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Mai
21

Sechserpack im Abstiegskampf: Was spricht für und gegen die Kandidaten?

Sechs der 18 Bundesliga-Vereine kämpfen am letzten Spieltag noch gegen den Abstieg. Selten warf ein Blick auf die Bundesliga-Tabelle vor dem letzten Spieltag noch so viele Fragen im Abstiegskampf auf. Muss Bundesliga-Dino Hamburger SV tatsächlich erstmals in die zweite Liga? Rettet sich der SC Paderborn doch noch in die Relegation? Und was machen Stuttgart, Hannover, Freiburg und Berlin? Die sechs Abstiegskandidaten im Check.

Hertha BSC (13. Platz/35:50 Tore/35 Punkte – spielt in Hoffenheim)

Was spricht für die Hertha?

Auf dem Papier fast alles. Die Berliner können nur noch unter überaus unwahrscheinlichen Konditionen auf einen direkten Abstiegsplatz abrutschen. Eine Bedingung hierfür: Der Hamburger SV muss mindestens zwölf Tore auf die Hauptstädter gutmachen – allein das ist quasi ausgeschlossen. Auch der Sturz auf den Relegationsplatz ist unwahrscheinlich, weil Berlin selbst bei einer Niederlage mit nur einem Tor mindestens auf Platz 15 landet.

Einzig wenn die Hertha mit zwei Toren bei 1899 Hoffenheim verliert, für das es um nichts mehr geht, droht Berlin die Relegation, wenn Hannover 96 und der SC Freiburg unentschieden spielen und der Hamburger SV sowie der VfB Stuttgart ihre Spiele gewinnen.

Gegen Berlin spricht also eigentlich nur, dass man immer noch nicht zu 100 Prozent gerettet ist, obwohl das Polster auf die Abstiegszone nach dem 29. Spieltag sieben Punkte betrug. Die Teams aus dem Keller haben seitdem Siege eingefahren, während Hertha sich von Spiel zu Spiel schleppte und im Kopf den Abstiegskampf zu keiner Zeit angenommen hat. Im Klartext: Wenn die Konkurrenz am Samstag gegen Hertha spielt, dürften die Berliner ziemlich doof aus der Wäsche gucken. Einfach mal in Nürnberg nachfragen, wie es beim bis dato legendärstem Abstiegskrimi im Jahr 1999 war…

Prognose: Berlin rettet sich zu 99,9 Prozent direkt und hat auch zu 95 Prozent nichts mit der Relegation zu tun.

SC Freiburg (14./35:45/34 – spielt in Hannover)

Was spricht für Freiburg?

Die gute Ausgangsposition, die nicht zuletzt durch den 2:1-Sieg gegen ein Bayern München im Urlaubsmodus geschaffen wurde. Bei aller Kritik am Auftreten des Meisters, den sich einige Bundesligisten wohl in der kommenden Saison zwischen dem 31. und 34. Spieltag wünschen dürften, muss man allerdings auch einwenden, dass Freiburg endlich einmal belohnt wurde. Ganze zwölf Punkte verlor der SC in dieser Saison nach der 88. Minute, hinzu kamen zahlreiche umstrittene Elfmeter gegen die Breisgauer.

Die Konstellation mit dem direkten Duell bei Hannover 96 und die gute Tordifferenz von minus zehn ermöglicht es dem SC, bereits mit einer Punkteteilung rechnerisch alles klar zu machen. Weitere Faktoren, die für eine direkte Rettung sprechen, sind die Ruhe und die immense Erfahrung von Trainer Christian Streich und vieler Spieler im Abstiegskampf. In Hannover ist dennoch Vorsicht geboten, weil beide Teams mit einem Punkt zwar in vielen denkbaren Konstellationen gerettet wären, 96 einen Sieg aber benötigt, um völlige Sicherheit zu haben. Schaffen die Niedersachsen den Dreier, wird es für Freiburg doch wieder brenzlig.

Prognose: Freiburg bleibt zu 70 Prozent direkt drin.

Hannover 96 (15./38:55/34 – spielt gegen Freiburg)

Was spricht für Hannover?

Das Momentum. 16 Spiele lang waren die Niedersachsen bis zum vergangenen Wochenende ohne Sieg. Der Trend war so beängstigend negativ, dass eigentlich nichts mehr Hoffnung machte. Das überraschende 2:1 bei (Fast-)Europa-League-Teilnehmer FC Augsburg katapultierte 96 aber doch noch einmal über den Strich. Nun reicht ein Sieg gegen Freiburg zum direkten Klassenerhalt, bei einem Unentschieden droht aber die Relegation, sollte Stuttgart in Paderborn gewinnen. Zumindest der direkte Abstieg wäre mit einem Remis abgewendet.

Gegen Hannover spricht allerdings der Kopf. Das Team träumte zur Winterpause noch von Europa, ehe der beispiellose Fall einsetzte. Die Spieler scheinen den Abstiegskampf zwar mittlerweile angenommen zu haben, doch die Angst könnte sich bis zum Samstag wieder im Hinterkopf festsetzen. Zudem wird das defensiv gut organisierte Freiburg es den 96ern nicht leicht machen, im eigenen Stadion in Führung zu gehen. Es droht eine zähe Partie zu werden, die für Hannover mit jeder vergangenen Minute zum Nervenspiel werden dürfte.

Prognose: Hannover wird wohl zittern müssen. Der direkte Abstieg ist unwahrscheinlich, aber in die Relegation geht es zu 60 Prozent.

VfB Stuttgart (16./40:59/33 – spielt in Paderborn)

Was spricht für Stuttgart?

Vor zwei Wochen gefühlt schon abgestiegen, hat der VfB nach zwei Siegen in Folge das Schicksal wieder in eigenen Händen. Mit einem weiteren Erfolg beim SC Paderborn ist der Meister von 2007 sicher gerettet. Da kann die Konkurrenz spielen, wie sie will. In gewissen Konstellationen in den Parallelspielen würde sogar bereits ein eigenes Remis für die direkte Rettung reichen.

Wie bei jedem Team im Keller macht das Nervenkostüm aber Sorge. Gegner Paderborn gibt im eigenen Stadion von der ersten Minute an Vollgas, auch das Publikum unterstützt das Team bedingungslos und kitzelt das Letzte aus den (beschränkten) Möglichkeiten heraus. Wenn es dann auf den anderen Plätzen gegen den VfB läuft, wird der Klassenkampf für die „Affenbande“ von Huub Stevens wohl noch einmal zur Zitterpartie.

Prognose: Der VfB ist die formstärkste Mannschaft im Tabellenkeller, spielt zudem einen gepflegten Fußball. Die Mannschaft wird den letzten Schritt gehen und sich mit einem Sieg in Paderborn direkt retten.

Hamburger SV (17./23:50/32 – spielt gegen Schalke)

Was spricht für Hamburg?

Sehr viel weniger als noch am vergangenen Samstag um 15.29 Uhr. Der HSV war der große Verlierer des 33. Spieltags, muss nun auf die anderen Plätze schauen – und darf dabei nicht vergessen, seine eigenen Hausaufgaben zu machen.

Was den zweiten Teil angeht, kommt der FC Schalke 04 als Gegner gerade recht: Die Königsblauen haben das Minimalziel Europa League am vergangenen Wochenende mit mehr Glück als Verstand erreicht. Die Saison der Gelsenkirchener ist gelaufen, auch die frustrierten Herzen der Fans gewinnt man eher vor eigenem Publikum zurück als in der Fremde. Im Klartext: Wenn Schalke seinem Charakter der letzten Wochen treu bleibt, wird der HSV am Samstag ohne großen Aufwand gewinnen.

Mit einem Hamburger Sieg allein ist es aber nicht getan. Gewinnt Stuttgart in Paderborn (was durchaus vorstellbar ist) und trennen sich Hannover und Freiburg schiedlich-friedlich unentschieden (was noch sehr viel wahrscheinlicher ist), muss der „Dino“ machtlos seinem eigenen Untergang ins Auge sehen.

Selbst die Relegation zu erreichen, wird schon ein Kunststück, weil die Mannschaft von Bruno Labbadia im Gegensatz zu Hannover und Freiburg beziehungsweise Paderborn und Stuttgart kein Sechs-Punkte-Spiel hat. Um sich wie im Vorjahr erneut in der „Ehrenrunde“ retten zu können/müssen, darf Stuttgart nicht in Paderborn gewinnen und das Spiel zwischen Hannover und Freiburg muss Unentschieden enden. Hamburg kommt allerdings auch bei einem Erfolg in die Relegation, wenn Stuttgart gegen Paderborn siegt und es beim Spiel zwischen Hannover und Freiburg einen Sieger gibt.

Prognose: Der HSV wird zum Opfer seines konstanten Niedergangs der letzten Jahre. Das Glück ist aufgebraucht, Hamburg steigt direkt ab.

Der SC Paderborn (18./30:63/31 – spielt gegen Stuttgart)

Was spricht für Paderborn?

Eigentlich nichts. Gegen Schalke spielte Paderborn überragend, verlor aber bezeichnenderweise das Spiel durch ein Eigentor und damit jede mathematische Chance auf die direkte Rettung. Mehr als die Relegation ist für den Sensations-Aufsteiger nicht mehr drin. Aber auch für die Relegation reicht ein Sieg gegen den VfB Stuttgart allein nicht aus. Zugleich müssen die Ostwestfalen nämlich hoffen, dass Schalke 04 beim Hamburger SV nicht abschenkt und wenigstens ein Remis erzielt. Wunder soll es ja immer wieder geben.

Prognose: Mega-Außenseiter Paderborn hat länger durchgehalten, als die meisten erwartet haben. Am letzten Spieltag wird das Schicksal aber besiegelt: Der SCP verpasst auch die Relegation und stiegt direkt ab.

Auch die aktuellen Online Wettanbieter sehen den SC Paderborn als Abstiegskandidat Nummer 1. Bei tipico etwa sind die Quoten auf einen Abstieg der Ostwestfalen mit 1,08 am niedrigsten. Danach folgen der HSV (1,45) und Stuttgart (2,3). Freiburg mit Wettquoten von 4,0 und Hannover mit 5,0 sind nach Meinung der Buchmacher fast gerettet. Sollte die Alte Dame aus Berlin am Ende den Gang in Liga 2 antreten müssen, erhält man sogar eine Quote von 30,0.

3 Kommentare

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  1. h.chinaski sagt:

    Fun Fact:
    Wenn alle Spiele des SC Freiburg nach 88 Minuten abgepfiffen worden wären, dann würde Freiburg um den Einzug in den UEFA-Pokal spielen.

  2. Heibel sagt:

    Ja, das ist schon krass.

    Freiburg hat – wie Paderborn – jedenfalls gefühlt eine bessere Saison gespielt, als es die Tabelle widerspiegelt.

    Aber der Ball muss nun mal ins gegnerische Tor (Paderborn) oder vom eigenen Kasten auch in den Schlussminuten ferngehalten werden (Freiburg)

  3. h.chinaski sagt:

    Absolut! Auch wenn man es sich manchmal nicht wünscht, aber nach 34 Spieltagen steht man zu Recht ganz oben – oder eben ganz unten.

    Aber sowohl in Freiburg, als auch in Paderborn wird man nicht in Schockstarre verfallen. Freiburg sieht man spätestens in zwei Jahren wieder in der Bundesliga. Und für Paderborn war der Aufstieg ja eher eine Art positiver Betriebsunfall.

    Bin sehr gespannt was passiert wenn der HSV sich nicht retten kann.

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