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Nov
16

Schland der unbegrenzten Möglichkeiten?

Der gestrige Spiel der deutschen Nationalmannschaft war nicht mehr allzu weit von der Perfektion entfernt. Vize-Weltmeister Niederlande einfach mal so 3:0 weggefiedelt, ihn teilweise sogar vorgeführt – das war schon großer Sport. Bloß: Leider gehörte dieses Spiel noch nicht zur EM.

Super Spiel…

Bela Rethy ist normalerweise eher ein dröger Vertreter. Doch bei der 3:0-Gala der DFB-Elf gegen die Niederlande hat sich der ZDF-Kommentator vor Lobeshymnen kaum noch eingekriegt. Fast hätte man meinen können, die UEFA solle uns den EM-Pokal heute schon zuschicken. Das Turnier im kommenden Sommer spielt man dann nur noch der Form halber. Oder besser noch: Man lässt es ganz ausfallen. Dann hätte man auch auf einen Schlag das Hooligan-Problem in Polen und der Ukraine gelöst. Außerdem würde dann niemandem auffallen, dass es in den EM-Gastgeberländern nicht genug Hotelbetten gibt. Doch allen Ernstes: Auch ich hatte gestern meinen Spaß beim Zusehen, und auch ich mir ist ein paar Mal fast die Hose aufgegangen angesichts des deutschen Spiels.

Aber…

Ich will mich hier nicht in Lobeshymnen ergehen über Müller, Özil, Klose & Co. Wie brillant einige im Team gestern waren, war nur zu offensichtlich. Außerdem könnt ihr das in jedem anderen Medium nachlesen. Stattdessen möchte ich den unpopulären Part der Euphoriebremse übernehmen. Denn ein paar Sachen sollte man auch nach diesem tollen Auftritt nicht vergessen:

  • Bei den Niederländern fehlten mit van Persie, van der Vaart und Robben drei herausragende Offensivspieler. Der Argumentation, dass bei der deutschen Nationalmannschaft mit Schweinsteiger und Lahm auch zwei Stützen fehlten, kann man entgegnen, dass die Niederländer Ausfälle nicht so gut auffangen können wie Jogis Jungs. Der weniger breite Kader der Niederländer ändert aber nichts daran, dass die „Elftal“ in Bestbesetzung immer noch ein ganz harter Brocken ist. Und es ist ja nicht so, als wären wir selbst unangreifbar: Im Defensivverhalten hat die deutsche Nationalelf immer noch Luft nach oben. Läuft es gestern blöd, steht es nach dem Mertesacker-Schnitzer in der Anfangsphase 0:1. Es wäre interessant zu wissen, ob die DFB-Elf auch nach Rückstand noch genauso dominant aufgetreten wäre.
  • Auch wenn es „keine Freundschaftsspiele mehr gibt“ (gängiger Nationaltrainer-Satz), handelte es sich gestern tatsächlich nur ein Freundschaftsspiel. Unsere Jungs waren sicherlich heiß wie holländisches Frittjes-Fett, doch die Frage stellt sich, ob die Niederländer ebenfalls mit 100 Prozent Engagement und Siegeswillen in diese Partie gegangen sind. Zwar kann man sich kaum vorstellen, dass „Oranje“ mit einer Larifari-Einstellung in eine Partie gegen den Erzrivalen geht. Dennoch: Die wahre Stärke der Niederländer wird man erst bei der EM im kommenden Juni abschätzen können. Und nur dort kann sich auch die deutsche Mannschaft für Gala-Auftritte wirklich etwas kaufen.
  • Last but not least bleibt ein Rätsel, dessen Lösung wir erst in acht Monaten erfahren werden. Die Löw-Elf hat in den vergangenen 18 Monaten fast alles geschlagen, was Rang und Namen im Weltfußball hat: die Engländer, die Argentinier, die Brasilianer, die Uruguayer, nun die Niederländer. Einzig die Spanier – seit fast vier Jahren der Gradmesser in der Fußballwelt – konnten in dieser Zeit nicht bezwungen werden. Daher kann man nur spekulieren: Haben die Iberer seit der WM 2010 womöglich einen Tick nachgelassen? Hat Deutschland sie seitdem eingeholt, vielleicht sogar überholt? Oder bekommt man bei der EURO eine Drei-Klassen-Gesellschaft zu sehen: Ganz oben die Spanier, eine Ebene darunter Deutschland, und dann der große Rest? Vielleicht sollten wir das Turnier in Polen/Ukraine ja doch erst man spielen…

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