«

»

Apr
25

So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Schlechtere

Manch einer dürfte gestern mit dem Fußballgott gehadert haben. Da spielt Barcelona auf ein Tor, doch Chelsea zieht ins Champions League-Finale ein! Doch Hand aufs Herz: Machen solche „Ungerechtigkeiten“ den Fußball nicht erst zu dem, was er ist? Das beste Spiel auf der Welt!

Wäre eine Mannschaft im Handball oder Basketball ähnlich überlegen wie der FC Barcelona im Fußball, würden die Spiele irgendwann niemanden mehr interessieren. Beim Fußball ist es zum Glück anders: Totale technische und taktische Überlegenheit nützen dir überhaupt nichts, wenn der Gegner das nötige Quäntchen Glück und das „Momentum“ auf seiner Seite hat. Ein Endergebnis gegen alle Vernunft und Wahrscheinlichkeit ist immer möglich. Das macht das Spiel unwägbar und lockt die Menschen in die Stadien und vor die Fernseher.

Typisch Fußball: Eine Szene dreht ein ganzes Spiel

So geschehen gestern, als der FC Chelsea überraschend den Einzug ins Champions League-Finale geschafft hat. Das ging nur, weil Barca einen rabenschwarzen Abend erwischte, in dem alles danebenging – obwohl zunächst alles perfekt für den Favoriten zu laufen schien: Gewohnt überlegene Spielführung mit dem berühmten „Tiki Taka“. Wie nach Drehbuch die 1:0-Führung, mit der das Resultat aus dem Hinspiel egalisiert war. Dann auch noch der Platzverweis gegen Chelsea-Abwehrchef John Terry. Und schließlich noch vor der Pause das 2:0 für Barca. Das Finalticket war so gut wie gebucht.

Und wer weiß was passiert wäre, wenn Ramires nicht postwendend der 1:2-Anschlusstreffer gelungen wäre? So aber nimmt die Partie den bekannten dramatischen Verlauf: Die zweite Hälfte wird ein Anrennen auf ein Tor. Ausgerechnet Weltfußballer Lionel Messi verschießt einen Foulelfmeter, auch die Kollegen scheitern in der Folge mehrfach knapp am 3:1, das Chelsea vermutlich den Zahn gezogen hätte. Das 2:2 für die Engländer in der Nachspielzeit, als Barcelona alles nach vorne warf, war dann fast nur die logische (und ebenso fußballtypische) Konsequenz aus dem Spielverlauf.

Chelsea: Mehr als nur Glück

Doch mit Glück und Zufall allein lässt sich der Finaleinzug der Londoner auch nicht erklären. Chelsea hat nämlich seinerseits alles für das Weiterkommen getan. Das in dieser Saison allzu oft strauchelnde englische Schwergewicht hat in den zwei Partien gegen Barcelona genau so gespielt, wie man gegen Barcelona spielen muss: Räume eng machen, diszipliniert stehen, die richtige Mischung aus Aggression und Zurückhaltung finden, Nadelstiche setzen und mit ein wenig Glück vorne mehr Tore schießen als hinten kassieren.

Das ist zwar nicht gerade die feine (englische) Art, Fußball zu spielen. Doch anders kann man der gut geölten und eingespielten Maschine Barcelona schlicht und einfach nicht beikommen. So hat es Inter Mailand 2010 gegen Barca ins Finale geschafft. So hat Real Madrid in den letzten 12 Monaten Barca immerhin zwei Mal in entscheidenden Spielen geschlagen. So hat es Chelsea vergangene Woche und gestern getan. Und so werden es künftig Gegner tun müssen, wenn sie gegen Barcelona eine Chance haben wollen.

Es lebe das Unwägbare!

Die Folgen von Barcelonas Ausscheiden: Die Fußballwelt kann aufatmen, weil selbst eine überragende Mannschaft in einem oder zwei Spielen zu bezwingen ist. Die Bayern und Real werden drei Kreuze machen, weil mit Chelsea im Finale das „dankbarere“ Los wartet. Und Barcelona hat, obwohl immer noch unbestritten die beste Vereinsmannschaft der Welt, innerhalb von sieben Tagen zwei Titel verspielt. Puristen und Freunde des schönen Spiels mögen das beklagen, doch letzten Endes führen auch im Fußball viele Wege nach Rom. Und genau das lieben wir an diesem Sport. Möge immer ein wenig Raum für das Unwägbare bleiben!

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*