste Niveau haben und fließend gegen jüngere Kräfte ausgetauscht werden, dürften die großen Widersacher eher VfL Wolfsburg oder RB Leipzig heißen und nicht mehr Borussia Dortmund – Werksklubs mit prallem Konto statt Traditionsklubs mit vollen Rängen. Das Spiel am Dienstag (20.30 Uhr) wird damit umso mehr zum Pflichttermin für jeden Fan, der Fußball mit Geschichte, Herz, Dramatik liebt.

Die Top Facts zum Pokal-Halbfinale Bayern – Dortmund

  • Zum vierten Mal in Folge könnte der FC Bayern ins Pokal-Endspiel einziehen – das wäre ein Novum in der 80-jährigen Geschichte des Wettbewerbs. Selbst ein Einzug ins Endspiel 2015 wäre also einmalig. Vier Teilnahmen in Folge am DFB-Pokalfinale schaffte noch kein Klub.
  • Der FC Bayern München holte sich in den letzten beiden Jahren den DFB-Pokal und könnte in dieser Saison für zwei Meilensteine sorgen: In der Geschichte des Pokals gewann noch keine Mannschaft dreimal hintereinander den Titel. Gleichzeitig gewänne der FCB als erste Mannschaft im dritten Jahr in Folge das Double.
  • Seit dem 2:5-Debakel im Pokalfinale 2012 verlor der FC Bayern kein einziges Spiel mehr im DFB-Pokal (16 Spiele).
  • Nur zwei der letzten 20 DFB-Pokal-Partien seit Saisonbeginn 2011/12 verlor der BVB (17 Siege plus ein Erfolg im Elfmeterschießen). Beide Niederlagen erlitten die Westfalen aber gegen Bayern München: im Viertelfinale 2012/13 (0:1) sowie im Finale 2014 (0:2 nach Verlängerung).
  • In den letzten vier Halbfinalspielen setzte sich der BVB jedes Mal durch, zuletzt 2013/14 mit 2:0 zu Hause gegen den VfL Wolfsburg. In all diesen vier Partien blieben die Schwarz-Gelben ohne Gegentor.
  • In der laufenden Pokalsaison konnte der BVB starke 69,2 Prozent seiner Großchancen verwerten, der FC Bayern nur 12,5 Prozent.
  • Das Halbfinale ist das 22. Pflichtspiel von Klopp als BVB-Coach gegen den FC Bayern. Seine Bilanz: 8 Siege, 3 Remis und 10 Niederlagen.
  • Während der Amtszeit von Jürgen Klopp beim BVB (2008-2015) arbeiteten beim FC Bayern sechs verschiedene Trainer.
  • Dauerbrenner im Endspiel: Manuel Neuer könnte sein fünfte DFB-Pokal-Finale in Folge erreichen (viermal für die Bayern, einmal für Schalke). Das ist noch keinem Spieler gelungen.
  • Arjen Robben traf in all seinen drei Pokalduellen gegen den BVB ins Schwarze, so auch im letztjährigen Finale zum 1:0.
  • Zum achten Mal findet diese Begegnung im DFB-Pokal statt: Fünfmal behielt der FC Bayern die Oberhand, zweimal der BVB (einmal im Elfmeterschießen.)
  • Beide Bundesliga-Duelle 2014/15 gingen an Bayern. 2010/11 und 2011/12 gewann der BVB noch alle fünf Pflichtspiele gegen den FC Bayern (vier Bundesligaduelle sowie das Pokalfinale 2012).

(Quelle: Volkswagen Data Service)

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