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Sep
28

The Big Sam Theory – wie blöd kann ein Trainer sein

Die Torheit von Sam Allardyce wirkt wie eine Realsatire, seine Entlassung als englischer Nationaltrainer ist nur folgerichtig. Dennoch sei eine Frage erlaubt: Wie blöd und habgierig ist „Big Sam“ eigentlich?

Joachim Löw schaut in Gesprächssituationen oft nach unten, er lässt das Mikrofon in seiner Hand tänzeln, zieht tief Luft durch die Zähne ein und antwortet dann spröde, aber abgeklärt. So kennt man den Bundestrainer aus TV-Interviews, genauso vorsichtig und protokolltreu gibt sich der Weltmeister-Coach bei jedem Auftritt außerhalb seines innersten Zirkels. Es mag hypothetisch sein, doch ein Fauxpas-Feuerwerk wie das seines (mittlerweile entlassenen) englischen Amtskollegen Sam Allardyce wäre Löw wohl nicht passiert.

Man darf sich ernsthaft fragen, was Allardyce (61) geritten hat! Habgier? Arroganz? Oder war es ganz schlicht Dummheit? Der als Tausendsassa bekannte „Big Sam“ hatte erst Ende Juli sein großes Ziel erreicht, als er zum englischen Nationaltrainer berufen wurde. Mit einem Eigentor ist alles verloren.

Zuvor hatte er sich jahrelang als Trainer von Premier-League-Mittelklasseklubs wie Bolton, West Ham oder Sunderland durchgeschlagen, während die Top-Klubs wie Chelsea, Arsenal oder Manchester City lieber auf schillernde Trainer vom Festland setzten. Doch plötzlich war Allardyce der umjubelte Hoffnungsträger des Mutterlands des Fußballs, für das es nach dem blamablen Achtelfinal-Aus bei der EM gegen Island kaum tiefer gehen konnte. Für viele Trainer so etwas wie der Hauptgewinn – für einen wie Allardyce das Größte, was er erreichen konnte.

Hochmut und Habgier kommen vor dem Fall

Mit einem geschätzten Jahressalär von rund vier Millionen Euro ließ der englische Verband FA seinen obersten Fußballlehrer auch gewiss nicht verhungern. Der hielt es dennoch für eine gute Idee, zusätzlich knapp 500.000 Euro durch eine geheime Beratertätigkeit für ihm unbekannte Investoren aus Ostasien einzuheimsen. Das Problem: Er ging dabei Journalisten des Daily Telegraph auf den Leim.

Den „Asiaten“ erzählte er vor versteckter Kamera, wie man am besten die Transferregelungen der FA umgeht. Einmal in Plauderlaune, machte sich Allardyce unter anderem noch über seinen Vorgänger Roy Hodgson und über Verbandspräsident Prinz William, immerhin die Nummer zwei der britischen Thronfolge, lustig.

Was einem als Nobody nach dem fünften Pint in einem Pub schon mal passieren kann, sollte sich für den Trainer der Three Lions aber zu jeder Zeit und in jedem Zustand verbieten. Und zwar nicht nur aus Gründen des Anstands, sondern auch deswegen, weil im modernen Zeitalter des maßlos überhypten Fußballs dank Kamera-Handys und Social Media Fallstricke an jeder Ecke warten.

Eriksson lässt grüßen

Es ist ja nicht so, dass es keine Warnung gegeben hätte. Immerhin war bereits für Sven-Göran Eriksson, ab 2001 fünf Jahre lang England-Coach, eine ähnliche Affäre der Anfang vom Ende gewesen. Der Schwede hatte 2006 einem vermeintlichen Scheich Interna aus der Mannschaft gesteckt. Auch dieser war allerdings ein Journalist.

Schwacher Trost für Allardyce: Mit einem Sieg in seinem einzigen Spiel als Trainer der Three Lions (1:0 in der Slowakei) geht er mit einem Punkteschnitt von 3,0 als erfolgreichster Nationalcoach in die Verbandsgeschichte ein. Und wer weiß: Vielleicht erbarmt sich ja zwischen November und Februar der Tabellen-16. bis -19. der Premier League und holt „Big Sam“ an Bord. Bestimmt sogar. Immerhin weiß er, wie man die Transferregeln der FA umgeht…

2 Kommentare

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  1. Fussballmarc sagt:

    unfassbare Geschichte. So jedoch nicht zum ersten mal. War es nicht einst Sörensen, der bereits Reportern auf den Leim ging. Ob diese Artdes Journalismus besonders fair ist, sei in der Beurteilung jedem seblst überlassen. Mir ist es eine Spur zu hart.

  2. Ein Fußballfan sagt:

    Wirklich eine unglaubliche Geschichte. Es ist natürlich gut, dass solche Typen überführt werden, ich stimme Fussballmarc aber zu. Mir kommen da auch Zweifel, ob so eine Art Journalismus wirklich notwendig und vor allem moralisch vertretbar ist.

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