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Jul
31

Saisonvorschau 2. Bundesliga: Operation Felge 2012/13 (1)

In drei Tagen startet die Saison in der 2. Fußball-Bundesliga. Weil der Verein meines Herzens in dieser Saison lieber gegen Kaiserslautern und Berlin spielen möchte als gegen Fürth und Augsburg, liegt mein eigener Fokus 2012/13 ein Stück mehr auf der Liga zwei, als mir lieb sein kann. Hier daher die ungemein semi-profunde „Aktives Abseits“-Saisonvorschau.

Im Leben ist doch alles eine Frage des Blickwinkels. Als Fan vom VfL Osnabrück, von Rot-Weiß Essen oder “RasenBallsport“ Leipzig würde man sich einen Ast freuen, in der 2. Bundesliga spielen zu dürfen. Für andere Clubs ist die Zweitklassigkeit ein bitteres Los. Anders ausgedrückt: Die zweite Liga ist kein Ort zum Verweilen. Das gilt vor allem für die folgenden Mannschaften.

Hertha BSC Berlin – Der Top-Favorit

Zum Ende der letzten Bundesliga-Saison hatte die Hertha nicht mehr viele Freunde. Zu dilettantisch hatte sich vor allem Manager Michael Preetz verhalten, gleich zwei Mal binnen zwei Monaten den Trainer gewechselt. Am Ende ist es nicht einmal Otto Rehhagel mit seiner „Schatztruhe an Erfahrungen“ gelungen, die Hertha zu retten.

Das Projekt Wiederaufstieg treten die Hauptstädter als klarer Favorit an. Mit Jos Luhukay hat man einen Top-Trainer verpflichtet, mit Raffael und Andreas Ottl (beide 27) lediglich zwei Säulen verloren. Für den Brasilianer hat man zudem noch acht Millionen Euro Ablöse kassiert, sodass in der Transferbilanz ein fettes Plus steht.

Die Neuen können sich sehen lassen: Stürmer Sami Allagui (26) und Abräumer Peer Kluge (31) haben ohne Zweifel Erstligaformat. U20-Nationalstürmer Elias Kachunga hat in der letzten Rückrunde in der 3. Liga bei Osnabrück sein Potenzial angedeutet. Marcel Ndjeng (30) ist der erklärte Lieblingsspieler des Trainers, der Mittelfeldakteur spielte unter Luhukay bereits in Köln, Paderborn, Gladbach und Augsburg.

Zwar muss die Hertha noch einige Sperren infolge des Skandalspiels in der Relegation in Düsseldorf absitzen (Keeper Thomas Kraft fehlt 4 Spiele, Levan Kobiashvili 17 Spiele) und auch den Ausfall von Sturm-Kante Pierre-Michel Lasogga kompensieren (Kreuzbandriss im Mai); doch wer Thomas Kraft, Roman Hubnik, Maik Franz, Peter Niemeyer, Peer Kluge, Änis Ben-Hatira, Adrian Ramos und Sami Allagui in seinen Reihen hat, MUSS eigentlich als Tabellenerster aufsteigen. Das dürfte auch Neueinkauf Sandro Wagner nicht verhindern können….

Tipp: Die Felge geht nach Berlin.

1. FC Kaiserslautern – Passen die Transfers?

Auch in Kaiserslautern hält sich der Aderlass nach dem Abstieg in Grenzen. Das Missverständnis mit Trainer Krassimir Balakov (7 Niederlagen in 8 Spielen) wurde bereits in der Sommerpause beendet, der ewig gehandelte, aber nie verpflichtete Ex-FCK-Spieler Franco Foda übernimmt nach 11 langen Trainerjahren bei Sturm Graz.

Es gilt, die Abgänge von Kapitän Christian Tiffert, Torwart Kevin Trapp, Defensiv-Allrounder Oliver Kirch und Flügelspieler Olcay Sahan aufzufangen. Nach den mäßigen Leistungen der gesamten Mannschaft in der Saison 2011/12 liegt hier die Messlatte nicht allzu hoch…

FCK-Vorstand Stefan Kuntz, der bis zur letzten Spielzeit als exzellenter Einkäufer galt, dann aber einen Fehlgriff nach dem nächsten landete, war in diesem Sommer mehr denn je gefordert. Trotz deutlich verringertem Etat gelang ihm immerhin die Verpflichtung der bundesligaerfahrenen Stürmer Albert Bunjaku (28) und Mohammadou Idrissou (32). Der Schweizer Bunjaku brachte es vor zwei Jahren in Nürnberg im Oberhaus auf 12 Treffer, ehe er zuletzt verletzungsbedingt kaum zum Zuge kam. Der Kameruner Idrissou steuerte in der vergangenen Zweitliga-Saison 14 Tore und 6 Assists zum Aufstieg der Frankfurter Eintracht bei. Nun muss er im Unterhaus bleiben, anstatt in Liga 1 oder gar in der Champions League (hüstel) auf Torejagd zu gehen. Aber 2. Liga kann er, das hat er schon oft bewiesen.

Mit Bunjaku und Idrissou dürfte der FCK sein großes Manko der Vorsaison, die mangelnde Torgefahr, in den Griff bekommen haben. Die auch im Abstiegsjahr durchaus solide Abwehr ist fast unverändert geblieben. Das Mittelfeld wurde durch Mimoun Azaouagh (29) und Enis Alushi (26) verstärkt, der in der vergangenen Saison beim Überraschungsteam SC Paderborn einen großen Sprung gemacht hat.

Mit Tobias Sippel (24), Pierre de Wit (24) oder Konstantinos Fortounis (19) konnten junge Spieler gehalten werden, die allemal gehobenes Zweitliga-Niveau besitzen. Stürmer Itay Schechter (25), dem rund um den Betzenberg auch nach seinem schwachen ersten Jahr große Qualitäten nachgesagt werden, muss nun gegen leichtere Gegner dieses Vertrauen – und die 2,5 Millionen Euro Ablöse – zurückzahlen. Sein Einkäufer Stefan Kuntz würde es ihm danken.

Tipp: Der FCK ist ein ernsthafter Anwärter auf den Aufstieg.

1. FC Köln – Die Wundertüte

Der Erstliga-Absteiger mit der größten Fluktuation ist der 1. FC Köln. 14 Akteure (Lukas Podolski plus 13 Normalsterbliche) wurden bereits abgegeben, weitere fünf Großverdiener (Rensing, Novakovic, Ionita, Schorch, Peszko) sind dringend angehalten, sich einen neuen Verein zu suchen. Weitere Spieler aus der zweiten Reihe ohne Chancen auf große Spielanteile dürfte das gleiche Schicksal ereilen. Zugleich stehen – inklusive der zurückgekehrten Leihspieler – 17 Neue im Kader des neuen Trainers Holger Stanislawski.

In der Vorbereitung wurde viel ausprobiert, kurz vor dem Saisonstart kristallisierte sich bei guten Testspielleistungen und nicht minder guten Ergebnissen ein Kern von 15, 16 Spielern heraus, der mit leidenschaftlichem Fußball zumindest in die Nähe der Aufstiegsplätze gelangen soll. Das ist die offizielle Zielvorgabe, insgeheim wünscht man sich in Köln natürlich immer mehr.

Wieder einmal steht der Verein am Scheideweg: Abstieg Nummer fünf trifft den FC schwer. Angesichts leerer Clubkassen musste der teure Kader abgespeckt werden. Die neue Führung fordert nun, das Publikum wieder hinter sich zu bringen und setzt dabei auf die Jugend. Das ist löblich, aber angesichts der Finanzlage auch alternativlos. Bleibt zu hoffen, dass der Kölner Anhang den neuen Kurs mit der nötigen Geduld quittiert.

Mit Timo Horn (19) setzt der FC auf einen gänzlich unerfahrenen, wenn auch hoch veranlagten Keeper. Fan-„Liebling“ Miso Brecko (28) ist zum neuen Kapitän ernannt worden und ist auch in seinem fünften Jahr beim FC als Rechtsverteidiger gesetzt. Sein Durchbruch vom Feindbild zur Kultfigur, der zuletzt Matthias Scherz um 2005 herum gelungen ist, steht unmittelbar bevor…

Die Achse bilden Innenverteidiger Dominic Maroh (25) sowie Matthias Lehmann (29) und Adam Matuschyk (23) auf der Doppel-Sechs. Gesetzt sind ebenfalls Offensiv-Allrounder Thomas Bröker (27) sowie das ewige Talent Adil Chihi (24) und der neue „kölsche Jung“ Christian Clemens (20) auf den Flügeln. Das klingt nach gehobenem Zweitliga-Niveau. Und das sollte es am Ende auch werden.

Tipp: Beim FC wird extrem viel vom Saisonstart abhängen. Die junge Mannschaft braucht gleich zu Beginn Erfolgserlebnisse, wenn sie oben mitspielen will. Ist man Mitte der Rückrunde in Schlagweite zu den Aufstiegsplätzen, ist alles möglich. Steht man von Beginn an im Niemandsland der Tabelle oder gar in der Nähe der Abstiegsränge, droht im leicht entflammbaren Kölner Umfeld wieder das altbekannte Chaos – mit offenem Ausgang.

Am Donnerstag in Teil 2: St. Pauli, 1860 München – und wer noch?

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  1. Hertha bei Wettanbieter Topfavorit auf Aufstieg sagt:

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