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Nov
13

Tach Herr Völler! Sollen wir lieber gegen Malta oder Lettland testen?

Rudi Völler hat neulich gezeigt, wie man aus keinem Thema ein Thema macht: Der frühere DFB-Teamchef kritisierte die Ansetzung des „unbedeutenden“ Freundschaftsspiels Niederlande – Deutschland in der aktuellen Saisonphase. Dem heutigen Sportdirektor von Bayer Leverkusen wäre zum Jahresausklang ein lauer Kick gegen einen unbedeutenden Gegner, bei dem Jogi Löw nur eine B-Elf aufbietet, lieber gewesen als ein Prestige-Duell gegen den Nachbarn. Dabei sollte gerade Völler es eigentlich besser wissen.

Waren das üble Zeiten, als die deutsche Nationalmannschaft alle Nase lang gegen zweit- bis drittklassige Fußballnationen spielte – und zwar nicht in der EM- oder WM-Qualifikation, wo es an den „Kleinen“ der Fußballwelt kein Vorbeikommen gibt, sondern “freiwillig“. In der Ära Vogts etwa testete man in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 1998 gegen “Granaten“ wie Saudi-Arabien oder den Oman. Unter Erich Ribbeck hießen die Gegner in Testspielen u.a. USA, Kolumbien, Schottland und Norwegen. Auch an einer (sportlich erfolglosen) Teilnahme am Confed-Cup 1999 kam der deutsche Fußball nicht vorbei. Der Grund für “Knaller-Spiele“ dieser Art war, dass der DFB im Kampf um die Ausrichtung der WM 2006 auch in entlegenen Winkeln der Erde auf Stimmenfang gehen musste.

Doch selbst nach der Vergabe des Turniers nach Deutschland im Juli 2000 war nicht Schluss mit den Freundschaftsspielen gegen „Kleinkaliber“. Auch Ruuuuuuuuudi Völler himself musste als Verantwortlicher der Nationalelf das eine oder andere „Prestigeduell“ gegen Kleine spielen. Wobei das so natürlich nicht stimmt: Der Satz „Es gibt keine Kleinen mehr“ wurde schließlich von keinem Bundestrainer häufiger bemüht als von Völler. Also ging es zwischen 2000 und 2004 halt in aller Freundschaft u.a. gegen die Slowakei, Ungarn, Israel, Wales, Bulgarien oder Kanada. Diese Spiele haben die Nationalmannschaft gewiss mit zum dem gemacht, was sie 2004 war: Eine mittelmäßige Kraft auf dem Kontinent, die sich bei der Europameisterschaft gegen Lettland zu einem 0:0 mühte und gegen die B-Elf Tschechiens mit 1:2 verlor…

Nur Spiele gegen starke Gegner bringen eine Mannschaft weiter

Anfang und Mitte der 2000er Jahre wurde mehr als einmal gefordert, dass man doch häufiger gegen Italien, Argentinien, Brasilien, Frankreich oder die Niederlande testen möge. Immerhin würden nur solche Partien die Spieler weiterbringen. In der Qualifikation zu Welt- und Europameisterschaften war die Konkurrenz schließlich ein bis zwei Nummern kleiner, und nur anhand von zwei oder drei Spielen gegen Top-Nationen im Zwei-Jahres-Rhythmus konnte kaum ein Spieler wachsen.

Also hat der DFB in der Ära Löw vermehrt darauf verzichtet, die weißen Flecken auf dem Globus abzuarbeiten und stattdessen Spiele gegen Top-Ten-Nationen zum Regelfall gemacht. Allein zwischen 2010 und 2012 kreuzte man in aller Freundschaft mit Argentinien, Italien, Brasilien, Uruguay, Frankreich oder Holland die Klingen. Für den Februar 2013 ist bereits ein weiterer Test gegen Frankreich verabredet, Anfang 2014 spielt man gegen Italien. Weitere Testes gegen Hochkaräter sind nicht ausgeschlossen.

Natürlich kann man darüber diskutieren, dass der November-Termin suboptimal für ein Freundschafts-Länderspiel ist. Aber das schlechte Timing beklagen die Vereine auch im Februar oder im August. Aber wenn der Weltverband zu diesen Terminen nun einmal Freundschafts-Länderspiele ansetzt, warum sollte man dann nicht gegen die Besten spielen? Ich würde so etwas als sinnvolle Nutzung von Pflichtterminen bezeichnen. Und darüber kann es eigentlich keine zwei Meinungen geben. Oder würdet ihr am Mittwoch den Fernseher einschalten, wenn Deutschland mit einer erweiterten U21 gegen Georgien, Lettland oder Malta spielen würde?!

P.S.: Zumindest im August wird das “Geheule“ der Vereine künftig ausbleiben. Ab 2013 gibt es keine Länderspiele mehr in der frühesten Phase der Saison (wie so oft) bzw. in der Saisonvorbereitung (wie 2012).

P.P.S.: Am Ende hat Völler doch fast seinen Willen bekommen. Acht deutsche Nationalspieler haben für Mittwoch krankheits- oder verletzungsbedingt abgesagt. Leverkusens Stefan Kießling, der von Völler zuletzt öffentlich gepusht wurde, ist übrigens immer noch nicht nachnominiert…

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