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Apr
07

Tief im Norden (Teil 1) – Der HSV braucht einen Schnitt

Die noch laufende Bundesliga-Saison kennt viele Verlierer, zu ihnen zählen auch der Hamburger SV und Werder Bremen. Die beiden Nordrivalen haben von ihrer Ausrichtung her eigentlich wenig gemeinsam, und doch verbindet sie eine Sache: Beide brauchen einen radikalen Schnitt. Teil 1: „Nur der HSV“.

Sportliche Führung

Der HSV hat hier den Schnitt bereits vollzogen, Visionär Bernd Hoffmann ist mittlerweile weg. Seine Bilanz in acht Jahren als Vorstandsvorsitzender: eine Champions League- und vier UEFA-Cup-Teilnahmen. Das ist beileibe nicht schlecht, aber weit weniger als das, was Hoffmann bei seinem Amtsantritt versprochen hatte („Bis 2010 in die Top Ten Europas“). Davon ist der HSV heute weit entfernt, zumindest sportlich. Was den Spieleretat angeht, spielen die Hanseaten dagegen seit Jahren in der Champions League.

Weiterhin überwarf sich Hoffmann 2009 mit Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Bei dem war zwar auch nicht alles Gold was glänzte, aber „Dukaten-Didi“ stand zumindest für eine gewisse sportliche Kompetenz und ein glückliches Händchen bei Transfers. Seine Demission hinterließ eine Lücke, die nach der Siegenthaler-Farce und dem Reinhardt-Experiment erst mit zweijähriger Verspätung geschlossen wird: Der Däne Frank Arnesen (noch Chelsea London) übernimmt ab dem 1. Juli das Amt des Sportdirektors. In Deutschland ist er ein Unbekannter, in den Niederlanden und in England genießt er aber einen exzellenten Ruf. Zumindest hier scheint der HSV eine Baustelle geschlossen zu haben.

Trainer

Ebenso abträglich für dauerhaften Erfolg war die Fluktuation auf der Trainerposition. Michael Oenning ist bereits der siebte Trainer in vier Jahren. Die einen gingen aus Erfolglosigkeit (Doll, Labbadia, Veh), andere freiwillig (Stevens, Jol). Ob Michael Oenning auch in der kommenden Saison noch auf der Bank sitzen wird, ist fraglich. Unter Bernd Hoffmann wäre das kaum vorstellbar gewesen. Doch wer weiß, ob der neue starke Mann Frank Arnesen da nicht anders „tickt“?

Kader

Auch im (fürstlich bezahlten) Kader muss ein Schnitt her. Der HSV war in den letzten Jahren eine launische Diva, die an schlechten Tagen eine Thekentruppeneinstellung an den Tag legte und wenn sie Lust hatte alles in Grund und Boden spielte.

Immerhin ist der Anfang gemacht: Der 37 Jahre alte Keeper Frank Rost (Spitzname „Frost“), der nie um ein deutliches Wort verlegen war, wird den Verein ebenso definitiv verlassen wie der in die Jahre gekommene Ruud Van Nistelrooy und der maßlos überschätzte Piotr Trochowski. Damit sind schon einmal drei Großverdiener runter von der Gehaltsliste.

Doch für einen echten Neubeginn müssten noch ein paar Spieler folgen. Immerhin werden in der kommenden Saison zum zweiten Mal in Folge keine Europacup-Prämien in die Vereinskasse fließen. Und um neue Spieler verpflichten zu können, muss man eben an den Gehältern sparen oder Akteure verkaufen, für die man eine gute Ablöse abgreift.

Top-Kandidat ist sicherlich „Musterprofi“ Paolo Guerrero, dessen Trefferquote und Einstellung in keinem Verhältnis zu seinem Gehalt steht. Er hat noch drei Jahre Vertrag, scheint aber auch selbst zu einem Wechsel bereit. Doch wer will ihn schon? Im Zweifel ein Premier League-Verein – ob aus England oder Russland sei einmal dahingestellt.

Eljero Elia kokettierte zwar bereits in seinem ersten HSV-Jahr mit einem Wechsel. Doch damals brachte er zumindest noch Leistung. Um seine zweite Saison zu beschreiben, wäre „Stagnation“ noch schmeichelhaft. Ihn sollte man verkaufen, solange Vereine noch bereit sind, um die 15 Millionen Euro Ablöse auf den Tisch zu legen.

Weitere Kandidaten sind die Altstars Zé Roberto und David Jarolim, auch wenn es bei beiden nie an der Einstellung gemangelt hat. Bei beiden wird man keine große Ablöse mehr erzielen können, aber sicherlich ein paar Millionen Euro an Gehalt sparen. Zumindest einen der beiden sollte man aber noch ein, zwei Jahre behalten, um kein komplett neues Korsett bauen zu müssen.

Auch teure Edelreservisten, wie Guy Demel, oder Durchschnittsspieler, wie Eric-Maxim Choupo-Moting oder Robert Tesche, bringen den Verein nicht weiter.

Last but not least: Die „Innenverteidigung“ um Vize-Weltmeister Joris Mathijsen, (Ex-) Nationalspieler Heiko Westermann und Aushilfe Gojko Kacar (Motto: „Ich kenne nur ein Tempo, und das heißt Trab“) ist nicht nur dünn besetzt, sondern benötigt dringend mehr Qualität.

Nur mit Talenten, Mladen Petric und Marcell Jansen (sofern er mal nicht verletzt ist) geht es natürlich auch nicht. Deswegen wird der Umbruch wohl ein paar Jahre dauern. Doch das Motto beim HSV kann nur „Wenn nicht jetzt, wann dann“ lauten. Wenn ein Luxuskader die Saisonziele klar verpasst, wird ein Kader aus billigeren, hungrigeren Spielern das ja wohl kaum schlechter hinbekommen.

Morgen in Teil 2: Werder Bremen

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