«

»

Apr
21

Super-League-Aus: Am meisten freut sich die UEFA

Die schnelle Implosion der Super League lässt die Fußballfans weltweit wieder an ihren Einfluss glauben. Eine geschlossene Eliteklasse der Superreichen ist noch einmal verhindert worden – zumindest vorläufig. Doch ist die reformierte Champions League, die ab der Saison 2024/25 kommt, so viel besser?

Es ist keine Woche her, da liefen Fanorganisationen und Fußballromantiker Sturm gegen die Pläne der UEFA – die „neue“ Champions League müsse verhindert werden! Um jeden Preis! Sonntagnachmittag dann sickerte durch, dass im Hintergrund eine noch größere Bedrohung für die DNA des Fußballs – das Leistungsprinzip – heraufzieht: eine Super League. Seit der Ankündigung der Gründung mit zwölf Klubs aus der ersten Garde des europäischen Fußballs wenige Stunden später gab es mit einem Mal ein neues Feindbild. Es war eine Revolution, die einen Tsunami auslöste.

Fans riefen nicht nur zum Protest auf, sondern gingen auf die Barrikaden gegen die abtrünnigen Vereine. Spieler und Trainer kritisierten das windige Konstrukt. Besonders im England, dem Mutterland des Fußballs, in dem das Spiel in der Arbeiterklasse ihren Ursprung hat und trotz der Mega-Kommerzialisierung der Premier League immer noch der Lieblingssport des Volkes ist. Im Hintergrund beschloss die UEFA-Exekutive derweil nahezu abseits der öffentlichen Wahrnehmung ihre umstrittene und nun fast vergessene Reform, die vor allem den großen Vereinen nützt – ist das tatsächlich ein Zufall?

Der Umstand, dass die Sache mit der Super League ziemlich aus dem Ruder gelaufen ist, dass bei Manchester United etwa Vize Ed Woodward zum Jahresende seinen Hut nehmen muss, dass Juventus Turins Vereinsboss Andrea Agnelli seinen hohen Posten im Kontinentalverband und als Vorsitzender der Klubvereinigung ECA aufgegeben hat, um in der Sackgasse zu enden, sprechen gegen eine solche Inszenierung.

Die Sache stinkt irgendwie

Doch unter dem Strich bleibt: Die UEFA hat ihre Reform bekommen. Und sie ist mitnichten nun der böse Bube, sondern geht sogar noch mit einer Imagepolitur aus der Sache hervor. Das alles riecht zumindest komisch.

Die Abtrünnigen – namentlich Manchester United, Manchester City, FC Liverpool, FC Chelsea, FC Arsenal, Tottenham Hotspur, AC und Inter Mailand, Juventus Turin, FC Barcelona, Real und Atletico Madrid – kehren nun in die UEFA-Familie zurück. Mit ein paar Kampfspuren, aber ohne nachhaltige Konsequenzen fürchten zu müssen.

Sie werden auch weiter gutes Geld in und mit der Champions League verdienen. Genauso wie Bayern München, Borussia Dortmund und Paris St. Germain, die den verlockenden 3,5 Milliarden Euro Startkapital des Super-League-Investors JP Morgan widerstanden haben – und noch dazu nun als aufrechte Klubs dastehen mit Rückgrat und Prinzipien.

Die Schere wird trotzdem weiter auseinandergehen

Das große Geldverdienen wird aber weitergehen. Die Machtverhältnisse in den fünf Topligen sind ohnehin zementiert, ein anderer als einer der 15 genannten Vereine kann kurz- und mittelfristig selbst unter höchst ungewöhnlichen Umständen kaum die Champions League gewinnen. Und die zwei Koeffizientenplätze ab 2024 für große Vereine, die es in ihrer Liga mal ausnahmsweise nicht unter die Top Vier schaffen, sichern das System nur weiter ab. Die Rechnung lautet dann: 36 statt 32 Teams, insgesamt 225 statt 125 Partien – aber mehr Spiele bringen eben auch mehr Geld.

Es mag den Fans ein Gefühl von Macht geben, die Super League gekippt zu haben. Der Fußball wird sich aber auch so immer weiter von seiner Grundidee entfernen.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*