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Feb
04

Schalke 04: Wie ein Verein sehenden Auges seine Ziele verfehlt

Seit Jens Keller kurz vor Weihnachten vom Schalker B-Jugendtrainer zum Chefcoach befördert wurde, zählt die Öffentlichkeit die Tage bis zu seiner Entlassung. Sportdirektor Horst Heldt, der Keller installiert hat, hält trotz der prognostizierten schlechten Ergebnisse an seinem Freund aus Stuttgarter Zeiten fest. Heldt hat sich längst in einen Fehler verrannt, der den Verein das Erreichen der Saisonziele kosten kann – und ihn selbst seinen Job.

Wie schnell sich das Blatt im Fußball doch wenden kann! Im November noch war der FC Schalke 04 auf allen drei „Hochzeiten“ gut vertreten: In der Bundesliga lag der Verein seiner Stärke entsprechend auf Platz drei, in der Champions League wurde bereits nach dem fünften Gruppenspieltag der Achtelfinaleinzug perfekt gemacht, und auch Pokal war man unter den besten 16 vertreten.

Rasanter Niedergang ab November

Seitdem hat die Saison aber eine Wendung genommen, die niemandem, der ein Herz für So4 hat, gefallen kann: Erst das Zerwürfnis zwischen dem zunächst so erfolgreichen Trainer Huub Stevens uns der Mannschaft, welches sich ab November in immer schlechteren Ergebnissen äußerte. Im Dezember dann die Entlassung von Stevens und die Installation des einst in Stuttgart gescheiterten Jens Keller als neuem Trainer „mindestens bis zum Saisonende“ (O-Ton Horst Heldt). Das Pokal-Aus im ersten Spiel unter Keller gegen Mainz. Die Wechselposse um Lewis Holtby, der schließlich ohne Not und für vergleichsweise kleines Geld (ca. 1,75 Mio. Euro) nach Tottenham verkauft und durch die Leihspieler Bastos und Raffael, die sich in dieser schwierigen Phase erst integrieren müssen, ersetzt wurde. Dazwischen ein glücklicher 5:4-Sieg gegen desolate Hannoveraner, ein glückliches Remis bei leidenschaftlichen, aber limitierten Augsburgern und schließlich eine peinliche Heimpleite gegen den von vielen bereits abgeschriebenen Tabellenletzten aus Fürth.

Warum zieht niemand die Reißleine?

Ausgerechnet jetzt, wo die Saison in die entscheidende Phase geht mit vielen englischen Wochen, drohen den Gelsenkirchenern die Felle davon zu schwimmen. Sieben Punkte trennen den FC Schalke mittlerweile vom Champions-League-Qualifikationsplatz. Am Samstag geht es zu den Bayern, wo man in der aktuellen Verfassung nicht unbedingt drei Punkte einkalkulieren sollte. Bald darauf steht das Champions-League-Achtelfinale gegen Galatasaray Istanbul an – zwei Millionenspiele gegen einen auf dem Papier durchaus schlagbaren Gegner, der jedoch nach den jüngsten Entwicklungen zu einer unüberwindbaren Hürde werden könnte. Das sieht jeder neutrale Beobachter, und das dürften auch die Entscheidungsträger auf Schalke erkennen.

Heldts Fehler – Keller hatte nie eine Chance

Oft genug haben sich Trainerentlassungen als Fehler erwiesen. Im Falle Jens Kellers scheint eine Demission aber der einzig richtige Weg zu sein. Dieser Trainer hatte von der ersten Sekunde an keine Lobby und folglich auch keine Chance. Die Mannschaft hat ein Alibi, solange er da ist. Und mit jedem Tag, an dem Horst Heldt erfolglos an Keller festhält, gefährdet er die Schalker Gegenwart und Zukunft. Denn der nach wie vor hochverschuldete Traditionsverein ist auf die Einnahmen aus der Champions League angewiesen. Ein Weiterkommen gegen Galatasaray und mindestens Platz vier in der Liga sind ein Muss für die „Königsblauen“.

Nun kann man Jens Keller nicht vorwerfen, dass er „Ja“ gesagt hat, als man ihm im Mitte Dezember den Posten des Cheftrainers angeboten hat. Die Vorwürfe müssen Horst Heldt und dem Aufsichtsrat gelten. Stevens Entlassung mag alternativlos gewesen sein, wenn es um das Verhältnis Trainer/Mannschaft wirklich so schlecht stand, wie damals zu lesen war. Doch die Nachfolgerfrage hätte Heldt souveräner lösen müssen. Keller war bereits nach seinem ersten Spiel, dem Pokal-Aus gegen Mainz, „verbrannt“. Ihm dann noch eine Job-Garantie bis zum Saisonende auszustellen, war verkehrt und brachte in der gesamten Rückrundenvorbereitung Unruhe. Während die Profis zwischen Weihnachten und Neujahr im Urlaub weilten, wäre Zeit genug für die Trainersuche gewesen – und Keller hätte man nach einem Spiel als Interimslösung relativ elegant wieder zur B-Jugend schicken können.

Zieht Heldt rechtzeitig die Konsequenzen?

So wie man Stevens im Dezember nicht mehr zutraute, gegen Mainz das Pokal-Viertelfinale zu erreichen, so kann man Keller nicht mehr allen Ernstes zutrauen, die Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen. Die Schalker werden handeln. Die Frage ist nur, ob sie es noch rechtzeitig tun. So oder so wird sich danach auch Horst Heldt infrage stellen müssen: Die personellen (Fehl-)Entscheidungen der letzten Monate fallen in seine Verantwortung. Verpasst Schalke seine Saisonziele, dürfte auch seine Zeit abgelaufen sein.

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