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Nov
14

Schweinsteiger & Co.: Verletzungen gefährden die WM

Jeder Fußballer träumt davon, für sein Land bei einer WM anzutreten. Eine Top-Verfassung ist die Grundvoraussetzung hierfür. Mit Blick auf die deutsche Nationalmannschaft bereitet die aktuelle Verletzungslage allerdings Sorgen. Allmählich darf sich kein Schlüsselspieler mehr etwas tun.

Lothar Matthäus hatte keine perfekte Vereinssaison 1989/90 hinter sich, dennoch führte er die deutsche Nationalmannschaft zum Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 in Italien. Rückblickend machte der Inter-Star seine Wehwehchen aus dem Herbst 1989 als einen der Gründe dafür aus, dass er im darauffolgenden Sommer in Hochform war. Matthäus war beim Weltturnier nicht überspielt, sondern hatte auf den Punkt genau die richtige Balance aus Spielfitness und Frische.

Sorgenkind Schweinsteiger

Unter diesem Gesichtspunkt könnte man den Verletzungen der deutschen Nationalspieler Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Ilkay Gündogan und Mario Gomez sogar etwas Positives abgewinnen. Doch seien wir ehrlich: Schweinsteiger, der sich zum zweiten Mal binnen sechs Monaten einer Operation am Sprunggelenk unterziehen muss, wird nicht vor Januar wieder einsatzfähig sein. Da kann die Zeit durchaus eng werden, um bis zur WM in Top-Form zu kommen.

Einen nicht ganz fitten Schweinsteiger haben wir bereits 2012 bei der Europameisterschaft erlebt. Auf eine Wiederholung werden viele Fans verzichten wollen. Doch wer die Nibelungentreue von Bundestrainer Joachim Löw zu seinen Lieblingsspielern kennt, der muss befürchten, dass notfalls auch ein „80-Prozent-Schweini“ am Zuckerhut das deutsche Spiel lenken soll.

Sorgenkind Gündogan

Das deutsche Problem reicht aber noch weiter: Auch Schweinsteigers „Kronprinz“ Ilkay Gündogan, der nicht ganz zufällig dauerhaft bei Real Madrid gehandelt wird, hat in dieser Saison aufgrund einer Stauchung der Wirbelsäule erst drei Pflichtspiele bestritten, das letzte am 10. August. Mit seiner Rückkehr wird ebenfalls nicht vor Januar gerechnet.

Nun ist der deutsche Kader vor allem im Mittelfeld herausragend besetzt, allerdings ist eher die vordere Dreierreihe die Komfortzone des Bundestrainers. Löw kann hier beispielsweise locker auf einen 111-maligen Nationalspieler und zweimaligen WM-Teilnehmer wie Lukas Podolski verzichten. Der Linksfuß muss sich nach seinem Muskelbündelriss aus dem August erst wieder seinen Platz im Kader gegen Konkurrenten wie Marco Reus, André Schürrle oder Julian Draxler sichern.

Lahm nicht zu ersetzen

Auf der Doppelsechs dahinter mangelt es allerdings an hochqualifizierten Kandidaten für den offensiveren Part neben Sami Khedira und dessen Vertretern Lars oder Sven Bender. Blickt man auf den aktuellen Kader, wäre nach Schweinsteiger und Gündogan am ehesten noch Toni Kroos prädestiniert für diese Rolle.

Und dann bliebe da noch Philipp Lahm. Der Kapitän, der seit 15 Monaten auf allerhöchstem Niveau spielt, ist allerdings als rechter oder wahlweise als linker Außenverteidiger unverzichtbar. Genau genommen ist Lahm der einzige deutsche Spieler, für den es nicht einmal im Ansatz Ersatz gibt. Zum Glück ist der 30-Jährige seit seinem Kreuzbandriss vor achteinhalb Jahren ein Musterbeispiel an Robustheit.

Klose und Gomez brauchen Zeit und Konstanz

Doch es gibt noch mehr Sorgenkinder. Im Sturmzentrum ist von Löws WM-Kandidaten nur der Mönchengladbacher Max Kruse in Top-Form. Bei Veteran Miroslav Klose wechseln sich seit zwei Jahren gute Phasen mit Verletzungspausen ab. Der 14-fache WM-Torschütze hat in dieser Saison erst zehn von 17 Pflichtspielen für Lazio Rom bestritten, in den meisten blieb der blass. Am Sonntag verletzte er sich erneut an der Schulter – eine von vielen kleinen Zwangspausen, die den 35-Jährigen nicht in seinen Spielrhythmus finden lassen.

Der seit Saisonbeginn für den AC Florenz spielende Mario Gomez steht nach seinem Innenbandriss kurz vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining. Seit seiner Verletzung am 15. September sind fast zwei Monate ins Land gegangen. In diesem Kontext ist Bayern-Verteidiger Holger Badstuber, der nach diversen Kreuzband-OPs erst zur Saison 2014/15 zurückerwartet wird, fast in Vergessenheit geraten. Der 24-Jährige, der unter normalen Umständen einen festen Platz im deutschen WM-Kader hätte, stand zuletzt am 1. Dezember 2012 auf dem Platz.

Daumen drücken bei Götze und Hummels

Hinzu kommen mehrere Spieler, die man durchaus als verletzungsanfällig bezeichnen darf. Allen voran ist hier Mario Götze zu nennen, der seit seinem Profi-Debüt im Frühjahr 2010 bereits zwölf Verletzungspausen einlegen musste. Nur in seiner ersten Saison beim BVB, im Meisterjahr 2010/11, blieb der Offensiv-Allrounder weitgehend von Blessuren verschont. Weiter hinten macht vor allem Mats Hummels Sorgen, der dauerhaft unter Rückenproblemen leidet und deswegen in dieser Saison bereits dreimal aussetzen musste.

Noch lassen sich Verletzungen bei Leistungsträgern verschmerzen. Doch wenn es mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 klappen soll, muss der Körper ab Beginn der Rückrunde mitspielen. Ansonsten darf sich Löw nicht scheuen, auf formstarke Alternativen zu setzen.

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