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Apr
18

Sky is the limit – Was fängt die Bundesliga mit dem Geldregen an?

Damit konnten nicht einmal die kühnsten Optimisten rechnen: Die 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga kassieren zwischen 2013 und 2017 rund 2,5 Mrd. Euro an TV-Geldern. Das ist eine Steigerung von fast 50 Prozent gegenüber den bisherigen Einnahmen. Doch nützt das ganze Geld der Liga wirklich?

Die Telekom hat scheinbar alles versucht. Der Bonner Großkonzern, der aktuell die IPTV-Rechte hält („Liga Total“), schaut ab der Saison 2013/14 komplett in die Röhre. Gegen das Angebot des defizitären Pay-TV-Senders und bisherigen Live-Rechteinhabers Sky hatte die Telekom letzten Endes keine Chance. Sky konnte dagegen sein Rechtepaket sogar noch erweitern.

Größter Nutznießer dieser Preistreiberei ist auf den ersten Blick die Deutsche Fußball Liga (DFL). Bislang erhalten die Proficlubs in Deutschland 410 Millionen Euro jährlich aus der TV-Vermarktung, mit Beginn des neuen Vertrags in der Saison 2013/14 steigen die Einnahmen gleich auf 560 Millionen Euro an. Die Erlöse erhöhen sich in den folgenden Jahren sogar nochmals und erreichen in der Saison 2016/17 mit 673 Millionen Euro ihren (vorläufigen?) Zenit. Zum Vergleich: Die englische Premier League kassiert jährlich 770 Millionen Euro. Damit ist das Mutterland des Fußballs der Bundesliga immer noch deutlich voraus, doch die finanziellen Rahmenbedingungen im Wettstreit um Top-Spieler werden besser. Allerdings ist nicht alles eitel Sonnenschein…

Risiken des Millionen-Deals

„Die finanzielle Beweglichkeit der Klubs hat sich deutlich erhöht. Aber wir müssen weiter mit Augenmaß wirtschaften und darauf achten, dass Spielergehälter und Ablösesummen nicht inflationär in die Höhe gehen.“ So wird Reinhard Rauball, DFL-Präsident und Präsident des Deutschen Meisters Borussia Dortmund zitiert.

In der Tat haben die Vereine künftig deutlich mehr Geld zur Verfügung. Der FC Bayern etwa dürfte ab 2013 pro Saison mindestens 10 Millionen Euro mehr in der Kasse haben, Liga-Novizen wie der FC Augsburg immerhin an die 5 Millionen Euro.

Doch Geld zu haben, ist das eine. Mindestens genauso wichtig ist, wie man damit umgeht. Sinnvoll wäre sicherlich, wenn die Vereine die zusätzlichen Millionen in die Tilgung ihrer Schulden stecken würden. Bedarf gäbe es bei den meisten Clubs. Zwar ist die Bundesliga nicht so stark verschuldet wie etwa die spanische Primera Division (ca. 2 Mrd. Euro „Miese“), doch hinter dem kumulierten Minus der 1. und 2. Liga steht auch ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag.

Doch glaubt allen Ernstes jemand, dass ein Verein im Zweifel Schulden tilgen wird?! Die meisten Clubs werden es in Spieler investieren, schließlich ist die Rechnung einfach: „Investiere ich jetzt nicht, verpasse ich sportlich den Anschluss und mache am Ende noch mehr Miese.“ Daher ist für mich nur logisch, dass das Geld direkt in die Taschen der Kicker und ihrer Berater fließen wird. Ligaintern hätte somit kein Verein einen nennenswerten Vorteil, nur im Wettrüsten mit dem Ausland wären die Bundesligisten in einer besseren Position.

Letzten Endes wird sich – bei aller Freude über den Stellenwert der Bundesliga – die Schraube im Fußball immer weiter drehen: Wer zu Geld kommt, gibt es sofort wieder aus. Dabei ist es egal, ob ein Verein über 10, 100 oder 500 Millionen Euro pro Saison verfügen kann.

Financial Fair Play als Ausweg – Aber wer glaubt dran?

Das einzige, was helfen würde den Markt zu regulieren, wäre eine strikte Einhaltung des von der UEFA im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen „Financial Fair Play“, welches alle Vereine zu soliderem Wirtschaften zwingen würde. Gäbe es das, müsste Sky nicht bis aufs Letzte ins Risiko gehen. Gäbe es das, würden die Clubs endlich zu solidem Wirtschaften gezwungen. Gäbe es das, könnten sich Vereine wie Barcelona, Real Madrid oder der FC Chelsea finanziell nicht alles herausnehmen.

Doch an eine Umsetzung glaubt niemand. Man frage einfach mal bei Monsieur Platini nach. Der UEFA-Boss hat das „Financial Fair Play“ offensichtlich nur ins Leben gerufen, weil es in der Öffentlichkeit gut rüberkommt. Ob sich jemand daran hält, dürfte aber kaum jemand bei der UEFA nachprüfen. Wer will sich schon seinen Sport – respektive sein Produkt – kaputtmachen?

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