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Aug
16

Sponsoring: Wettanbieter erobern die Bundesliga

Die Trikotsponsoren der Bundesligavereine kann fast jeder Fan aufzählen. Auch die (verkauften) Stadionnamen kriegen die meisten Fußballinteressierten auf die Reihe. Doch das sind nicht die einzigen Bundesliga-Geldgeber aus der Wirtschaft. Viele Vereine verfügen über einen großen Pool von Premium-Sponsoren und diversen kleineren Förderern. Besonders auffällig in der Saison 2012/13: die große Zahl der Wettanbieter unter den Geldgebern.

Noch vor wenigen Jahren hatte der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) einen Sponsoring-Deal mit dem Pharma-Konzern Stada. Als Mitte der 2000er Jahre im deutschen Radsport ein Doping-Skandal nach dem anderen ans Licht kam, bot diese Liaison jede Menge Angriffsfläche für Spötter und Kritiker. Im Fußball ist Doping zwar ebenfalls ein potenzielles Problem, doch für Skandale in diesem Sport haben in der Vergangenheit in erster Linie Wettaffären gesorgt. Der Fall Robert Hoyzer, der Deutschland 2005 auf Trab hielt oder der aktuelle italienische Wettskandal sind nur zwei Beispiele.

Eine ganze Armada von Wettanbietern

Umso interessanter ist die Tatsache, dass 15 der 18 aktuellen Erstligavereine Sponsoring-Deals mit Wettanbietern abgeschlossen haben. Am größten ist die Lotto/Oddset-Armada mit fünf Vereinen. Insgesamt engagieren sich in der Saison 2012/13 sieben verschiedene Wettanbieter im Oberhaus:

  • Lotto/Oddset (5): Borussia Dortmund, 1. FC Nürnberg, 1. FSV Mainz 05, FC Augsburg, Eintracht Frankfurt
  • Tipico (3): Werder Bremen, SC Freiburg, Hamburger SV
  • bet-at-home.com (2): Schalke 04, Borussia Mönchengladbach
  • mybet.de (2): Greuther Fürth, Fortuna Düsseldorf
  • bwin (1): Bayern München
  • betfair (1): Bayer Leverkusen
  • interwetten (1): VfB Stuttgart
  • Kein Sponsoring durch einen Wettanbieter: Hannover 96, VfL Wolfsburg, 1899 Hoffenheim

Möglich wurde diese enge Kooperation der Wettanbieter mit dem Fußball durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag, der zum 1.7.2012 nämlich den Markt für bis zu 20 private Sportwettenanbieter geöffnet hat. Zugleich wurde damit das Lotto-/Oddset-Monopol gekippt – welches ohnehin nur noch auf dem Papier existierte, weil die privaten, im Ausland ansässigen Unternehmen in den letzten Jahren immer größere Marktanteile erhielten.

Alle verdienen mit

Durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag betreiben die privaten Anbieter ihr Geschäft in Deutschland nun völlig legal. Als Ausgleich für diese Konzessionsentscheidung (in jeglicher Hinsicht) erhält der Staat fünf Prozent der Spieleinsätze. Bei rund fünf Milliarden Euro, die 2011 bei tipico, bwin & Co. eingesetzt wurden, dürften so ab 2012 um die 250 Millionen Euro zusätzlich ins Säckel von Finanzminister Schäuble fließen.

Auch der Fußball profitiert von den Tippern: So fließt ein fester Teil der Oddset-Wetteinnahmen an DFB und DFL, ohne deren Länderspiele, Bundesliga- oder Pokalpartien Sportwetten nur schwerlich möglich wären. Auf allen Seiten gibt es also nur Gewinner, die aus den Realitäten das Beste machen. Schließlich wäre es naiv zu glauben, dass eine Welt ohne Sportwetten existieren könnte. So spielt der Staat den „Ordnungshüter“, der sich für die Legalisierung ein paar Euro zustecken lässt. Insofern ist auch nichts dabei, wenn man das Sportwettengeschäft noch einmal von den Vereinen ankurbeln lässt, oder?

Eine moralische Frage

Nun ja, Glücksspiel kann nach wie vor süchtig machen. Nicht umsonst werden Millionen in die Suchtprävention gesteckt. Und nicht von ungefähr sind Wettanbieter dazu angehalten, in Riesenlettern auf die Suchtgefahr hinzuweisen. Am Ende ist es mit den Sportwetten wie mit dem Alkohol (an dessen Verkauf der Staat ebenfalls verdient): Gegen einen verantwortungsvollen Umgang kann kaum jemand etwas einwenden.

Trotzdem ist Alkoholwerbung längst ein heikles Thema. „Jack Daniels“, in den späten Neunzigern noch Trikotsponsor des FC St. Pauli, würde man heute definitiv nicht mehr auf der Brust eines Bundesliga-Vereins finden. Bierkonzerne gehören dagegen zum Sponsorenkreis fast jedes Bundesligavereins, die Fans wollen schließlich bewirtet werden. Also ist Werbung für Sportwetten erlaubt, wenn auch Werbung für Bier in Ordnung ist? Naja, Bier gibt’s wahlweise auch in alkoholfrei, beim Abschließen von Sportwetten geht’s dagegen immer um Geld.

Ich will nicht als der große Miesmacher dastehen, der die Gefahren des Alkoholismus herunterspielt und die des Wettens dramatisiert, aber die Beispiele spielsüchtiger Profis (u.a. René Schnitzler) und „Normalos“ zeigen, dass der Traum vom schnellen großen Geld eine ungemeine Faszination besitzt. Diese durch die Vereine noch einmal zusätzlich zu befördern, halte ich zumindest für diskutabel.

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