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Okt
10

SV Alsenborn – Kein Dorfverein wie jeder andere

Was haben Fritz Walter und Walter Frosch gemeinsam? Einen Teil ihres Namens, eine Vergangenheit beim 1.FC Kaiserslautern und noch eine viel interessantere gemeinsame Vergangenheit beim SV Alsenborn, einem Dorfverein, der in den späten 1960er Jahren hartnäckig an das Tor zur 1. Fußball-Bundesliga klopfte – gewissermaßen Hoffenheim mit Tradition und in sympathisch.

Enkenbach-Alsenborn (nicht zu verwechseln mit Blaubach-Diedelkopf, der Heimat von Miroslav Klose) ist eine verschlafene kleine Gemeinde, von der es in Rheinland-Pfalz unzählige gibt. Nicht einmal 7.000 Seelen zählen die beiden Ortsteile vor den Toren Kaiserslauterns zusammen. Dafür besitzt Alsenborn ein Fußballstadion, das Platz für 13.000 Menschen bietet. Spätestens an dieser Stelle sollte man stutzig werden: Irgendetwas muss es mit diesem Flecken Erde auf sich haben.

Wahlheimat des großen Fritz

Zunächst einmal war Alsenborn fast ein halbes Jahrhundert lang der Wohnort von Fritz Walter. Der Kapitän der Weltmeister-Mannschaft von 1954 ließ sich hier auf einem 5.000 Quadratmeter großen Grundstück nieder, baute einen Bungalow mit Swimming Pool und lebte hier bis zu seinem Tod im Jahre 2002.

Drei Jahre nach dem Ende seiner Spielerkarriere übernahm Fritz Walter im Jahr 1962 auch das Traineramt beim ortsansässigen SV Alsenborn. Später fungierte er auch als Berater und lockte mit seinem Namen Sponsoren in das Dörfchen. In dieser Zeit erlebte der Verein eine Blüte: 1965 stieg man in die Regionalliga Südwest auf, welche vor der Einführung der 2. Fußball-Bundesliga zusammen mit vier anderen Regionalligen die zweithöchste deutsche Spielklasse bildete.

Kleiner Verein (fast) ganz groß

In den Jahren 1968 bis 1970 belegte der kleine SVA sogar den ersten Platz in der Liga und durfte an der Aufstiegsrunde zur 1. Fußball-Bundesliga teilnehmen. Bei allen drei Anläufen belegte man den dritten Platz von fünf Mannschaften und scheiterte jeweils knapp daran, sich mit den Größen des deutschen Fußballs messen zu dürfen, die damals noch 1.FC Köln, 1860 München, Eintracht Braunschweig oder Borussia Mönchengladbach hießen.

Alsenborn ereilte schließlich das Schicksal der meisten kleinen Vereine, die einmal Höhenluft schnuppern durften: Die besten Spieler wurden von größeren Clubs weggekauft. Allein zwischen 1967 und 1970 musste der SVA 31 Akteure ziehen lassen, darunter Angreifer Lorenz Horr, der 1969 für die damals beachtliche Ablösesumme von knapp 350.000 DM zu Hertha BSC wechselte, wo er in den folgenden acht Jahren 75 Bundesliga-Treffer erzielte.

Mein Gott, Walter

Nach diesem Ausverkauf waren die Zeiten vorbei, in denen man um den Bundesliga-Aufstieg spielte – obwohl immer noch große Spieler zum Verein stießen, wie Walter Frosch im Jahr 1970. Die kettenrauchende Kultfigur der Siebziger blieb dreieinhalb Jahre in Alsenborn, ehe er im Winter 1973/74 sowohl beim 1.FC Kaiserslautern als auch beim FC Bayern München einen Vertrag unterschrieb. Der DFB sperrte Frosch daraufhin für vier Monate und entschied, dass er nach Kaiserslautern zu wechseln habe. Schade eigentlich: Walter Frosch an der Seite von Franz Beckenbauer wäre eine interessante Vorstellung gewesen. Auch den Landesmeister-Pokal, der knapp 15 Liter fassen soll, hätte Frosch in besten Tagen alleine leeren können. Sei’s drum…

Mit Frosch gingen auch die letzten Hoffnungen auf großen Fußball. Ab 1974 spielte man nur noch in der dritthöchsten Spielklasse, nachdem man die sportliche Qualifikation für die neu eingeführte 2. Fußball-Bundesliga erreicht hatte, aber die wirtschaftlichen Auflagen nicht erfüllen konnte. Dann setzte der freie Fall ein. Zwölf Jahre lang spielte der Verein zwischenzeitlich sogar nur in der Kreisliga. Immerhin: 2011/12 gelang durch den ersten Platz in der Kreisliga Kaiserslautern-Donnersberg-Süd der Aufstieg in die Bezirksliga Westpfalz. 13.000 Menschen dürften aber schon lange nicht mehr im „Stadion Kinderlehre“ gewesen sein.

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