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Mai
12

Rekordjäger und Schnecken – die Bundesliga-Saison 2013/14

Die 51. Bundesliga-Saison ist Geschichte – nur die Relegation als Zuschlag steht noch auf dem Programm. Geprägt war das Spieljahr 2013/14 von den „super, super Bayern“, die ab dem April dann gar nicht mehr so super waren, sowie vom Schneckenrennen um den Klassenerhalt.

Bayern München (Platz 1, 90 Punkte, 94:23 Tore)

Frühester Meister aller Zeiten, am längsten in der Ligageschichte ungeschlagen, und und und – eigentlich haben die Bayern unter Star-Trainer Pep Guardiola alles richtig gemacht. Doch weil der Coach nach der frühzeitig gewonnenen Meisterschaft öffentlich und intern den Fuß vom Gas nahm („Die Meisterschaft ist für uns vorbei“), hat die Mannschaft in der „Crunch Time“ der Saison den Rhythmus verloren. Das Aus in der Champions League gegen Real Madrid war die Folge, auch in das Pokalfinale gegen Borussia Dortmund am 17.5. geht der FCB nicht mehr als hoher Favorit. Wie so oft bleibt der jüngste Eindruck hängen. Und der besagt, dass Guardiola bereits leicht angeknockt ist.

Borussia Dortmund (Platz 2, 71 Punkte, 80:38 Tore)

Im ersten Saisonviertel sah es noch so aus, als könnte der BVB den Bayern Paroli bieten. Doch erst schlichen sich Leistungsschwankungen ein, dann wurde der Meister von 2011 und 2012 von Verletzungsproblemen beinahe biblischen Ausmaßes heimgesucht. Am Ende steht folgendes Fazit: Mit Platz zwei in der Liga, dem Erreichen des Viertelfinals in der Champions League sowie dem Einzug ins DFB-Pokalfinale gegen die Bayern (mit Ausblick auf mehr) hat Dortmund seine Pflicht erfüllt. Nächste Saison folgt der nächste Angriff – ohne Torschützenkönig Robert Lewandowski, der nach München wechselt.

FC Schalke 04 (Platz 3, 64 Punkte, 63:43 Tore)

Schalke sieht sich selbst als dritte Kraft und konnte diese Vorgabe tatsächlich einmal erfüllen. In einer erstaunlich ruhigen Rückrunde schob sich das Team von Trainer Jens Keller noch von Rang sieben auf den letzten direkten Champions-League-Platz vor. Dieser Umstand sowie die Tatsache, dass junge Spieler wie Kaan Ayhan, Max Meyer und Leon Goretzka den Sprung in die Startelf geschafft haben, sind die positiven Aspekte der Spielzeit. Allerdings sollte man das Chaos der ersten Saisonhälfte nicht unter den Teppich kehren. Trainer Jens Keller wird vermutlich nie bombenfest im Sattel sitzen. Wehe, nächste Saison kommen schnell ein paar Niederlagen.

Bayer Leverkusen (Platz 4, 61 Punkte, 60:41 Tore)

Alle Jahre offenbart sich dem Beobachter das gleiche Bild: guter Saisonstart, Einbruch zum Rückrundenstart, passables Finish. Bayer kommt so nicht von der Stelle und hat mittlerweile eher schon ein Abo auf die Plätze drei bis fünf als auf den Vize-„Titel“ abgeschlossen, mit dem man so gerne kokettiert. Besonders kritische Geister könnten sogar anführen, dass die Werkself durch das Phantomtor von Hoffenheim (Endstand 2:1) zwei Punkte hinzugewonnen hat. Zöge man die ab, wäre Leverkusen nur Fünfter und hätte damit so gar keine Chance mehr, sich kommende Saison in der Champions League abschießen zu lassen. Ach so: Sami Hyypiä wurde zwischendurch von Sascha Lewandowski auf der Trainerbank abgelöst. Kann man kaum einem übel nehmen, der das nicht mitbekommen hat.

VfL Wolfsburg (Platz 5, 60 Punkte, 63:50 Tore)

Der Hecking-Allofs-Plan scheint langsam aufzugehen. In der ersten vollständigen Saison des Trainer-Manager-Gespanns hat der VW-Klub erstmalig seit der Meistersaison 2008/09 die hohe Qualität im Kader auch auf den Rasen gebracht. Insgeheim hat man in Wolfsburg vielleicht sogar auf Platz vier gehofft, doch der wird gewiss im nächsten Jahr ins Visier genommen. Die Liga sollte den immer stärker aufkommenden VfL jedenfalls auf der Rechnung haben. Gustavo und de Bruyne waren vermutlich erst der Anfang.

Borussia Mönchengladbach (Platz 6, 55 Punkte, 59:43 Tore)

Wenn man zur Saison-Halbzeit Dritter ist und das Spieljahr letztlich auf Platz sechs abschließt, ist ein wenig Enttäuschung eigentlich berechtigt. Doch in Mönchengladbach sieht man die Dinge etwas anders. Die Politik der ruhigen Hand von Sportdirektor Max Eberl und Trainer Lucien Favre hat auch auf das Umfeld beruhigende Wirkung. Alles sagen, dass Platz sechs „toll“ ist. Also muss es das auch sein.

FSV Mainz 05 (Platz 7, 53 Punkte, 52:54 Tore)

Den Pokalfinalisten Bayern und Dortmund sei Dank, darf der FSV als Siebter in die Europa-League-Qualifikation nachrücken. Da war doch mal was… Genau, der rumänische Weltklub Gaz Methan Medias war in der Qualifikation 2011/12 eine Nummer zu groß für den FSV. Bleibt nur zu hoffen, dass die Mannschaft es besser macht. Und das ohne ihren Trainer Thomas Tuchel, der Guardiola-like ein Sabbatjahr anstreben soll/muss, weil er keine Lust mehr hat, seinen Vertrag zu erfüllen und Mainz auf ebenselben pocht. Verzwickeltes Zwickmühlchen. Irgendwie beschleicht einen da das Gefühl, dass Mainz seine starke Saison nicht bestätigen wird.

FC Augsburg (Platz 8, 52 Punkte, 47:47 Tore)

Im Vorjahr gerade noch gerettet, galt Augsburg für viele Experten neben Eintracht Braunschweig als logischer Abstiegskandidat. Weit gefehlt! Die eng zusammengewachsene No-Name-Truppe der Rückrunde 2012/13 hat genau da weitergemacht, wo sie aufgehört hatte. Augsburg überzeugte durch aggressiven Kollektivfußball und darf nach 34 Spieltagen auf sensationelle 52 Punkte zurückblicken. Kein Wunder, dass gefallene Großklubs sich den kleinen FCA mittlerweile zum Vorbild nehmen. Die Fuggerstädter zeigen seit Jahren, wie man aus geringen Mitteln das Maximum herausholt.

1899 Hoffenheim (Platz 9, 44 Punkte, 72:70 Tore)

Hoffenheims Saison in einem Wort: vogelwild. Der Drittbeste Angriff der Liga trifft auf die zweitschlechteste Abwehr. Trainer Markus Gisdol müssten eigentlich die Haare zu Berge stehen. Zum Glück ist der Blondschopf stets exorbitant stark gegelt. Wohl nur in diesem Punkt sind Gemeinsamkeiten mit dem ausgebooteten Großverdiener Tim Wiese nicht ganz zufällig. Zumindest für den neutralen Zuschauer waren Hoffenheim-Spiele immer extrem unterhaltsam: 4,17 Tore pro Partie (alle 21:40 Minuten ein Tor) bekam man mit Beteiligung keiner anderen Mannschaft zu sehen. Wenn 1899 jetzt noch lernt, clever zu verteidigen, wären die Kraichgauer ein ernsthafter Europa-League-Anwärter.

Hannover 96 (Platz 10, 42 Punkte, 46:59 Tore)

Die aufregenden Jahre sind vorbei an der Leine. Nur zwischen 2010 und 2012 konnten „die Roten“ ihr mausgraues Image ablegen. Mittlerweile sind die 96er wieder so bieder wie in den ersten Spielzeiten nach dem Wiederaufstieg 2002. Der (unnötige) Trainerwechsel von Mirko Slomka zu Tayfun Korkut hat nicht den erhofften Kick gebracht. Hannover hat sich letztlich nur dank eines guten Schlussspurts aus dem gröbsten herausgehalten.

Hertha BSC (Platz 11, 41 Punkte, 40:48 Tore)

Nur zur Erinnerung: Bei Saisonhalbzeit war Aufsteiger Berlin noch Sechster. Ab Januar war es aber vorbei mit dem mutigen und teilweise mitreißenden Fußball. Die Elf von Jos Luhukay kann nach der zweitschlechtesten Rückserie aller Vereine von Glück sagen, dass das Punktepolster auf den Süden der Tabelle stets beruhigend war – zumal die Schnecken in der Abstiegszone nie Druck ausgeübt haben. Für die kommende Saison muss sich Berlin vorsehen. In der Verfassung der letzten fünf Monate und ohne 16-Tore-Mann Adrian Ramos (geht nach Dortmund) könnte Berlin den Kreis der Abstiegsanwärter bereichern.

Werder Bremen (Platz 12, 39 Punkte, 42:66 Tore)

Zeitweise sah es ganz düster aus für Werder. Wenn bei den Grün-Weißen Sand im Getriebe war, wurden die Gegner förmlich zum Tore schießen eingeladen. Kaum vorstellbar, dass man erst vor zehn Jahren noch das Double aus Meisterschaft und Pokal gefeiert hatte. Doch bei allen qualitativen Mängeln hat die Mannschaft immer wieder nach schwachen Leistungen eine positive Reaktion gezeigt. In dieser Saison genügte das, um sich im letzten Saisondrittel aus dem Gröbsten herauszuhalten. Doch Werder verliert in Aaron Hunt seinen Schlüsselspieler. Die Kassen sind leer. Es wäre kaum verwunderlich, wenn die Grün-Weißen auch 2014/15 in der unteren Tabellenhälfte landen.

Eintracht Frankfurt (Platz 13, 36 Punkte, 40:57 Tore)

Die Eintracht hat gezeigt was passiert, wenn eine Überraschungsmannschaft ins nächste Jahr geht: Verletzungssorgen und zusätzliche Spiele im Europapokal rauben sehr viel Substanz. Die Konsequenz war, dass der Eintracht-Stern nicht allzu hell strahlte. Zu Beginn der Rückrunde legte die Elf des scheidenden Trainers Armin Veh aber einen starken Lauf hin, wodurch der Abstieg eigentlich nie eine akute Bedrohung war. Nun steht der nächste Umbruch an: Neben Trainer Veh gehen in Sebastian Rode (Bayern) und Pirmin Schwegler (Hoffenheim) auch die Chefs im Mittelfeld.

SC Freiburg (Platz 14, 36 Punkte, 43:61 Tore)

Die Eintracht hat gezeigt was passiert, wenn eine Super-Überraschungsmannschaft ins nächste Jahr geht: Sechs Stammspieler der Vorsaison wurden weggekauft und mussten ersetzt werden. Deren Integration wurde durch den flotten Spielrhythmus in der Europa League nicht eben erleichtert. Doch Freiburg hat es unter Trainer Christian Streich abermals geschafft, mit geringen Mitteln und unter Zeitdruck eine homogene Truppe zusammenzustellen. Platz 14 heuer ist damit fast so viel wert wie Platz 5 im Vorjahr.

VfB Stuttgart (Platz 15, 32 Punkte, 49:62 Tore)

Aus in der Europa-League-Qualifikation, zwei Trainerwechsel, der Beinahe-Abstieg – für Stuttgart war es zu 99 Prozent eine Saison zu vergessen. Die mit Europapokal-Ambitionen gestarteten Schwaben haben spätestens ab Mitte der Hinrunde nur noch ums Überleben gespielt. In vielen anderen Spielzeiten wären die 32 errungenen Punkte selbst für die Relegation zu wenig gewesen. Anders ausgedrückt: Stuttgart ist nicht wegen der eigenen Stärke, sondern wegen der Schwäche der anderen dringeblieben. Fredi Bobic, der den Kader in seiner Zusammenstellung zu großen Teilen zu verantworten und sich in der Trainerfrage durch einen Zick-Zack-Kurs der rumpeligsten Sorte ausgezeichnet hat, sollte sich warm anziehen. Für den VfB kann es in der neuen Saison nur darum gehen, sich zu stabilisieren.

Hamburger SV (Platz 16, 27 Punkte, 51:75 Tore)

Was soll man noch sagen? Dass der HSV sich trotz einer Niederlage in die Relegationsspiel gerettet hat, passt ins Bild einer katastrophalen Saison. Dort muss die Mannschaft zeigen, dass sie entgegen aller berechtigten Verdachtsmomente doch Charakter besitzt. Zwei Trainer wurden verschlissen, permanente Unruhe aus dem Umfeld hat den Klub zusätzlich ins Wanken gebracht. Personell wie wirtschaftlich hat der HSV im Grunde seit fünf Jahren alles dafür getan, erstmals in die Zweitklassigkeit zu müssen. Sollte man dies doch noch abwenden, muss die Stunde null kommen – sonst schlägt wohl nächste Saison das letzte Stündchen.

1. FC Nürnberg (Platz 17, 26 Punkte, 37:70 Tore)

Die personelle Qualität für die 1. Bundesliga wurde dem Club nicht zum ersten Mal seit dem letzten Wiederaufstieg im Jahr 2009 abgesprochen. Doch dieses Mal war nichts mehr zu retten. Weil ähnlich desolat auf der Führungsebene gehandelt wurde wie in Stuttgart und Hamburg, aber weniger Klasse vorhanden ist, ist der achte Abstieg (Rekord) eigentlich nur logisch – erst recht wenn man bedenkt, dass das Team 18 Spiele auf den ersten Sieg warten musste. Weder der „softe“ Michael Wiesinger noch der knallharte Gertjan Verbeek haben als Trainer funktioniert. Auch hier muss sich die Führung dringend hinterfragen. Die besten Individualisten (Drmic, Kiyotake) werden den FCN wohl verlassen. Der Wiederaufstieg wird kein Selbstläufer.

Eintracht Braunschweig (Platz 18, 25 Punkte, 29:60 Tore)

Selten hat der Spruch „Totgesagte leben länger“ so gut gepasst wie auf die Saison der Eintracht. Mit Mini-Budget und No-Name-Kader hat Braunschweig seinen Weg beibehalten. Dieser Schritt wurde von vielen belächelt, war aber auf lange Sicht nur vernünftig. Dass der Klassenerhalt bis zum letzten Spieltag möglich war, spricht für die Verantwortlichen um Trainer Torsten Lieberknecht und Manager Marc Arnold. Es spricht aber auch gegen die Konkurrenz aus Nürnberg, Stuttgart oder Hamburg, die der Eintracht eigentlich frühzeitig hätte enteilen müssen. Am Ende steht das Urteil: Good job, mehr war nicht drin. Die Mannschaft dürfte auch in Liga zwei in weiten Teilen zusammenbleiben, warum also nicht wieder angreifen?

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  1. #Link11: Das Spiel des Jahres. | Fokus Fussball sagt:

    […] Die Clubfans United versuchen herauszufinden, wieso ihre Mannschaft abgestiegen ist. Aktives Abseits fasst die Saison aller Teams zusammen. Der magische FC hat den etwas anderen Rückblick. Indes […]

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