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Mai
24

Reine Formsache: Das CL-Finale Bayern – Dortmund

Für alle Buchmacher und die meisten Experten geht der FC Bayern München als Favorit ins Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund. Selbst Spieler und Verantwortliche der Schwarz-Gelben hieven die Münchner gern auf den Favoritenschild. Doch jeder, der eine Prognose abgibt, schränkt auch ein, dass in diesem einen Spiel ALLES möglich ist. Und genauso ist.

In Dortmund sprechen sie in diesen Tagen gern von einem „Märchen“ (Jürgen Klopp) und von einer Entwicklung, die „selbst für einen Hollywood-Film zu kitschig“ ist (Mats Hummels). Eins ist klar: Der BVB gefällt sich vor dem Champions-League-Finale in der Rolle des Underdogs und kultiviert sie in diesen Tagen mit großer Hingabe.

Kein Wunder, hat man schließlich bereits 1997 im Finale von München gegen Juventus Turin vermeintlich nicht den Hauch einer Chance gehabt und am Ende doch den Pokal in Empfang genommen.

Überraschungen gab’s immer wieder

Und es kommt noch besser aus Sicht des BVB: Das Finale von 1997 war beileibe nicht das einzige, in dem der vermeintliche Außenseiter triumphiert hat. Man frage nur mal beim Hamburger SV nach, der vor 30 Jahren ebenfalls „die alte Dame“ in die Schranken verweisen konnte; oder bei Steaua Bukarest, das 1986 den großen FC Barcelona nach Elfmeterschießen bezwang; oder beim FC Porto, der 1987 dank Madjers Hackentreffer dem FC Bayern den Henkelpott entriss.

Selbst in der allerjüngsten Vergangenheit konnten Außenseiter das Finale für sich entscheiden: Kaum ein Jahr ist es her, dass der FC Chelsea mit viel Glück, einer fußballerischen Anti- und einer taktischen Meisterleistung den FC Bayern in dessen „Wohnzimmer“ nach Elfmeterschießen besiegt hat.

„Wenn man in der Bundesliga so klar führt, ist man Favorit“

Womit wir schon bei Dortmunds Gegner des 2013er Finals wären: Bei Bayern München kann man jeden fragen, alle werden im Großen und Ganzen bestätigen, was Kapitän Philipp Lahm in der Montagsausgabe des „kicker“ gesagt hat: „Wenn man in der Bundesliga so klar führt, ist man Favorit.“

Das bajuwarische Selbstverständnis nach einer Saison voller beeindruckender Leistungen und Rekorde lässt keinen Zweifel daran, wer das zweite deutsch-deutsche Europapokal-Endspiel gewinnen wird. Randnotiz: Beim ersten Mal, dem UEFA-Cup-Finale 1980 zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach, das die Eintracht nach Hin- und Rückspiel aufgrund der mehr erzielten Auswärtstore (2:3, 1:0) gewann, hieß der Trainer der unterlegenen Gladbacher übrigens Jupp Heynckes.

Vergangenheit zählt nicht mehr

Losgelöst von all der Statistik sollte allen Beteiligten und Unbeteiligten aber eines klar sein: Sobald beide Mannschaften den Rasen des Wembley-Stadions betreten, zählen all die großen Momente der Saison nichts mehr. Dass Dortmund Real Madrid und Manchester City klar beherrscht hat ist dann genauso wenig wert wie das 7:0 des FC Bayern über den FC Barcelona im Halbfinale oder die rund zwei Dutzend Rekorde der Münchner aus der Bundesliga.

Das Spiel wird auch nicht durch die direkten Duelle der jüngeren Vergangenheit entschieden werden. Dass der BVB vor ziemlich genau einem Jahr den FC Bayern im DFB-Pokal-Finale mit 5:2 demontiert hat, ist ebenso nur noch eine vergilbte Erinnerung wie der Fakt, dass die Münchner gegen Dortmund wettbewerbsübergreifend zuletzt viermal nicht verloren haben.

Selten war das erste Tor wichtiger

Stattdessen werden am 25. Mai 2013 die Tagesform, der Wille und der im Fußball nie zu unterschätzende Faktor Glück über den Sieg entscheiden. In einer engen und intensiven Partie, wie wir sie am Samstag voraussichtlich erleben werden, hat das erste Tor vermutlich noch sehr viel stärker als in „normalen“ Spielen richtungsweisenden Charakter.

Nicht auszudenken, der FC Bayern würde nach optischer Überlegenheit unter welchen Umständen auch immer in Rückstand geraten. Würden die Spieler dann durch den drohenden „Loser-Stempel“ (Thomas Müller) angesichts der drohenden dritten Final-Niederlage binnen vier Jahren gehemmt?

Auf der anderen Seite wäre es für den BVB fatal, wenn die Bayern das 1:0 erzielen würden. Dortmunds taktischer Plan dürfte darauf ausgerichtet sein, wie zuletzt in Madrid lange die Null zu halten – nur mit dem Unterschied, dieses Mal eine seiner Chancen zu nutzen.

So oder so wird erleben wir am Samstag einen deutschen Moment für die Ewigkeit. Und der Sieger wird ein verdienter sein.

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