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Sep
28

Technischer Bericht der UEFA: So war die EURO 2012

Nach großen Turnieren ist es üblich, dass sämtliche Spiele noch einmal von einer Expertenrunde unter die Lupe genommen werden. Zur achtköpfigen Technischen Kommission bei der EURO 2012 gehörten u.a. die Trainer-Legenden Fabio Capello und Gerard Houllier. Hier sind ihre wesentlichen Erkenntnisse.

  • 22 der 76 Tore (28,9%) bei der EURO 2012 wurden per Kopf erzielt – das ist EM-Rekord. Erklärung der Technischen Kommission für Vielzahl an Kopfballtoren: „Kompakt stehende Abwehrreihen im Zentrum bewirken ein Ausweichen auf die Flügel.“
  • Deutlich mehr Kopfballtore wurden über den rechten als über den linken Flügel vorbereitet (10:3). Erklärung: Die Position des Linksverteidigers ist nach wie vor international eine Problemstelle.
  • Nur 16 Treffer fielen nach Standards (Ecken, direkte und indirekte Freistöße, Einwürfe, Strafstöße). 21 Treffer fielen nach Hereingaben vom Flügel, 15 nach Steilpässen. Bemerkenswert: Nur vier Tore fielen nach eklatanten Abwehr- oder Torwartfehlern.
  • Der Einfluss des Konters schwindet: Bei der EURO 2012 fielen nur 25 Prozent aller Tore nach einem Konter, 2008 waren es noch 46 Prozent. Auch in der Champions League sinkt die Quote der Kontertore seit Jahren. Viertelfinalist Tschechien war die erfolgsreichste Kontermannschaft, erzielte drei von vier Toren aus Gegenstößen. Sofortiger Druck auf den ballführenden Spieler, taktische Fouls zur Unterbrechung des Spielzugs sowie der Verbleib von vier bis sechs Spielern hinter dem Ball als Präventivmaßnahme während eines Angriffs seien die Gründe für die schwindende Effektivität des Konters.
  • Vor allem bei den Spitzennationen geht der Trend eindeutig zum „falschen Flügel“, also Linksfüßern auf rechts und Rechtsfüßern auf links. Zum Aufgabenbereich der zumeist einzigen Sturmspitze gehört es daher mittlerweile auch, Räume für die nach innen ziehenden Flügelspieler zu schaffen. Der eigene Torabschluss verliert dadurch an Bedeutung. Ein Grund mehr, warum man Stürmer nicht nur an Toren messen sollte.
  • 12 der 16 Mannschaften spielten bevorzugt in der Grundordnung 4-2-3-1 (bzw. 4-2-4-0, wie die Spanier). Lediglich England, Irland, Schweden und Italien setzten mehrheitlich auf ein 4-4-2, wobei die Italiener auch ein 3-5-2 in petto hatten.
  • Abgesehen von den Iren, lagen alle Mannschaften über dem Pass-Durchschnitt von der EURO 2008, der bei 450 Pässen pro Spiel lag. Im Vorrundenspiel gegen Irland spielten die Spanier sogar 929(!) Pässe. Aber Ballbesitz ist nicht alles: Die Niederlande und Russland verpassten trotz 56% Ballbesitz (Platz zwei gemeinsam mit Deutschland, hinter Spanien) in ihren Vorrundenspielen das Viertelfinale.
  • Der Europameister ist auch der Abseits-König: 41 Mal stellten die Spanier ihre Gegner abseits, Vize-Europameister Italien gelang dies 30 Mal, Halbfinalist Deutschland 24 Mal.
  • Ballermann des Turniers war Cristiano Ronaldo: Der Portugiese feuerte 35 Schüsse ab, von denen 15 auf das Tor kamen. Drei Treffer sprangen dabei heraus.
  • Die heißesten Handschuhe hatte Joe Hart. Der englische Keeper wehrte 22 Schüsse ab, 3 Mal musste er den Ball passieren lassen. Manuel Neuer bekam wenig auf sein Tor (16 Schüsse, also nur 3,2 pro Spiel), aber wenn, dann war kaum etwas zu machen: 6 Mal hatte Neuer das Nachsehen.

Den kompletten Bericht gibt es auf der Seite der UEFA zum Gratis-Download als PDF:
http://de.uefa.com/MultimediaFiles/Download/TechnicalReport/competitions/EURO/01/86/72/09/1867209_DOWNLOAD.pdf

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