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Jul
06

Teamcheck Brasilien – ohne Neymar mit dem Extrakick?

Das WM-Halbfinale Deutschland – Brasilien hat den Charakter eines vorweg genommenen Endspiels. Auch ohne ihren verletzten Superstar Neymar ist die Selecao ein harter Brocken. Die Stärken und Schwächen der Brasilianer im Teamcheck.

Das bisherige Turnier

Kurz und bündig: Glanzlos, aber erfolgreich. Beim 3:1 im Eröffnungsspiel gegen Kroatien ebneten ein genialer Neymar und eine Schiedsrichter-Fehlentscheidung den Sieg. Beim schwachen 0:0 gegen Mexiko biss sich der Gastgeber an Tri-Keeper Ochoa die Zähne aus. Selbst das 4:1 gegen zerstrittene Kameruner offenbarte, dass Brasilien außer dem Schema „Ball zu Neymar und abwarten was passiert“ wenig zu bieten hat. Im Achtelfinale gegen Chile (4:3 nach Elfmeterschießen) und im Viertelfinale gegen Kolumbien (2:1) hatte Brasilien auch dank toleranter Schiedsrichter, die ihre Karten bei sich behielten, das Glück auf seiner Seite – wenngleich das Foul des Kolumbianers Cuniga an Neymar ebenfalls fernab der Sportlichkeit war.

Die Stärken

Die größte Stärke Brasiliens ist nicht – wie eigentlich vom Anbeginn des Fußballs an – die Brillanz in der Offensive. Stattdessen lebt die Selecao von einem 200-Millionen-Einwohner-Volk im Rücken, von einer immensen Leidenschaft und von einer durchaus physischen bis rustikalen Spielweise.

Die Schwächen

Offensiv fand Brasilien im Turnierverlauf aus dem Spiel heraus eigentlich nur über Neymar statt. Selbst die Standards, bei denen das Weltklasse-Innenverteidigerduo Thiago Silva (ein Tor; gegen Deutschland gelbgesperrt) und David Luiz (zwei Tore) brandgefährlich waren, wurden in der Regel durch den Superstar getreten, der aufgrund eines Lendenwirbelbruchs bei dieser WM nicht mehr eingesetzt werden kann.

Der Faktor Neymar

Ohne den besten Spieler, den nationalen Hoffnungsträger, scheint Brasilien offensiv harmloser und damit schlagbarer denn je zu sein. Allerdings besteht aus deutscher Sicht die Gefahr, dass Neymars Mitspieler durch das Fehlen des „Alibi-Spielers“ über sich hinauswachsen. Dazu kommt, dass die Fans als Trotzreaktion nun noch mehr wie ein Mann hinter der Selecao stehen werden.

Der Faktor Thiago Silva

Thiago Silva ist ohne Zweifel ein Weltklasse-Verteidiger. Seine unnötige zweite gelbe Karte aus dem Kolumbien-Spiel schwächt Brasilien im Abwehrzentrum. Der PSG-Profi ist aber zu ersetzen. Dante von Bayern München, der ihn ersetzen dürfte, reicht an einem guten Tag fast an das Niveau des Kapitäns heran.

Der Trainer

Luiz Felipe Scolari hat Brasilien 2002 den fünften und bislang letzten WM-Titel beschert. Schon damals ließ er ungewohnt defensiv agieren, hatte in Ronaldo, Rivaldo und Ronaldinho aber drei Offensivkünstler der absoluten Weltklasse zur Verfügung. Diese Qualität besitzt der aktuelle Kader nicht. „Felipao“ kompensiert diesen Makel, indem er vom Prinzip des schönen Spiels („Joga Bonito“) abgewichen ist und die Partien über die Defensive zu gewinnen versucht. Führt er das Land mit dieser Methode zum Titel, wird hinterher mehr niemand mehr nach dem „Wie“ fragen.

Die Vorgeschichte

Acht der bisherigen 19 Weltmeisterschaften wurden von Brasilien und Deutschland gewonnen – und doch haben beide Nationen erst einmal bei einem Weltturnier die Klingen gekreuzt. Im Finale der WM 2002 in Yokohama war Deutschland sogar spielerisch besser, ausgerechnet der bis dato überragende Keeper Oliver Kahn verschuldete aber das 0:1 durch Ronaldo, der wenig später nachlegte und das Spiel entschied.

Auch die Gesamtbilanz aus deutscher Sicht ist alles andere als rosig: In 21 Vergleichen gewann Deutschland nur viermal, bezog aber zwölf Pleiten. Zumindest der letzte Vergleich ging an die DFB-Elf: Beim 3:2 im August 2011 in Stuttgart war das Löw-Team überlegener als es das Ergebnis aussagt. Allerdings hat Deutschland die Selecao bislang auch nur auf heimischem Boden schlagen können.

Prognose

Gegen Frankreich hat Deutschland eine immense Geschlossenheit an den Tag gelegt. Diese braucht es bei aller Klasse der Spieler, um in der Endphase eines großen Turniers bestehen zu können. Brasilien ist ohne Neymar eindeutig geschwächt und dürfte dies durch Körperlichkeit kompensieren. Es ist daher nicht auszuschließen, dass die Deutschen „brasilianisch“ und die Brasilianer „deutsch“ spielen. Da gilt es, ruhig zu bleiben und die größere Klasse auszuspielen. Gelingt das, packt Deutschland zum achten Mal den Sprung ins Finale. Tipp: 2:1 nach Verlängerung.

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2 Pings

  1. Brasilien vs. Deutschland: Ohne Neymar mit dem Extrakick? - WM 2014 sagt:

    […] [Originalartikel zu erst erschienen auf http://www.aktives-abseits.de] […]

  2. Brasilien vs. Deutschland: Ohne Neymar mit dem Extrakick? | Nationalelf.org sagt:

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