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Mai
16

Relegations-Chaos: Fußball war doch mal so einfach!

Fortuna Düsseldorf ist nach 15 Jahren Erstliga-Abstinenz und zwischenzeitlicher Viertklassigkeit zurück im Oberhaus, Hauptstadtclub Hertha BSC ist nach nur einem Jahr wieder zweitklassig. Nüchtern betrachtet, hat sich der Richtige das Ticket für die 1. Liga gesichert. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack nach dem gestrigen Chaos-Spiel.

Was Skandale angeht, ist der deutsche Fußballfan in dieser Saison einiges gewöhnt. Insbesondere nach den Abstiegen des 1.FC Köln und des Karlsruher SC in die 2. bzw. 3. Liga ging es hoch her. Auch diverse Hooligan- und Ultragruppen, u.a. aus Köln und Kaiserlautern, haben mit Hetzjagden und tätlichen Angriffen im negativen Sinne von sich reden gemacht. Gestern ist ein weiteres Skandal-Kapitel geschrieben worden. Fußball war einmal ein emotionaler Sport, und das haben wir alle geliebt. Der Fußball droht aber auch in Deutschland mehr und mehr zu einem Chaos-Sport zu werden, in dem angesichts überbordender Gemütsregungen und der immer weiter um sich greifenden „Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot“-Mentalität jedes Maß verloren zu gehen droht.

Wie will Hertha am Grünen Tisch Recht bekommen?

Zunächst einmal ist es nachvollziehbar, wenn die Hertha-Spieler Angst hatten. Zugleich wäre es aber auch erbärmlich, am Grünen Tisch den Klassenerhalt erreichen zu wollen. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Protest nur der Form halber geschieht, um ein Zeichen setzen zu wollen. Immerhin geht die 7 Minuten lange Nachspielzeit, durch die der verfrühte Platzsturm einiger Deppen in rot-weißer Kutte erst ermöglicht wurde, vor allem auf das Konto der Hertha-Fans, die nicht nur (wie die Düsseldorfer) Bengalos gezündet haben, was schlimm genug ist, sondern diese auch noch in Massen auf das Spielfeld befördert haben.

Auch der Verweis, dass die Düsseldorfer bei der Einlasskontrolle dafür zu sorgen haben, dass keine Bengalos ins Stadion gelangen, dürfte die Erfolgschancen der Hertha kaum erhöhen. In beinahe jedem Bundesliga-Stadion ist das möglich, weil gerade nach Spielbeginn, wenn sich alles auf die Tribünen und den Innenraum konzentriert, Fans ihren Block auch wieder verlassen und sich beispielsweise Gegenstände durch Stadionzäune anreichen lassen können.

Schiedsrichter Stark macht alles richtig

Man kann darüber diskutieren, ob Wolfgang Stark die Partie nicht vielleicht 30 oder 60 Sekunden zu früh abgepfiffen hat. Doch dass Stark das Spiel über die Bühne bringen wollte, war richtig. Man stelle sich nur vor, was los gewesen wäre, wenn die Partie abgebrochen worden wäre. Ich für meinen Teil hätte dann jedenfalls überall sein wollen, nur nicht in der Esprit-Arena.

So wie es nun gekommen ist, haben wir zumindest ein „vorläufiges amtliches Endergebnis“: Die Fortuna ist oben, Hertha ist unten. Ob die Gerichte daran noch etwas ändern, gilt als unwahrscheinlich und ist auch nicht zu hoffen. Aber ich würde mich nicht darauf verlassen, dass Düsseldorf sein erstes Heimspiel in der 1.Bundesliga auch tatsächlich in Düsseldorf austragen darf…

1 Kommentar

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  1. zane sagt:

    Das gestrige Spiel wird bei mir definitiv einen faden Beigeschmack hinterlassen.
    Ich kenne solche Szenen, die sich dort gestern abgespielt haben eigentlich sehr gut vom Balkan und wuensche dem deutschen Fussball von ganzem Herzen, dass er die Problematik in den Griff bekommt .
    Das groesste Gut des Fussballs ist es, dass er jung und alt zusammen bringt.
    Wenn ich gestern Szenen sehe, in denen Muetter mit ihren Kindern den Platz stuermen, sich an Leuten ergaffen die neben ihnen Bengalos abfackeln, die immerhin ueber 1000 Grad heiss werden, dann ist das nicht mehr nur Grund den Kopf zu schuetteln, sondern eher ein Grund das Jugendamt einzuschalten.

    Emotionen gehoeren zum Sport dazu, aber man sollte nicht unter einem Deckmantel versuchen alles zu verharmlosen und zu bagatellisieren.

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