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Jan
23

Startschuss – Wer ist fit für die Bundesliga-Rückrunde 2013/14?

32 Tage hat die Bundesliga pausiert. Es wird also höchste Zeit, dass es am 24. Januar wieder losgeht. Die Vereine haben die Winterpause mehr oder weniger erfolgreich genutzt. Während bei vielen Klubs der Daumen nach oben zeigt, stecken manche Vereine bereits in der Krise, bevor die Rückrunde überhaupt begonnen hat.

Bayern München – Platz 1, 44 Punkte, 42:8 Tore

Erstmals in der Saison sind alle Mann wieder im Training. Der Kader ist damit so gut besetzt wie nie beim Klub-Weltmeister. Noch dazu haben die Bayern ein Nachholspiel gegen Stuttgart in petto. Eigentlich stellt sich nur die Frage, ob die Guardiola-Elf auf dem Weg zur Meisterschaft einmal stolpert oder ob man eine „perfekte Saison“ ohne Niederlage hinlegt. Das 0:3 aus der Generalprobe in Salzburg – das Pep Guardiola womöglich sogar billigend in Kauf genommen hat – sollte bei jedem Spieler die Sinne geschärft haben.

Prognose: Meister. Die Frage ist nur, wie frühzeitig der Titel klargemacht wird.

Bayer Leverkusen – Platz 2, 37 Punkte, 32:16 Tore

Am Ende der Hinrunde ist der Werkself die Puste ausgegangen. Dadurch wurde in der Tabelle evident, was auch so jeder wusste: Meister wird Leverkusen in dieser Saison sicher nicht (#Tradition verpflichtet). Fünf Siege aus sechs Vorbereitungsspielen zeugen von einer guten Frühform bei der Hyypiä-Elf. Der Kreuzbandriss von Flügelstürmer Robbie Kruse ist bedauerlich, wirft das Team aber nicht um.

Prognose: Direkte Champions-League-Qualifikation.

Borussia Mönchengladbach – Platz 3, 33 Punkte, 35:19 Tore

Nach dem Zwischenjahr 2012/13 greifen bei der Elf vom Niederrhein die meisten Rädchen wieder ineinander. Die Sommer-Neuzugänge (Kruse, Raffael, Kramer) haben die Mannschaft auf den entscheidenden Positionen stärker gemacht. Die Borussia tritt als Team enorm stark auf und ist damit noch höher einzuschätzen als in der von Marco Reus geprägten Saison 2011/12. Dass Keeper Marc-André ter Stegen den Klub im Sommer verlassen wird, dürfte kaum Probleme bringen – immerhin geht er wohl nach Barcelona, das kann man verzeihen.

Prognose: Für Europa reicht es sicher, vermutlich streitet man sich mit Wolfsburg um Platz 4.

Borussia Dortmund – Platz 4, 32 Punkte, 38:20 Tore

Wenn Bayer Leverkusen am Ende der Hinrunde geschwächelt hat, dann hatte Borussia Dortmund einen Absturz mit vier Pleiten aus den letzten sechs Spielen. Die Verletzten allein werden selbst im Klub nicht als Grund für die Krise anerkannt. Immerhin leert sich das Lazarett allmählich, auch wenn jede Prognose über die Rückkehr von Ilkay Gündogan wie eine reine Lotterie erscheint. Die Testspielresultate waren positiv, wenngleich Trainer Jürgen Klopp immer noch Aggressivität und Gier vermisst. Manchmal scheint es, der BVB würde auch dann noch auf Konter setzen, wenn kein Platz zum Kontern ist. Trotzdem ist die Mannschaft stark genug, um taktisch wie mental eine Lösung zu finden. Abgesehen davon klagt man auf hohem Niveau: In der Hinrunde haben sich nicht mal die Bayern so viele Chancen erspielt wie der BVB.

Prognose: Direkte Champions-League-Qualifikation.

VfL Wolfsburg – Platz 5, 30 Punkte, 28:19 Tore

Fast konnte man in der Winterpause den Eindruck gewinnen, in Niedersachsen würde sich ein zweiter FC Bayern erheben, der alles niederwalzt (bis auf den originalen FC Bayern). Dabei hat der VfL bis zum Winter „nur“ eine seiner Kaderstärke angemessene Saison gespielt und vor wenigen Tagen mit Kevin de Bruyne ein – zugegebenermaßen sehr teures – Offensiv-Talent gekauft. Eben dieser de Bruyne hat das vergangene halbe Jahr vorwiegend auf der Ersatzbank des FC Chelsea verbracht. Dass er den VfL gleich zur Nummer zwei in Deutschland macht, scheint ausgeschlossen. Auch die gesamte Mannschaft muss sich erst auf dem Niveau des Herbstes stabilisieren. Dennoch: Das Fundament ist gut, mit Wolfsburg ist zu rechnen.

Prognose: Platz 4 bis 7.

Hertha BSC – Platz 6, 28 Punkte, 27:20 Tore

Die Hinrunde der Berliner war für einen Aufsteiger schlichtweg herausragend. Parallelen zur Frankfurter Eintracht aus dem Vorjahr drängen sich auf. Für die SGE hat es seinerzeit am Saisonende zu Platz sechs gereicht. Diese Ambition hat man in Berlin nicht, doch bei einem 14-Punkte-Polster auf Platz 16 kann man befreit in die Rückrunde starten und erneut alle überraschen. Wären da nicht die Symptome des Überraschungserfolgs: Leistungsträger wie Elf-Tore-Mann Adrian Ramos pokern um ihren Vertrag, andere nehmen vielleicht ein paar Prozentpunkte raus – und schon könnte die Gesamt-Entwicklung wieder ins Negative umschlagen. Vorsicht ist bereits geboten: Die Vorbereitung verlief ohne Sieg in drei Spielen. Ein (traditionell) schlechter Rückrundenstart, und sofort wäre die Unruhe wieder da.

Prognose: Hertha stabilisiert sich und landet im Mittelfeld.

FC Schalke 04 – Platz 7, 28 Punkte, 32:28 Tore

Ruhig ist es auf Schalke nie. Die Winterpause bildete da trotz der „Arbeitsplatzgarantie“ (hüstel) für Trainer Jens Keller keine Ausnahme. Die nicht enden wollende Spekulationen um Zugänge (Holtby?) und Abgänge (Draxler?, Jones?) dominierten die Schlagzeilen – ohne dass unter dem Strich irgendetwas passiert ist. Hinzu kommt die Verletztenmisere: Acht Spieler sind aktuell im Krankenstand oder in der Reha. Die miesen Generalproben gegen Zweitligist Köln (1:2) und Viertligist Oberhausen (0:1) haben dafür gesorgt, dass die Stimmung gleich wieder im Keller ist (nochmals hüstel).

Prognose: Auf Schalke herrscht Explosionsgefahr. Der Europapokal wird nur erreicht, wenn der Start gelingt und endlich einmal Ruhe einkehrt.

FC Augsburg – Platz 8, 24 Punkte, 21:25 Tore

Nach der mit Abstand besten Hinrunde seiner immerhin dreijährigen Bundesliga-Geschichte geht der FCA entspannt wie nie in die Rückrunde. Mit aggressivem Konterfußball hat die Weinzierl-Elf so manchen Favoriten zum Verzweifeln gebracht. Rückkehrer Dong-Won Ji und Alexander Esswein stellen den Kader noch einmal breiter auf. In dieser Saison sollte man mit dem Abstiegs nichts mehr zu tun bekommen. Es droht allerdings der „Fluch der guten Tat“: Leistungsträger wie André Hahn stehen schon jetzt bei größeren Klubs auf dem Einkaufszettel.

Prognose: Sorgenfreier Einlauf im Mittelfeld.

FSV Mainz 05 – Platz 9, 24 Punkte, 25:31 Tore

Einem starken Saisonstart mit drei Siegen folgten fünf Pleiten in Folge. Die anschließende Reifeprüfung hat die junge Elf mit Bravour bestanden und sich im oberen Mittelfeld festgesetzt. Nun hat der FSV auf dem Winter-Transfermarkt die Schürrle-Millionen verprasst und mit Ja-Cheol Koo (fünf Millionen Euro) und Todor Nedelev (drei Millionen Euro) weitere Optionen geschaffen. Die Elf von Thomas Tuchel ist weiterhin entwicklungsfähig.

Prognose: Mittelfeld.

VfB Stuttgart – Platz 10, 19 Punkte, 29:31 Tore

Mit dem VfB beginnt tabellarisch die Zone der Abstiegskandidaten. Fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz sind kein Ruhekissen. Dabei hat die Mannschaft durchaus großes spielerisches Potenzial. Nur hat sie es zu selten abgerufen. Der VfB spielt allerdings traditionell eine starke Rückrunde. Die Elf von Thomas Schneider kann in allen Belangen noch zulegen, und das wird sie auch. Der Rückstand auf die vorderen Plätze ist allerdings bereits zu groß, um noch einmal anzugreifen.

Prognose: Stuttgart robbt sich an die Europa-League-Plätze heran, erreicht sie aber nicht.

Werder Bremen – Platz 11, 19 Punkte, 22:37 Tore

Das Beste an der Bremer Hinrunde war noch die Platzierung nach dem 17. Spieltag. Die Defensivprobleme sind weiterhin ungelöst. Die Suche nach Verstärkungen verlief bislang ergebnislos, in beiden Testspielen blieb man torlos. Hinzu kommen Verletzungsprobleme (Clemens Fritz), ständige Wechselgerüchte (Hunt, Ekici, Elia) und die Dauer-Diskussion um die Torhüter-Position. Ruhe dürfte an der Weser zunächst nur einkehren, wenn der Start gegen Braunschweig und in Augsburg gelingt. Das war allerdings in der Hinrunde auch der Fall, ohne dass die Stille lange vorhielt.

Prognose: Abstiegskampf bis zum Schluss.

1899 Hoffenheim – Platz 12, 18 Punkte, 36:38 Tore

Vorne hui, hinten pfui. Die TSG verspricht in jedem Spiel Spektakel. Toll für den neutralen Zuschauer, schlecht für jeden Trainer. Die vier Testspielsiege gegen nicht-gleichwertige Gegner sollte man nicht zu hoch hängen. Fakt ist aber, dass im Kraichgau so viel Ruhe herrscht wie lange nicht. Die junge Gisdol-Elf wird davon profitieren. Leistungsträger wie Kevin Volland oder Roberto Firmino können sich zudem für höhere Aufgaben empfehlen (Nationalmannschaft, Wechsel zu einem Top-Klub). Und Motivation ist oft der beste Treibstoff. Allerdings hat auch Hoffenheim eine Torwart-Diskussion, die nur durch stabilere Defensivleistungen abklingen wird.

Prognose: Die Mannschaft hat aus der Vorsaison gelernt, als es nach dem Winter steil bergab ging. Hoffenheim verbessert sich um ein paar Plätze, landet im Mittelfeld.

Hannover 96 – Platz 13, 18 Punkte, 23:31 Tore

Die Heimstärke ist geschwunden, die Auswärtsschwäche ist geblieben. Da wurde es auch für einen Top-Trainer wie Mirko Slomka eng. Der erfolgreichste Coach der Klubgeschichte soll letztlich aber nicht an selbst, sondern an der fehlenden Akzeptanz seines Trainerstabs bei der Mannschaft gescheitert sein. Mit dem neuen Trainer Tayfun Korkut scheinen die Spieler gleich warm geworden zu sein. Wie lange die durchweg lobenden Worte Bestand haben, werden die nächsten Wochen zeigen. Der Deutsch-Türke muss gleich „zünden“, damit der Abstiegskampf nicht doch noch zum ernsten Thema wird. Hilfreich wäre, wenn Dauer-Diskussionen wie die um Mame Diouf mit dem Ende des Wechselfensters endlich beigelegt würden.

Prognose: Vom Gewinner der Rückrunde bis zum Überraschungs-Absteiger muss man 96 alles zutrauen.

Hamburger SV – Platz 14, 16 Punkte, 33:38 Tore

Der Trainer ist bereits gewechselt (mit mäßigem Erfolg). Im Umfeld rumort es trotz des Mitgliedervotums für eine neue Vereinsstruktur immer noch erheblich. Die permanenten Vertrags-Wasserstandsmeldungen bei Lasogga, Calhanoglu oder Jansen erzeugen unnötig Reibung. Die Neuzugänge Ola John und Ouasim Bouy dürften der Mannschaft erst nach Anlaufzeit weiterhelfen. Der Fußball stört da eigentlich nur… Wenn der HSV es nicht schafft, den Laden in der Rückrunde zusammenzuhalten und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, könnte es eine ähnliche Saison werden wie 2011/12. Damals profitierte man davon, dass sich drei Teams noch dümmer angestellt haben. Immer geht das nicht gut.

Prognose: Der HSV streitet sich mit seinem Lieblingsfeind Werder Bremen und ein paar anderen Teams um den Klassenerhalt.

Eintracht Frankfurt – Platz 15, 15 Punkte, 20:29 Tore

Die Leistungen der Vorsaison hat die Eintracht nur noch in der Europa League abgerufen. Besonders in Bundesliga-Heimspielen hat die Elf von Armin Veh viele unnötige Punkte verloren. Das ist einerseits ärgerlich, zeigt aber auch das Potenzial der Truppe. Anders als im Abstiegsjahr 2011 weiß dieses Mal jeder, was die Stunde geschlagen hat. Das Umfeld ist ruhig, vertraut auf den Trainer und die Fähigkeiten der Mannschaft. Frankfurt kann sich da unten befreien.

Prognose: Unteres Mittelfeld.

SC Freiburg – Platz 16, 14 Punkte, 16:31 Tore

Vom „Fluch der guten Tat“ war keine Mannschaft in dieser Saison so betroffen wie der SC. Die tolle Vorsaison mit der Europa-League-Qualifikation hat die üblichen Folgen gezeitigt: Verlust vieler Leistungsträger, erzwungener Neuaufbau der Mannschaft, fehlende Abstimmung wegen der Doppelbelastung. Trainer Christian Streich hatte nun erstmals mehrere Wochen Zeit, um ungestört mit der kompletten Mannschaft taktisch zu arbeiten. Der letzte Test gegen Union Berlin ging mit 0:5 allerdings gewaltig in die Hose. Dem SC kommt zugute, dass niemand in der Vereinsführung aufgrund des Abstiegskampfes nervös wird.

Prognose: Nichts als Abstiegskampf. Psychologischer Vorteil: Freiburg DARF die Klasse halten, Bremen oder der HSV MÜSSEN die Klasse halten.

1. FC Nürnberg – Platz 17, 11 Punkte, 17:33 Tore

Es ist eigentlich ganz einfach mit dem Club: Irgendwann muss der erste Sieg der Saison her. Gelingt der Dreier an einem der ersten Rückrunden-Spieltage, könnte sich eine Blockade lösen. Geht alles so weiter wie in der Hinrunde, dürfte das leicht entflammbare Umfeld es der Mannschaft bald doppelt schwer machen. Die hat zwar in der Vorbereitung mit drei Siegen aus drei Spielen überzeugt, muss allerdings auch die verletzungsbedingten Ausfälle von Emanuel Pogatetz und Makoto Hasebe verkraften. Die Offensive ist zu wenig durchschlagskräftig, Verstärkungen sind ausgeblieben.

Prognose: Gut starten und womöglich bleiben. Schlecht starten und zum achten Mal absteigen.

Eintracht Braunschweig – Platz 18, 11 Punkte, 10:32 Tore

Der Sieg zum Hinrunden-Kehraus gegen Hoffenheim hat dem Aufsteiger noch einmal Hoffnung gegeben. Bei nur vier Punkten Rückstand auf Platz 15 ist natürlich noch alles drin. Doch weil der Klub sich (vernünftigerweise) nicht finanziell übernehmen möchte, wurde die Mannschaft auch im Winter qualitativ nicht nennenswert verstärkt. Neu-Angreifer Havard Nielsen gilt zwar als hochveranlagt, doch der 20-Jährige war auch bei Red Bull Salzburg nicht mehr als ein Joker. Braunschweig kann die Klasse nur als Team und in der Gewissheit halten, dass man nichts zu verlieren hat. Dafür muss aber mehr Konstanz her als in der ersten Saisonhälfte.

Prognose: Das Abenteuer Bundesliga endet bereits wieder nach der Saison.

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