«

»

Okt
28

Sepp macht sich zum Depp: Blatter will Europa WM-Startplätze wegnehmen

FIFA-Präsident Sepp Blatter ist als gewiefter Sportpolitiker bekannt. Krisen sitzt er einfach aus, anstatt sie zu lösen. Kritiker macht er gern mundtot, anstatt sich ihnen zu stellen. Und wenn es darum geht, sich als Freund der kleinen Fußballnationen darzustellen, lässt der 77-Jährige selten eine Chance aus.

„Es kann nicht sein, dass Europa und Südamerika auf ihrem Status beharren, die Mehrzahl der WM-Teilnehmer zu stellen. Die Globalisierung muss endlich ernstgenommen werden und Afrika und Asien den Status erhalten, den sie verdient haben“, schrieb Blatter jüngst im Magazin „FIFA Weekly“. Der FIFA-Präsident fuhr fort, dass „dieser Makel“ endlich behoben werden müsse.

Zugegeben, Europa und Südamerika entsenden ein großes Starterkontingent zum Weltturnier. Von den 54 Mitgliedsverbänden der UEFA reisen 13 zur WM 2014, also fast jeder Vierte (24 Prozent). In Südamerika ist es noch extremer: Fünf der zehn CONMEBOL-Mitgliedsstaaten lösen das WM-Ticket fix (50 Prozent), ein sechstes Team kann sich noch über ein interkontinentales Playoff qualifizieren. Verglichen damit sind die Asiaten (4 aus 43 plus ein Playoff-Platz; 9 Prozent) und Afrikaner (5 aus 51; 10 Prozent) definitiv unterrepräsentiert.

Europa und Südamerika überrepräsentiert?

Aber: Nach rein sportlichen Kriterien lässt sich die hohe Präsenz der UEFA und des CONCACAF bei Fußball-Weltmeisterschaften (18 bzw. 19 von 32 Teilnehmern) sehr wohl begründen, denn:

  • bei bislang 19 WM-Endrunden kam der Weltmeister 19-mal aus Europa oder Südamerika (Quote: 100 Prozent)
  • von den 38 Finalisten der bisherigen Weltmeisterschaften kamen 38 aus Europa oder Südamerika (Quote: 100 Prozent)
  • von den 76 Halbfinalisten der bisherigen Weltmeisterschaften kamen 74 aus Europa oder Südamerika (Quote: 97 Prozent); Ausnahmen: USA 1930, Südkorea 2002

FIFA-Weltrangliste widerlegt Blatter

Außerdem kann man noch eine weitere nette Statistik anführen: die von der FIFA 1993 ins Leben gerufene Weltrangliste, die jüngst von der FIFA zum allein ausschlaggebenden Maßstab für die Einteilung der Gruppenköpfe bei der WM 2014 deklariert wurde – da müsste Blatter doch das Herz aufgehen.

Dummerweise stützt die Weltrangliste seine Argumentation nicht gerade, denn dort rangieren aktuell 13 europäische Nationen unter den Top 20. Zweitstärkster Kontinentalverband ist Südamerika mit fünf Teams. Die USA (CONCACAF, Platz 13) und die Elfenbeinküste (CAF, Platz 17) sind die einzigen Vertreter außerhalb der führenden Kontinente im Weltfußball. Und weil es bei einer WM irgendwie auch um Sport geht, sollte man den Leistungsgedanken nach Möglichkeit an die erste Stelle setzen.

Für Stimmenfang und Klingelbeutel

Blatter kennt diese Statistiken gewiss auch. Dennoch ignoriert er sie geflissentlich. Das hat er stets getan, seit er 1998 in sein Amt gewählt wurde. 2015 muss sich der Schweizer erneut dem Votum stellen. Da kann es nicht schaden, bei den mitgliederreichen – und damit stimmgewaltigen – Verbänden Afrikas und Asiens schon mal ein bisschen auf Schönwetter zu machen.

Hinzu kommt, dass Blatter natürlich auch wirtschaftliche Aspekte im Hinterkopf hat. Wie die Macher der Formel 1 hat auch der FIFA-Vorsitzende erkannt, dass gerade in den Boom-Regionen Asiens (Persischer Golf, China, Singapur, Südkorea) jede Menge Kapital schlummert, an dem die FIFA auch ganz gerne partizipieren würde. Bereits jetzt sind mit Sony, Hyundai/Kia und Emirates drei der sechs größten Geldgeber des Weltverbands in Asien beheimatet. Mehr Startplätze für die Region würden die Verhandlungsposition der FIFA sicher nicht verschlechtern…

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*