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Jul
05

Sch(l)eich dich – Arabische Tycoons im Fußball

Manchester City ist sicherlich das prominenteste Beispiel für einen Fußballverein, der in die Hände eines schwerreichen Scheichs geraten ist. Doch es geht auch eine Nummer kleiner: In der spanischen Primera Division spielen der FC Getafe und der FC Malaga künftig unter der Flagge von Dubai bzw. Katar. Mit Erfolg?

Manchester City

Scheich Mansour bin Zayed al-Nahyan hat in knapp 3 Jahren rund 500 Millionen Euro allein an Ablösesummen lockergemacht, um aus einem gefallenen Traditionsverein wieder eine große Nummer zu machen. Herausgesprungen ist bisher „nur“ ein FA-Cup-Sieg – zu wenig gemessen daran, dass man sich im Grunde die ganze Welt kaufen könnte. Nicht, dass man es nicht versucht hätte. Aber bezeichnenderweise haben ausgerechnet die beiden besten Fußballer der Welt, Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, den irren Gehaltsofferten und deren Vereine, FC Barcelona und Real Madrid, den gebotenen Ablösen im Bereich von 200 Millionen Euro widerstanden.

Die Mannschaft wird seit Jahr und Tag kopflos „verstärkt“, derzeit balgen sich beispielsweise sieben namhafte, hochbezahlte Stürmer um maximal zwei Plätze in der Startelf. Ineffektiver kann man kaum mit seinen Millionen umgehen. Man City ist bislang ein Paradebeispiel für den Satz „Geld allein schießt keine Tore“. Die „Philosophie“ erinnert immer noch stark an den FC Chelsea in der Prä-Mourinho-Ära, als die Abramowitsch-Millionen ohne Sinn und Verstand in alles investiert wurden, was Beine hatte.

FC Malaga

Mein aktueller Liebling unter den Scheich-Vereinen ist aber der FC Malaga. Im Juni von Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani aus Katar für 25 Millionen Euro gekauft, hat der neue Besitzer bereits kräftig investiert – und sich dabei eine Truppe von Alt-Stars und ewigen Talenten zugelegt, mit der in dieser Hinsicht allenfalls der AC Milan mithalten kann.

Angeführt wird der FC Malaga in der Saison 2011/12 vom 35-jährigen (Ex-)Stürmerstar Ruud van Nistelrooy, der sich an der spanischen Mittelmeerküste seinen fußballerischen Lebensabend versilbern lässt. Mit von der Partie sind zudem die Ü30-Innenverteidiger Joris Mathijsen und Martin Demichelis, „die Bestie“ Julio Baptista (30) sowie Joaquin, das mittlerweile 29-jährige ewige Außenstürmer-Talent. Ein Blick lohnt auch auf den 1,57m (!) kleinen argentinischen Spielmacher mit dem sprechenden Namen Diego Buonanotte, der – wen wundert‘s – in Argentinien schon mit dem Titel „nächster Maradona“ versehen wurde. Und vor ein paar Tagen erst wurde der bisherige Königstransfer bekanntgegeben: Der französische Nationalspieler Jérémy Toulalan stieß zur Mannschaft. Weiterhin hält sich hartnäckig das Gerücht, dass sich der 33-jährige Lucio von Inter Mailand den Blau-Weißen anschließen könnte.

Was von Malaga zu erwarten ist? Für sie geht es, wie für 17 andere Vereine in der Primera Division, nur um die Plätze hinter Real Madrid und dem FC Barcelona. Nichts gegen die alten Buli-Ikonen „Van the Man“, „Micho“ und Mathijsen, aber eine Empfehlung für eine Top-Platzierung haben diese drei in der letzten Saison nicht abgegeben.

FC Getafe

Der dritte im Bunde ist der Getafe Club de Fútbol S.A.D. Team Dubai. Unter diesem Namen wird der spanische Erstligist aus der Peripherie von Madrid in der kommenden Saison an der Primera Division teilnehmen. Vom geringfügig verlängerten Vereinsnamen (sehr zum Verdruss der Fans und aller Fußballromantiker) einmal abgesehen, hat sich bislang noch nicht allzu viel getan beim UEFA Cup-Viertelfinalisten von 2008. Aber das kann sich ja noch ändern bis zum Transferschluss am 31. August, zumal der Mercato in Spanien traditionell spät auf Touren kommt. Prognosen fallen schwer. Aber allem Anschein nach wirft man in Getafe nicht so bedenkenlos mit dem Geld um sich.

Fazit

Gott sei Dank ist im Fußball ein Konzept immer noch mehr wert als ein Blanko-Scheck. Erst wenn die Scheichs, Oligarchen, Mäzene und Tycoons dieser Welt geduldig werden und die Dinge durchdacht angehen, wird es gefährlich. Aber davon ist bislang wenig zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass das noch lange so bleibt.

1 Kommentar

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  1. Eisen Dieter sagt:

    Diego Buonanotte?
    Na dann wünsche ich diesen Vereinen wortwörtlich eine gute Nacht.
    Auf eine weitere erfolglose Saison für all diejenigen, die sich kaufen lassen.
    Mögen diesen Worte ganz besonders für den VFL Wolfsburg gelten. Anstatt kleinen 5.Liga Vereinen als „ganz normalem“ Trikotsponsor zu Verfügung zu stehen wird das viele Konzerngeld in einem großen Verein gebündelt und schließlich verbrannt. Stichwort Diego. Und somit schließt sich der Kreis.
    Gute Nacht

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