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Mrz
18

Sehr geehrter Herr Platini… – Eine Vorqualifikation muss her

Die Bundesliga macht zwei Wochen Pause. In der Zwischenzeit „verwöhnt“ uns die deutsche Nationalmannschaft mit zwei Länderspielen gegen Kasachstan. Wer hat sich diese Termine nicht rot im Kalender angestrichen?!? Bei allem Respekt für den Gegner und das Reglement der UEFA muss ich leider wieder einmal einen alten Hut aufgreifen: Kleine Fußballnationen wie Kasachstan, San Marino oder Färöer sollten eine Vorqualifikation spielen, ehe sie auf die „Großen“ losgelassen werden.

Auf dem Weg zum WM-Titel 1990 traf Deutschland in der WM-Qualifikation auf die Niederlande, Finnland und Wales. Das war’s. Sechs Spiele auf dem Weg nach Italien, dazu sieben Partien bei der Endrunde – nach nur 13 Spielen in zwei Jahren war die Mannschaft von Franz Beckenbauer Weltmeister.

UEFA-Mitgliedsstaaten, die sich über die Relegation für Brasilien 2014 qualifizieren, werden bereits 12 Spiele in den Beinen haben, ehe es für sie überhaupt an den Zuckerhut geht. Eine Entzerrung des Spielplans, der alljährlich gegen Ende der Hin- und Rückrunde als zu eng kritisiert wird, sieht anders aus. Doch in diesem Fall liegt die „Schuld“ gar nicht einmal ursächlich bei der UEFA.

Der Fall des „Eisernen Vorhangs“ und seine Folgen für den Fußball

Seit der WM-Qualifikation für Italia 1990 ist nämlich viel passiert. Der „Eiserne Vorhang“ ist gefallen, aus den zwei Vielvölkerstaaten UdSSR und Jugoslawien sind insgesamt 21 Nationen entstanden, von denen 17 an UEFA-Wettbewerben teilnehmen. Durch den Zerfall der CSSR in Tschechien und die Slowakei hat sich ein weiteres „Überhangmitglied“ gebildet. Weitere Verbände, wie Andorra, wurden erst in den Neunziger Jahren von der UEFA für die Qualifikationswettbewerbe zugelassen. So kam es, dass sich die Zahl der Bewerber um Plätze für EM- und WM-Endrunden in den letzten 23 Jahren beinahe verdoppelt hat.

(Fast) alles spricht für eine Vorqualifikation

Für die Staaten selber war die Unabhängigkeit politisch gewiss die beste Lösung. Für den Fußball bedeutet jede neu hinzukommende kleine Nation in der Regel jedoch einen sportlichen Qualitätsverlust. Wenn etwa die Hälfte der 53 Starter nur „dabei sein“ und einmal gegen Spanien, Deutschland oder England spielen will, dann ist das nur für diese kleinen Fußballnationen ein Highlight. Für die Großen stellen Pflichtspiele gegen Färöer, Kasachstan oder Aserbaidschan nur eine weitere lästige Reise in einen entlegenen Winkel Europas bzw. Eurasiens dar. Weiterhin bedeuten Spiele gegen Mannschaften, die um Klassen schlechter sind als man selbst, dass man in der Heimat nur etwas „gewinnen“ kann, wenn man dem Gegner mindestens fünf, sechs Tore einschenkt.

Vorqualifikation: Die besten Kleinen dürfen gegen die Großen ran

Bei allem Verständnis für die kleinen Nationen hätte eine Vorqualifikation der 20 oder 25 schlechtesten Mannschaften Europas nur Vorteile:

  • Für die Kleinen, weil sie nun einen „wirklichen“ Wettbewerb austragen würden, in dem man sich das Recht auf Highlight-Spiele erwerben kann, anstatt nur Kanonenfutter zu sein. Diese Vorqualifikation könnte ausgetragen werden, während sich die Top-Nationen auf die Endrunden vorbereiten.
  • Für die Großen, weil der Rahmenterminkalender aufgrund wegfallender Pflicht-Länderspiele entzerrt würde und Platz für mehr Ruhepausen geschaffen wäre.
  • Für die Zuschauer, weil jedem einzelnen Qualifikationsspiel in einer kleinen, sportlich ausgewogen besetzten Gruppe eine größere Bedeutung zukäme. Schließlich könnten selbst wenige Punktverluste schon das Aus bedeuten.

Warum es nie zu einer Vorqualifikation kommen wird

Auch wenn Vieles für eine Vorqualifikation spricht, wird diese Idee womöglich nie in die Tat umgesetzt werden. Zum einen, weil jedes Qualifikationsspiel vermarktet werden kann und die Kassen der UEFA dadurch noch ein wenig voller werden. Zum anderen, weil jeder UEFA-Präsident, der sich öffentlich für eine solche Vorqualifikation aussprechen würde, bei der nächsten Wahl von den kleineren Mitgliedsverbänden abgestraft würde und seinen Stuhl räumen müsste. Und so wird man sich auch weiterhin auf sie einstellen müssen, diese Freitage und Dienstage, an denen sich die DFB-Elf mit Liechtenstein, San Marino, Kasachstan oder Aserbaidschan messen muss. Immerhin: Die nächste Endrunde kommt bestimmt…

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