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Jun
06

Scheiß Millionäre!? – Ein Gästeblog zum kolumbianischen Fußball

Kolumbien ist ein Land, das mit den unterschiedlichsten Klischees leben muss. Dabei sollte eigentlich jedem klar sein, dass die wenigsten Kolumbianer eine Valderrama-Perücke spazieren tragen. Auch das schwarze und das weiße Pulver (Kaffee und Koks) liegen in Kolumbien nicht auf der Straße. Mein Kollege Derk Hoberg füllt ein paar weitere Wissenslücken. Er war zu Beginn des Jahres in Kolumbien im Urlaub. Hier sein Spielbericht über die Lage des kolumbianischen Fußballs.

VON DERK HOBERG

Bogotá, Kolumbien
19. Februar 2011 – Liga Postobon (1. Liga)
CD Los Millonarios – CD Once Caldas
Nemesio Camacho El Campín – 15.000 Zuschauer

Millonarios gegen Once, Rekordmeister gegen amtierenden Meister – oder einfach nur Bogotá gegen Caldas. Dabei sollte man es vielleicht belassen, denn was der kolumbianische Fußball derzeit zu bieten hat, ist nicht viel. Um das Kind beim Namen zu nennen: rein gar nichts. Dabei genoss die kolumbianische Liga einmal einen besonderen Ruf. Ende der 40er Jahre nannte man sie ehrfurchtsvoll „Millionärsliga“. Legenden wie Alfredo di Stéfano verdienten hier damals die höchsten Gagen des Weltfußballs.

Doch der alte Glanz ist lange verblasst. Mühsam versucht man, wenigstens das altehrwürdige „El Campín“ im Zentrum Bogotás für die U20 Weltmeisterschaft in diesem Sommer herauszuputzen. Das scheint nach und nach auch zu gelingen, dem Stadion bekommt die Schönheitskur. Die Suche nach dem neuen Valderrama gestaltet sich aber weitaus schwieriger. Kolumbiens Fußball hinkt der Weltspitze weit hinterher.

Unser Begleiter, Millonarios-Fan Oswaldo, war aufgrund der auf dem Rasen gezeigten Leistungen unangenehm berührt. Das war ihm anzumerken. Immer wieder deutete er auf die feiernden Barras Bravas, die Ultras in der Kurve. Dem Spiel zum Trotze boten diese nämlich ein Feuerwerk auf den Rängen, als ob di Stéfano oder Valderrama zu ihren Glanzzeiten dort unten auf dem Rasen stünden.

Die Elf (span. „once“) aus Caldas gewann schließlich das Auswärtsspiel durch zwei späte Tore mit 2:0. Hauptproblem der Millonarios, die in der Liga derzeit den Spitzenteams hinterherlaufen: Sie haben seit einigen Jahren kein Geld mehr. Ironie des Schicksals nennt man so etwas wohl.

Wichtige Info für jeden Groundhopper oder Kolumbien-Reisenden: Man sollte nicht versuchen, weiße Pfefferminzdrops aus Deutschland in ein kolumbianisches Stadion mitzunehmen. Da wird der kolumbianische Sicherheitsbeamte schon mal misstrauisch, und die Kontrollen am Eingang fallen etwas ausführlicher aus…

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