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Jan
16

Rivaldo geht nach Angola – Wenn Fußballstars nicht aufhören können

Rivaldo, brasilianischer Weltmeister von 2002 und Weltfußballer von 1999, hat sich soeben dem angolanischen Vizemeister Kabuscorp SC angeschlossen. Nötig hat er das sicher nicht. Anders, als einige seiner Kollegen.

Wer mit knapp 40 Jahren noch auf dem Fußballplatz steht, ist entweder hochverschuldet oder liebt das Spiel einfach viel zu sehr, um damit aufhören zu können. Spieler wie Lothar Matthäus, Dino Zoff oder Paulo Maldini haben gezeigt, dass man auch im biblischen Fußballeralter noch Top-Leistungen auf höchsten europäischen Niveau bringen kann. Doch diese drei zählen zu den wenigen positiven Ausnahmen. Viele Alt-Stars haben bis in ihre späten Dreißiger und teilweise sogar noch länger kicken müssen, um ihre Rechnungen zu bezahlen – zu dem Preis, dass sie damit ihren guten Ruf zerstört haben.

Einer von ihnen war Peter Shilton (Jahrgang 1949), der als Keeper zwischen 1970 und 1990 125 Länderspiele für England bestritt. Bereits bei seinem letzten großen Turnier, der WM 1990 in Italien, war Shilton 40 Jahre alt (und auch entsprechend katzenhaft…). Nach dem Turnier setzte er seine Karriere aus Finanznot jedoch noch sieben weitere Jahre fort. Shilton beendete seine Laufbahn erst 1997 im Alter von 47 Jahren bei Leyton Orient in der dritten Liga.

Auch eine zweite Legende des britischen Fußballs, der große George Best (Jahrgang 1946), verdiente bis ins Alter von 38 Jahren seine Brötchen mit Fußballspielen. Der für seine Dribblings, aber auch für seinen ausschweifenden Lebensstil berühmt-berüchtigte „fünfte Beatle“ („Ich habe die Hälfte meines Geldes für Alkohol, Frauen und Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst“) wurde 1974 nach unzähligen Eskapaden bei Manchester United vor die Tür gesetzt. In einem Alter in dem andere erst ins beste Fußballeralter kommen, begann für den 28-jährigen Best ein 10 Jahre andauernder Abstieg: Auf Manchester folgen die Stationen Stockport, Cork, Los Angeles, Fulham, Fort Lauderdale (Mitspieler von Gerd Müller), Hibernian Edinburgh, San Jose, Bournemouth, Brisbane und schließlich Tobermore. Nur der Name des ehemaligen Weltstars sorgte dafür, dass er immer irgendwo unter Vertrag genommen wurde. 1984 beendete „Bestie“ seine Laufbahn mit 38 Jahren. Die Alkoholkrankheit bestimmte den Großteil seines Lebens – und nahm es ihm fast folgerichtig: Am 25. November 2005 starb George Best an multiplem Organversagen.

Ein weiterer Großer seines Fachs, der aufgrund von Geldproblemen in die Niederungen des Fußballs gehen musste, war Mario Kempes (Jahrgang 1954). Der große Star der argentinischen Weltmeister-Mannschaft von 1978 wechselte 1986 nach vielen erfolgreichen Jahren in Argentinien und Spanien in die bestenfalls zweitklassige österreichische Liga. Sechs Jahre lang spielte er dort für den First Vienna FC, St. Pölten und Krems. Doch Kempes‘ Karriere ging noch weiter: 1995 unterzeichnete der damals 40-jährige einen Vertrag beim chilenischen Club Fernandez Vial. 1996 verdiente er sich noch ein letztes Zubrot beim indonesischen Klub Pelita Jaya.

Es geht auch anders: Romario – Tore als Motivation

Andere Gründe hatte die lange Karriere von Romario. Der Weltfußballer von 1994, der in jenem Jahr Brasilien zum langersehnten vierten WM-Titel führte, hatte bereits mit 30 Jahren finanziell ausgesorgt. Auf den Fußballplätzen dieser Welt sah man ihn jedoch bis zu seinem 42. Lebensjahr. Der Grund: Romario wollte unbedingt in den elitären „Club der 1000-er“ (1.000 Karriere-Tore in Erstligaspielen, Pokalspielen und internationalen Einsätzen). Dieses Kunststück glaubte er am 20.5.2007 vollbracht zu haben, als er im Trikot von Vasco da Gama gegen Recife zum 3:0 traf. Die Partie wurde nach Romarios 1000. Treffer für 20 Minuten unterbrochen. Dumm nur: Die Torzählungen Romarios werden von der FIFA nicht anerkannt, weil Romario großzügig 98 Tore aus seiner Jugendzeit sowie aus Benefiz-Spielen mitgezählt hatte. Offiziell steht er also „nur“ bei 902 Treffern. Seine Karriere wollte Romario dann aber doch nicht mehr fortsetzen. Nach dem 1000. Treffer – nach eigener Zählung – beendete er seine Laufbahn. Die FIFA grundsätzlich anzweifeln und nach eigenen Prinzipien handeln, recht so!

Sonderfall Rivaldo?

Zurück zu Rivaldo: Auch bei ihm dürfte Geld nicht den Ausschlag geben. Immerhin hat er in Barcelona und Mailand jahrelang fürstlich verdient. Auch auf seiner „Abschiedstournee“, die Rivaldo 2004 mit seiner Unterschrift bei Olympiakos Piräus einleitete und die ihn über die Stationen AEK Athen, Bunjodkor Taschkent, Mogi Mirim und FC Sao Paulo schließlich nach Angola führte, hat Rivaldo immer auf das Kleingeld geachtet. Vor allem sein zweijähriges Engagement in der Steppenstadt Taschkent, wo er von Landsmann Luiz Felipe Scolari trainiert wurde, hat sich gelohnt: Mindestens 20 Millionen Euro soll Rivaldo dort eingesackt haben. So viel verdient man im Fußball allenfalls noch bei Anzhi Machatschkala (dort spielt übrigens Samuel Eto’o, der 2008 in Taschkent beinahe Rivaldos Teamkollege geworden wäre).

Machen wir uns nichts vor, Rivaldo spielt immer noch für Geld. Aber hey, wenn es immer noch Leute gibt, die seine Forderungen erfüllen, dann sei ihm das gegönnt. Als einer der Könige des Spiels wird er damit aber nicht in die Geschichte eingehen.

1 Kommentar

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  1. zanezd sagt:

    Immerhin nicht das Dschungel-Camp ;)

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