«

»

Nov
22

Sinnlose Vereinslieder (1): Blau und Weiß, wie lieb‘ ich Dich (Schalke 04)

Vereinslieder stiften Identifikation und Zusammenhalt. Teilweise sorgen sie vor dem Anpfiff einer Partie sogar für Gänsehaut bei Anhang und Spielern. Doch nicht jedes Vereinslied macht auch Sinn, einige strotzen geradezu vor Fehlern. In unregelmäßigen Abständen werde ich diese Lieder künftig „sezieren“. Den Anfang macht das Vereinslied des FC Schalke 04. Die größten Philosophen des Abendlandes könnten an diesem Stück Folklore verzweifeln. Weil die aber Besseres zu tun haben, nehme ich mich der Sache an.

„’Blau und Weiß, wie lieb’ ich dich‘ ist das offizielle Vereinslied des FC Schalke 04. Es geht auf das 1797 verfasste Jägerlied ‚Lob der grünen Farbe‘ von Ludwig von Wildungen zurück. 1924 entstand die erste Umdichtung auf Blau und Weiß. Die heute verwendete Fassung stammt aus dem Jahr 1959 und wurde von dem Kölner Musiker Hans J. König getextet.“ (wikipedia.de)

1. Strophe

Blau und Weiß
Wie lieb‘ ich dich

Blau und Weiß
Verlass mich nicht

Blau und Weiß
Ist ja der Himmel nur
Der Himmel nur (eine eindeutig fehlerhafte Behauptung: Die Landesfahne Bayerns, das Trikot des VfL Bochum, Ringel-T-Shirts im Seemann-Style und ungefähr 10.000 andere Sachen sind ebenfalls blau und weiß)

Blau und Weiß
Ist unsre Fußballgarnitur (auch die Schalker „Fußballgarnitur“ ist blau und weiß; diese Textstelle ist der eindrucksvollste Beweis dafür, dass nicht nur der Himmel blau und weiß ist, wie noch eine Zeile zuvor behauptet wird)

Blau und Weiß
Ist ja der Himmel nur
Der Himmel nur

Blau und Weiß
Ist unsre Fußballgarnitur

2. Strophe

Hätten wir ein Königreich
Machten wir es den Schalkern gleich (macht nen schlanken Fuß, die Textstelle; aber einige Fragen bleiben: Wer ist mit WIR gemeint, wenn nicht die Schalker selbst? Und wenn die Schalker WIR sind, wie kann man dann ein hypothetisches Königreich sich selbst gleich machen?!)

Alle Mädchen die so jung und schön
So jung und schön
Müssten alle Blau und Weiß
spazieren geh’n (wäre wohl eher eine Diktatur anstatt eines Königreichs, wenn man den Mädels einen Dresscode auferlegt; zugleich ist es diskriminierend, die Alten und Hässlichen vom Dresscode auszuschließen; ein klarer Fall für Bundesministerin Schröder)

Alle Mädchen die so jung und schön
So jung und schön
Müssten alle Blau und Weiß
spazieren gehen

3. Strophe

Mohammed war ein Prophet
Der vom Fußball spielen
Nichts versteht (in der Sache korrekt: der gute Mohammed konnte vom Fußball spielen auch gar nichts verstehen, weil das Spiel zu seinen Lebzeiten (570-632 n.Chr.) noch gar nicht existierte; richtigerweise müsste es aber „verstand“ heißen, weil Mohammed bereits verstorben ist; nur leider klappt dann der Reim nicht mehr)

Doch aus all der schönen Farbenpracht
der Farbenpracht
Hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht (leider auch falsch: Mohammeds Farbe ist grün; wenn man also schon auf Mohammed in einem Vereinslied setzen möchte, dann wohl eher in dem von Werder Bremen…)

Doch aus all der schönen Farbenpracht
Ja, Farbenpracht
Hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht

4. Strophe

Tausend Feuer in der Nacht
Haben uns das große Glück gebracht.
Tausend Freunde, die zusammen steh’n
Zusammen steh’n
Dann wird der FC Schalke NIEMALS untergeh’n

Tausend Freunde, die zusammen steh’n
Zusammen steh’n
Dann wird der FC Schalke NIEMALS untergeh’n

P.S.: Vor allem die dritte Strophe des Liedes hat 2009 für einige, scheinbar unvermeidliche Kontroversen gesorgt. Einige Muslime forderten den Verein auf, die „den Propheten Mohammed verunglimpfenden Textstellen zu entfernen“. Der FC Schalke beauftragte daraufhin den Islamwissenschaftler Bülent Ucar, ein Gutachten zu erstellen. Dieser kam – wie auch weitere Experten – zu dem Schluss, dass in dem Lied keine islamfeindliche Gesinnung zu erkennen sei. Die Textstelle durfte also bleiben. Logische Schwächen hat sie aber immer noch…

3 Kommentare

Derzeit kein Ping

  1. Essener sagt:

    Die ganze blaue Existenz macht keinen Sinn..

    Zur 4. Strophe: „Tausend Feuer in der Nacht – Haben uns das große Glück gebracht“

    Für Kinder des Ruhrgebiets ne klare Kiste, hier gehts um die 1000 Feuer/Flammen der Kokereien und Stahlwerke, die man bei Nacht überm ganzen Pott lodern sah (z.B. von den Halden aus), und der Region einst Arbeit->Wohlstand->Glück brachten.

    Daher ist die 4. Strophe wohl die einzige die wirklich Sinn macht. ;)

  2. Andreas Vau sagt:

    Die 1. Strophe kann auf zweierlei Arten interpretiert werden:
    (a) Nur der Himmel ist blau und weiss (offensichtlich falsch). (b) Der Himmel ist nur blau und weiß. Der Autor nimmt die falsche Interpretation (a), klar, sonst bricht ihm 50% seines Textes weg. Gemeint sein kann aber nur Version (b), weil Version (a) erkennbar falsch ist.

    Also: Der Himmel ist nur blau und weiß, also nicht grün, pink oder braun.

  3. Horst Porst sagt:

    Unter „Blau und Weiß ist ja der Himmel nur“ verstehe ich weder a noch b. Stattdessen ist „Blau und Weiß“ hier meiner Meinung nach eine Metapher für Schalke. Gemeint ist also: „Schalke ist ja der Himmel nur“, d. h. Schalke ist uneingeschränkt vergleichbar mit dem Himmel = Paradies.
    Ansonsten teile ich aber die Ansicht, dass der Liedtext ziemlich schwach ist.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*