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Mai
06

Schottische Verhältnisse in (fast) ganz Europa

Bayern München hat in dieser Bundesliga-Saison der Rekorde die Meisterschaft bereits nach dem 28. Spieltag perfekt gemacht. Doch nicht nur in Deutschland ist die Überlegenheit einer Mannschaft in dieser Spielzeit erdrückend. Halb Europa kennt seinen Meister schon mehrere Spieltage vor dem Saisonende. Zufall oder ein Beleg dafür, dass die Champions League den Champion macht?

Als Landesmeister fix (Auswahl):

  • Bundesliga: Bayern München (nach 28 von 34 Spieltagen)
  • Premier League: Manchester United (34/38)
  • Serie A: Juventus Turin (35/38)
  • Premier Liga: Schachtjor Donezk (26/30)
  • Eredivisie: Ajax Amsterdam (33/34)
  • Süper Lig: Galatasaray (32/34)
  • Super League: Olympiakos Piräus (25/30)
  • Superligaen: FC Kopenhagen (30/33)
  • 1. HNL: Dinamo Zagreb (29/33)
  • Schottische Premier League: Celtic Glasgow (27/33)

Als Landesmeister so gut wie fix (Auswahl):

  • Primera Division: FC Barcelona (noch vier Spieltage, 11 Punkte Vorsprung)
  • Ligue 1: Paris St. Germain (noch drei Spieltage, 7 Punkte Vorsprung)

Was zeichnet diese Klubs aus? In den meisten Fällen sind sie die Rekordteilnehmer ihres Landes an der UEFA Champions League. Nicht zuletzt aufgrund der Einnahmen in Höhe von knapp 20 Millionen Euro, die allein die Qualifikation für die Gruppenphase einbringt, haben sie sich über Jahre einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz aufbauen können.

Die Monopolisten

Gerade in kleineren Ligen (und Märkten), wie Kroatien, Griechenland oder Dänemark, führt eine solche Konstellation zu einer Art Monopol.

In Schottland profitierte Celtic vom Zwangsabstieg des einigen ernsthaften Mitkonkurrenten Glasgow Rangers. Der ist gerade von der vierten in die dritte schottische Liga aufgestiegen. Bis auf weiteres hat Celtic also nichts zu befürchten.

Der ukrainische Meister Schachtjor Donezk hat es erst durch die Unterstützung von Mäzen Rinat Achmetov geschafft, das jahrelange Monopol von Dynamo Kiew zu durchbrechen. Mittlerweile haben die Orange-Schwarzen den ehemaligen Europapokalsieger zur klaren Nummer zwei degradiert.

Die (vermeintlichen) Monopolisten

In Italien bahnt sich eine jahrelange Dominanz von Juventus Turin an. Die „Bianconeri“ waren im zweiten Jahr in Folge gewissermaßen konkurrenzlos und stehen im Vergleich zur Konkurrenz finanziell bestens da.

Ein Titelmonopol dürfte es auch auf Jahre hinaus in Frankreich geben – zumindest, solange die Investoren aus Katar Gefallen an der Entwicklung von Paris St. Germain behalten. Dieses Interesse ist vor allem an Erfolge auf internationalem Parkett gekoppelt. Was also, wenn PSG in der kommenden Saison wieder „nur“ das Viertelfinale der Champions League erreicht?

In der Türkei und den Niederlanden war das Rennen um die Meisterschaft lange offen – und wird es auch in den kommenden Jahren sein. Vor allem Fenerbahce bzw. der PSV Eindhoven können einen Ausbau der Vormachtstellung von Galatasaray bzw. Ajax verhindern.

In Deutschland ist man momentan geneigt zu glauben, dass der FC Bayern am Anfang einer neuen Ära steht. Rein formal waren die Münchner in den letzten 40 Jahren aber eigentlich immer der große Titelfavorit. Herausgesprungen sind seit 1972 allerdings „nur“ 21 Meisterschaften. Der künftige Trainer Pep Guardiola ist die große Unbekannte, eine weitere Leistungssteigerung unter ihm scheint ebenso denkbar wie eine Rückentwicklung in „irdische Sphären“. In letzterem Fall stünde mit Borussia Dortmund ein Verein Gewehr bei Fuß, der seinerseits gerade in einer glorreichen Ära steckt, die jedoch von einem möglichen Ausverkauf gefährdet ist.

Die Duopolisten

In Spanien sind die Verhältnisse seit Jahren zementiert: Niemand außer Real Madrid und dem FC Barcelona hat eine realistische Chance auf den Titel. Den Titel gewinnt derjenige der beiden Großklubs, der sich im Saisonverlauf gegen die Kleinen in der Liga seltener eine Blöße gibt.

Mehrkampf vorstellbar

Obwohl Manchester United in dieser Saison quasi einen Durchmarsch hingelegt hat, scheint das Titelrennen in den kommenden Jahren in England am offensten zu sein: Manchester United, Manchester City und der FC Chelsea verfügen über ähnlich große Möglichkeiten auf dem Transfermarkt und spielen an guten Tagen auf einem vergleichbaren Niveau. Zünglein an der Waage bei diesen drei ist, wer am ehesten auch schlechte Spiele siegreich gestalten kann. Dahinter folgen u.a. der FC Arsenal und Tottenham Hotspur, bei denen für den großen Coup allerdings alles zusammenpassen müsste. Die Entwicklung beim FC Everton und beim FC Liverpool bleibt abzuwarten, ohne Champions-League-Millionen dürfte der Anschluss an die Spitze aber kaum herzustellen sein.

Quintessenz: Mit dem Erfolg kommt der Erfolg

Nimmt man die Einseitigkeit in den größten europäischen Ligen zu Grunde, muss man attestieren, dass Geld eben doch Tore schießt. Als Mutmacher sollte Borussia Dortmund dienen: Dem BVB ist es ohne einen Investor gelungen, nach Jahren des Misserfolgs sportlich die Kurve zu kriegen. Das funktioniert nicht innerhalb einer Saison, ist aber möglich – wenngleich auch überaus schwierig und gewiss nicht auf Knopfdruck zu wiederholen. Daher: Lieber darauf einstellen, dass der internationale Ligafußball in den kommenden Jahren weiter an Spannung verlieren wird. „Spanische Verhältnisse“ mit zwei ähnlich starken Teams an der Spitze einer Liga wären da fast ein Traum…

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