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Feb
13

Preetz à porter – Warum Hertha BSC an Michael Preetz festhalten muss

Nach einer sportlich soliden Hinrunde hat sich Hertha BSC Berlin in den vergangenen zwei Monaten ohne Not selbst in die Bredouille gebracht. Der Posse um Aufstiegstrainer Markus Babbel folgte der Fehlgriff Michael Skibbe. An beiden Personalien entscheidend beteiligt war der Geschäftsführer Michael Preetz. Ein Abstieg wäre zu einem guten Teil sein Verdienst.

Das Problem der Hertha ist aber: Eine Demission von Michael Preetz in der aktuellen Situation kann bei allen Fehlern der Vergangenheit keine Option sein. Obwohl sich die Hertha-Ikone (Berliner Bundesliga-Rekordtorschütze mit 84 Treffern) in 32 Monaten Amtszeit bereits von vier Trainern getrennt hat, steht Preetz derzeit nicht zur Disposition. Nicht, weil der Ex-Nationalspieler der richtige Mann ist. Vielmehr ist er unersetzlich, weil er das einzige Mitglied der Hertha-Führungsriege ist, das für sportliche Kompetenz steht. Würde man ihn nun schassen, müsste der Vorstand erst einmal einen neuen „starken Mann“ ausfindig machen. Und erst dann könnte man sich auf die Suche nach einem neuen Trainer machen. So oder so wird Michael Preetz also noch eine Chance erhalten (müssen).

Das ist nun einmal der Preis, den ein Verein zahlt, der nur über einen „Experten“ in der Führung verfügt. Beim FC Bayern wird in Krisenzeiten gerne angeführt, dass auf der Führungsetage zu viele „Köche“ sitzen, die den Brei verderben (Beckenbauer, Hoeneß, Rummenigge, Breitner, Nerlinger). Doch wenn sich ein Club allein auf einen Mann verlässt, ist das ebenfalls ein Vabanque-Spiel. Nachzufragen in Wolfsburg, als man nach der Meisterschaft 2009 und dem Abgang von Geschäftsführer/Manager/Trainer Felix Magath gleich für drei Schlüsselpositionen eine neue Kraft suchen musste. Und ähnlich ist es auch bei der Hertha, wo man unter der Saison kaum einen fähigen und verfügbaren Mann finden dürfte, der noch dazu bereit ist, das durchaus vorhandene Risiko eines Abstiegs einzugehen.

Preetz: Der nächste Schuss muss sitzen

Vorerst werden Preetz‘ frühere Mitspieler René Tretschok (bisher U19-Coach) und Ante Covic (U15) die Mannschaft betreuen. Auf Interimslösungen aus den eigenen Reihen zu setzen, ist ein durchaus probates Mittel: Haben sie keinen Erfolg, wird man es ihnen verzeihen, weil sie ja eh „nur für den Übergang“ eingeplant waren. Schlagen sie aber ein, hat die Führung auf einmal alles richtig gemacht. Die Suche nach einem „richtigen“ Trainer erübrigt sich dann.

Insofern hat Michael Preetz sogar noch zwei Versuche frei: den mit Tretschok/Covic und ggf. mit einem weiteren Cheftrainer (Holger Stanislawski?). Doch spätestens dieser Schuss muss sitzen und der Hertha den Klassenerhalt bringen. Ansonsten dürfte nach der Saison die Zeit von Michael Preetz abgelaufen sein. Doch wenn man sich in Berlin kritisch mit der Lage auseinandersetzt, müsste man den Geschäftsführer auch im Falle des Klassenerhalts vor die Tür setzen…

1 Kommentar

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  1. Nils sagt:

    Der Trainerverschleiß von Preetz ist in der Tat extrem hoch. Auffällig ist auch, dass es immer wieder „Schlammschlachten“ vor dem Zerwürfnis gegeben hat. Sowohl Favre als auch Babbel – zwei durchaus guten Trainern – haben sich mit dem Management übeworfen. Allein: es gehören immer zwei dazu. Lief es mit Favre am Ende auch sportlich nicht mehr rund, konnte man das nach der soliden Hinrunde dieses Jahr unter Markus Babbel nicht behaupten. Preetz hat in solchen Situationen sicherlich nicht immer kühlen Kopf behalten.

    Nach Babbel Skibbe zu verpflichten war mit Sicherheit nicht das gelbe vom Ei. Seine Erfolge als Vereinstrainer halten sich in Grenzen: ein türkischer Supercup-Sieg mit Galatasaray (2008) seht zu Buche. Ansonsten überwiegen die negativen Erinnerungen und Entlassungen, allen voran die vergangene Rückrunde mit Eintracht Frankfurt. Sieht man vom Trainer Michael Skibbe ab, muss man Preetz dennoch fragen, was ihn zu dieser Verpflichtung und vor allem auch zur Entlassung bewegt hat. Skibbe musste von den verschuldeteten Hauptstädtern aus seinem Vertrag bei Eskisehispor herausgekauft werden – Kostenpunkt Nummer Eins -, und sein Vertrag in Berlin wäre noch bis 2014 gelaufen – Kostenpunkt Nummer Zwei. Skibbe, nun wieder arbeitslos, wird sicher nicht auf sein Gehalt verzichten. Hinzu kommt, dass man eigentlich davon ausgehen sollte, dass Michael Preetz in den Vertragsgesprächen mit Michael Skibbe dessen Pläne angehört und von diesen überzeugt gewesen ist. Andernfalls sollte man einen Trainer nicht verpflichten.

    Wie es übrigens laufen kann, wenn man einem Trainer vertraut und ihm Zeit gibt, zeigt eindrucksvoll Hannover 96. Auch Mirko Slomka startete alles andere als erfolgreich: sechs Niederlange in den ersten sechs Spielen. Dannach gings aufwärts bis in die Europa League.

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