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Mai
23

Relegationsduell Kaiserslautern – Hoffenheim: Gut gegen Böse?

In den Relegationsduellen um die Teilnahme an der Bundesliga-Saison 2013/14 kommt es zu einem Aufeinandertreffen der Gegensätze. Nur wenige deutsche Vereine haben eine stolzere Tradition als der Zweitligadritte 1. FC Kaiserslautern. Und kein deutscher Profiklub hat weniger davon als der Erstliga-Sechzehnte 1899 Hoffenheim. Klarer könnten die Rollen also eigentlich nicht verteilt sein.

Für die Anhänger der beiden Vereine ist die Sachlage eh klar. Ob rotes oder blaues Trikot, beide Seiten werden sagen: „Mein Verein gehört in die 1. Liga“. Doch was denken „neutrale“ Beobachter? Zunächst einmal sei die Frage erlaubt, ob es in diesem Duell überhaupt neutrale Beobachter geben kann – oder ob wir am 23. und am 27. Mai nicht vielmehr einen „Stellvertreterkrieg“ der Systeme im Fußball erleben, in dem man als Fan Farbe bekennen muss.

Schließlich sind die Hoffenheimer die Verkörperung dessen, was jedem traditionsbewussten Anhänger dieser Sportart eigentlich zuwider sein müsste: Ein mit Millionen aufgepäppelter Provinzverein, dessen Niedergang in den letzten Monaten vielerorts mit einer großen Portion Schadenfreude aufgenommen wurde.

Auf der anderen Seite tritt mit dem 1. FC Kaiserslautern gewissermaßen der Vertreter der gefallenen Traditionsvereine in den Ring, die unter Vereinen wie Hoffenheim oder Wolfsburg leiden und aufstrebende „Projekte“ wie RB Leipzig fürchten.

Warum es ok ist, gegen Hoffenheim zu sein

Wer Hoffenheim den Klassenerhalt missgönnt, ist ein prinzipientreuer und emotional veranlagter Mensch. Er hat etwas dagegen, wenn Vereine dank einer externen Finanzspritze auf die Überholspur geraten und andere hinter sich lassen. Seine Denkweise ist die eines Leistungsethikers: Vor dem Geld steht der Erfolg, vor dem Erfolg die harte Arbeit. Nur wer es nach diesem Schema nach oben schafft, ist ihm willkommen.

Warum es ok ist, für Hoffenheim zu sein

Doch dabei lässt man eines außer Acht: Konzeptionelles Arbeiten ist auch den großen Namen der Branche nicht untersagt. Geld „verbrennen“ kann jeder, etwas Erfolgreiches damit auf den Weg zu bringen ist ungleich schwieriger.

Was in diesem Zusammenhang gerne vergessen wird: Auch Vereine wie Hertha BSC oder der 1. FC Köln, die trotz großer Tradition in der Saison 2012/13 zur Zweitklassigkeit verurteilt waren, verdankten ihre Glanzzeiten gewissen Standortvorteilen. Die Berliner Hertha etwa besaß mit dem Olympiastadion jahrzehntelang das mit Abstand größte Stadion des deutschen Fußballs – und zwar in einer Zeit, in der die Zuschauereinnahmen der größte Posten in der Bilanz eines Bundesligavereins waren. Der FC hatte das große Glück, in Franz Kremer einen Visionär zum Gründungspräsidenten zu haben. Doch ohne die Zugabe von finanziellen Mitteln wären seine Ideen, wie der Bau des Geißbockheims als erstes modernes Trainingszentrum in Deutschland, nicht umzusetzen gewesen.

Uneinholbarer Vorsprung der Traditionsvereine

Tatsächlich haben sogar die Väter der „Projekte“, „Modelle“ oder Werksklubs allen Grund, auf die Traditionsvereine neidisch zu sein: Bayer Leverkusen beispielsweise kombiniert langjährige Erstligazugehörigkeit mit ansprechenden Ergebnissen und einer seriösen Geschäftsführung – das 30.000 Zuschauer fassende Stadion ist allerdings selten voll. Der in die 2. Liga abgedriftete Nachbar aus Köln hätte die Bay-Arena dagegen in jedem einzelnen Saisonspiel locker gefüllt.

Kurzum: Letztlich sind die Fans der entscheidende Faktor im Fußball. Sie sind es, die in guten wie in schlechten Zeiten die Stadien frequentieren und den Klub in jeder Liga durch ihr Engagement und ihre Ausgaben für Ticket oder Merchandising am Leben halten. Für „Plastikvereine“ ist ein solcher Status in einem so traditionslastigen Umfeld wie dem Fußball vermutlich unerreichbar. Tradition ist unbezahlbar!

Leistung muss weiter belohnt werden

Doch allen Vereinen aus dem Oberhaus – zu denen neben vielen Traditionsvereinen und ein paar „Plastikklubs“ mit Augsburg und Freiburg auch zwei wahrhaft „Kleine“ gehören werden – muss man lassen, dass sie sich ihre Erstliga-Zugehörigkeit durch gute Arbeit verdient haben. Schließlich folgt die Bundesliga einem Prinzip, das schwache Leistungen mit Abstieg bestraft. Dieses Leistungsprinzip, das Aufstieg und Fall im Rahmen eines klar definierten Reglements ermöglicht, MUSS erhalten bleiben.

Und so sollte jeder neutrale Fußballfan behaupten können: Wer auch immer die Relegation gewinnt, hat es verdient. Insgeheim hoffen, dass der Sieger Kaiserslautern heißt, kann er ja trotzdem…

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