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Feb
08

Stani, Skibbe, Labbadia & Co. – Bundesligatrainer unter Beschuss

Die Bundesliga-Rückrunde ist gerade einmal drei Spieltage alt, da sind bereits fünf Trainer mächtig unter Druck. Wer fliegt bis zum Saisonende, wer geht spätestens im Sommer, und wer nimmt freiwillig seinen Hut?

Michael Skibbe (Hertha BSC Berlin)

3 Spiele, 0 Punkte, 1:5 Tore – schlechter kann man kaum in die Rückrunde starten. Mit einer solchen Bilanz würden bei jedem Bundesligaverein die Alarmglocken schrillen. In Berlin tun sie dies umso lauter, als dass Trainer Michael Skibbe erst seit Anfang Januar im Amt ist. Konnte sein Vorgänger Markus Babbel den Aufsteiger bis zu seinem Zerwürfnis mit Geschäftsführer Michael Preetz noch ins Mittelfeld der Tabelle führen, so ist die Bilanz des Neu-Trainers desaströs. Von einem Zerwürfnis mit Teilen der Mannschaft ist bereits zu hören – nach nicht einmal sechs Wochen Zusammenarbeit. Normalerweise müsste man als Vereinsverantwortlicher an dieser Stelle die Reißleine ziehen. Doch wenn Michael Preetz dies tut, müsste er eigentlich gleich mitgehen. Nach der wenig eleganten Favre-Entlassung im Herbst 2009, der wenig Erfolg bringenden Verpflichtung von Friedhelm Funkel und dem Zickenkrieg mit Markus Babbel ist der Kredit des Ex-Nationalspielers allmählich aufgebraucht. Der zweite Abstieg binnen zwei Jahren droht.

Auch Michael Skibbes Ruf hat mächtig gelitten. Mir war es ohnehin schleierhaft, wie Preetz ausgerechnet auf den 46-jährigen Fußballlehrer kam, der bei keiner seiner Cheftrainer-Stationen (Dortmund, Leverkusen, Galatasaray, Frankfurt) das Potenzial seiner Mannschaften voll ausgeschöpft hat. Böse Zungen würden behaupten, dass Skibbe gerade versucht, seinen eigenen Minus-Startrekord in die Rückrunde aus dem Vorjahr zu unterbieten. Damals holte er als Trainer von Eintracht Frankfurt zwei Punkte aus den ersten neun Partien (2:15 Tore).

Prognose: Da Michael Preetz an seinem Stuhl klebt, wird er in bester Manier seines Vorgängers Dieter Hoeneß versuchen, die Krise auszusitzen. Angesichts der aktuellen Negativstimmung hat die Hertha „gute Chancen“, sich in der Abstiegszone festzusetzen. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Mannschaft, die zur Winterpause ganz passabel dasteht, den Abstiegskampf nicht annimmt und in der kommenden Saison des Öfteren montags abends spielt. Michael Skibbe jedenfalls hat im letzten Jahr nicht bewiesen, dass er einen Negativtrend stoppen kann. Egal, Michael Preetz dürfte ihm so oder so noch eine Zeit lang die Stange halten. Erst wenn Hertha deutlich unter dem Strich stehen sollte, wird Preetz handeln. „Feuerwehrmänner“ sollten schon mal ihre Bewerbungsunterlagen bereit halten…

Bruno Labbadia (VfB Stuttgart)

Jährlich grüßt das Murmeltier. Wie zuvor schon in Darmstadt, Fürth, Leverkusen und Hamburg sind Erfolge unter Trainer Bruno Labbadia immer nur von kurzer Dauer. Immerhin: Beim VfB setzte der Absturz nicht schon nach einem halben Jahr, sondern erst nach gut neun Monaten ein. Das reichte immerhin, um 2010/11 noch den Klassenerhalt sicherzustellen und 2011/12 bis Mitte der Hinrunde Tuchfühlung zu den Europapokalplätzen zu halten. Doch seit November läuft wenig bei den Schwaben: Nach nur einem Sieg aus den letzten elf Bundesligaspielen ist der VfB der Abstiegszone langsam, aber beharrlich immer näher gekommen.

Auch wenn es beim VfB noch erstaunlich ruhig ist, so wird sich Sportdirektor Fredi Bobic die Talfahrt nicht mehr allzu lange anschauen können. Das Saisonziel Europa League-Quali ist nur noch durch einen Sieg im DFB-Pokal zu realisieren. Doch wenn man heute Abend gegen den FC Bayern ausscheiden sollte, kann es nur noch um den Klassenerhalt gehen. Gelingt Labbadia in den nächsten Wochen die Trendwende nicht, dürfte auch der Druck auf Bobic, dessen Vertrag erst vor Kurzem bis 2016(!) verlängert wurde, wachsen. Der nach seinem Burn-Out noch aussetzende Ralf Rangnick wurde von Stuttgarter Medien bereits vorsorglich in Position gebracht…

Prognose: Labbadia hat es auf seinen vorherigen Stationen nicht geschafft, nach einem Tief noch mal die Kurve zu kriegen. Verwunderlich, wenn ihm das beim VfB gelänge, der eigentlich für traditionell gute Rückrunden bekannt ist. Normalerweise sollten mindestens drei, vier Mannschaften schlechter sein als die Schwaben, die immer noch relativ komfortable fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz haben. Doch der Trend ist dermaßen negativ, dass (s. Hertha BSC) auch der VfB ein ernsthafter Anwärter für einen unerwarteten Abstiegskampf ist. Im Gegensatz zu seinem Berliner Kollegen Preetz kann sich Fredi Bobic eine Entlassung Labbadias vermutlich leisten, ohne (vorerst) allzu großen Schaden zu nehmen. Deswegen glaube ich, dass wir in dieser Spielzeit noch ein neues Gesicht auf der Bank des Deutschen Meisters von 2007 sehen werden.

Holger Stanislawski (1899 Hoffenheim)

Mit Stanislawskis Verpflichtung sollte in Hoffenheim alles anders werden. Nachdem weder Ralf Rangnick noch der fast schon wieder vergessene Marco Pezzaiuoli mit den Kraichgauern den Schritt ins obere Bundesliga-Drittel geschafft haben, wagte der Club von Mäzen Dietmar Hopp im Sommer endgültig die Neuausrichtung: Weg von teuren Neueinkäufen. Weg mit unzufriedenen Stars, für die man einen guten Preis erzielen kann. Weg mit dem sterilen Image des reichen Dorfclubs. Hoffenheim wollte nicht mehr geliebt werden (so wie früher), sondern „nur“ noch respektiert. Gesicht und Motor des Wandels sollte Holger Stanislawski sein, der junge Nachwuchskräfte heranführen und einen neuen Erfolgshunger schüren wollte.

„Mister St. Pauli“, dessen Wechsel ins Kraichgau bei vielen Fußballfans nur Unterverständnis ausgelöst hat, ist es jedoch nicht gelungen, den Verein zu verändern. Und das hätte er wissen müssen: Stanislawski, der in den letzten 20 Jahren in einem der stimmungsvollsten Stadien in Deutschland zu Hause war, spielt nun vor einem Publikum, das seit Jahr und Tag Fußball eher wie im Theater oder der Oper konsumiert. Seine Mannschaft enttäuscht Woche für Woche, auch weil der Trainer scheinbar nicht zu den Spielern durchgedrungen ist. Mittlerweile wird sogar Unmut von Seiten Dietmar Hopps laut, der sich in der Vergangenheit immer zurückgehalten hat, wenn es um Taktikfragen ging. Wenn schon Stanislawski, der Gegenentwurf zur Hoffenheimer Dorfidylle, keinen Wandel bewirken konnte, dann sind das Anzeichen dafür, dass das „Projekt Hoffenheim“ endgültig gescheitert ist – es sei denn, man hat es all die Jahre darauf abgesehen, Bochum als „graue Maus“ des deutschen Fußballs abzulösen…

Prognose: Holger Stanislawski ist dauerhaft angefressen und distanziert sich zusehends von der Mannschaft. Manager Ernst Tanner und Mäzen Dietmar Hopp machen keinen Hehl aus ihrer Unzufriedenheit. Die Mannschaft spielt auch nicht gerade für den Trainer. Derzeit stehen die Zeichen auf Trennung zum Saisonende. In dieser Runde wird wohl kaum etwas passieren, zumal Hoffenheim definitiv zu gut für den Abstiegskampf ist. Im Sommer müssen sich alle Beteiligten dann aber die Sinnfrage stellen: Hopp und Tanner können sich fragen, wie es beim „Dorfverein“ weitergehen soll. Holger Stanislawski wird sich fragen müssen, ob sein Scheitern in Hoffenheim nicht abzusehen war. Immerhin: Sein immer noch ordentlicher Ruf dürfte ihm zur neuen Spielzeit einen Job im Profifußball bescheren. Dort wird der Druck dann allerdings nicht kleiner, denn auf dem höchsten Level erhalten Trainer nicht allzu viele Chancen – es sei denn, sie heißen Michael Skibbe…

Robin Dutt (Bayer Leverkusen)

Mit einem Kader, der definitiv das Zeug für eine Top 3-Platzierung in der Bundesliga hat, muss sich Leverkusen gerade Sorgen machen, in der kommenden Spielzeit die Europa League zu erreichen. Als wäre das allein nicht schon schlimm genug, ist auch vom teilweise mitreißenden Offensivfußball der Vergangenheit nichts mehr zu sehen. Darüber kann auch das Erreichen des Champions League-Achtelfinals nicht hinwegtäuschen. Bayer bleibt unter seinen Möglichkeiten, und das können sich Trainer und sportliche Führung ans Revers heften.

Nicht von ungefähr haben sowohl Wolfgang Holzhäuser als auch Rudi Völler mittlerweile eingeräumt, dass die Rückholaktion von Michael Ballack ein Fehler war. Nur, dass in der vergangenen Saison die Ergebnisse und das gute Spiel den medialen Dauerknatsch kaschiert haben. Womit wir bei Trainer Robin Dutt wären. Der hat es geschafft, durch permanente Rotation auf Schlüsselposition (Ballack oder Rolfes auf der „Sechs“, Derdiyok oder Kießling in der Sturmspitze) keine Harmonie auf dem Spielfeld aufkommen zu lassen. Womöglich wollte er jedem Spieler das Gefühl geben, gleichermaßen gebraucht zu werden. Doch letzten Endes hat Dutt durch seine Wechselspielchen nur seine Autorität untergraben und seine Mannschaft verunsichert.

Prognose: Dass Bayer in der Champions League gegen Barcelona ausscheiden wird, steht wohl außer Frage. Nun könnte man sagen: Hey, gegen die beste Mannschaft der Welt kann man rausfliegen. Das möchte ich auch gar nicht bestreiten. Doch Bayer hatte es selbst in der Hand gehabt, ein Los à la Basel oder St. Petersburg zu ziehen. Dass die „Werkself“ den dafür nötigen Sieg im letzten Gruppenspiel beim schon ausgeschiedenen KRC Genk nicht zustande gebracht hat, ist fast schon ein Sinnbild für die aktuelle Saison.

Nach dem Aus gegen Barcelona wird auch der Letzte beim Blick auf die Bundesliga-Tabelle feststellen, dass die Saison verkorkst ist. Bei derzeit zehn Punkten Rückstand auf den Champions League-Qualifikationsplatz ist unter normalen Umständen nach oben hin nichts mehr möglich. Dafür müsste Leverkusen schon eine Serie von fünf, sechs Siegen starten – und die bisherige Saison gibt dafür wenig Anlass zur Hoffnung. Robin Dutt dürfte das Saisonende als Bayer-Trainer noch erleben, doch wenn am Ende tatsächlich nur Platz fünf oder sechs zu Buche steht, wird die sportliche Leitung mit großer Wahrscheinlichkeit handeln. Zwei Jahre ohne Champions League-Einnahmen wird man sich unter dem Bayer-Kreuz kaum leisten wollen. Und allein darauf zu hoffen, dass sich mit dem Abschied von Michael Ballack alles zum Guten wendet, wäre wohl auch blauäugig.

Stale Solbakken (1.FC Köln)

Im vergangenen Sommer hatte man in Köln eine Vision: Sportdirektor Volker Finke und sein Wunschtrainer Stale Solbakken sollten die „Geißböcke“ einträchtig Schritt für Schritt nach oben führen. Nach sieben Monaten steht der 1.FC Köln eigentlich auch ganz passabel da: Platz neun nach 20 Spieltagen, sieben Punkte Rückstand auf den letzten Europacup-Platz, sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Genau da wollte man vor der Saison eigentlich hin. Das Problem ist „nur“, dass von der Eintracht zwischen Trainer und Führung nicht mehr viel übrig ist. Der für seine Schlagfertigkeit bekannte und beliebte Norweger Solbakken und der wegen seiner rigorosen, oft schroffen Art umstrittene Finke haben sich offensichtlich kaum noch etwas zu sagen. Finke kritisiert die Spielphilosophie seines Trainers (den er einst wegen seiner Spielphilosophie verpflichtet hat), Solbakken ist unterschwellig genervt von der Art und Weise, wie ihm von Seiten der Führung zugearbeitet wird. Das ist keine gute Basis für eine langfristige Zusammenarbeit, selbst wenn der FC am Saisonende den angestrebten neunten Platz erreichen sollte.

Prognose: Normalerweise ist der Trainer derjenige, der bei einer solchen Konstellation den Kürzeren zieht. Auf der anderen Seite ist Solbakken ist bei weiten Teilen der Mannschaft, der Fans und vor allem der Medien äußerst beliebt, während sich Finke in einem Jahr Amtszeit fast schon ein Michael-Meyer-mäßiges Image erarbeitet hat. Solange der Trainer diesen Rückhalt hinter sich weiß, ist er in keiner allzu schlechten Position. Hinzu kommt, dass Finke sich eine weitere Trainerdemotage nach der von Frank Schaefer nicht leisten kann, zumal Solbakken ja auch ausdrücklich sein „Wunschtrainer“ war. Dennoch glaube ich, dass der stolze Norweger derjenige sein wird, der den Verein als erster verlässt. Nicht ausgeschlossen, dass er das sogar freiwillig tut. Einen guten Arbeitgeber würde er sicherlich finden – und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen, bei dem er ruhiger arbeiten kann…

4 Kommentare

2 Pings

  1. Heibel sagt:

    So schnell kann’s gehen: Gestern sage ich noch, dass Stani wohl bis Saisonende bleiben dürfte, heute ist er schon entlassen. Das wird Hoffenheim aber auch nicht nach vorn bringen. Das „Projekt“ ist aus meiner Sicht in einer Sackgasse und siecht nur noch dahin. Schade für Dietmar Hopp, dass Jürgen Klinsmann nicht auf dem Markt ist…

  2. Nils sagt:

    Nun ging’s doch schneller als es Marco prophezeit hat. Adieu Stani! Nachfolger Babbel… hm… gute Idee? Man wird es sehen. Babbel hätte eigentlich etwas besseres verdient…

  3. Heibel sagt:

    Man darf auch gespannt sein, ob Babbel sich jetzt das schöne Hoffe-Wappen als Tattoo stechen lässt ;-)

  4. Henning F. Strenge sagt:

    MArco wie siehts mit dir eig. aus wenn ACTA durchgesetzt wird ???

  1. Skibbe: "Hätte den Klassenerhalt geschafft" sagt:

    […] 6,5 Prozent mehr Geld im öffentlichen Dienst Emotionen: 21* | 1* In Blogs gefunden: Stani Skibbe Labbadia & Co Bundesligatrainer unter Beschuss Michael Skibbe Hertha BSC Berlin Das reichte immerhin um 201011 noch den Klassenerhalt […]

  2. Hopp unterstützt Babbel: "Werden ruhig bleiben" sagt:

    […] dort auf dem Dorf die Mannschaft gerade nicht so besonders hinter sich wissen: Er beerbte Stani dem Stani Skibbe Labbadia & Co Bundesligatrainer unter Beschuss Konnte sein Vorgänger Markus Babbel den Aufsteiger bis zu seinem Zerwürfnis mit […]

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