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Apr
08

Tief im Norden (Teil 2) – Was tun, Werder Bremen?

Die noch laufende Bundesliga-Saison kennt viele Verlierer, zu ihnen zählen auch der Hamburger SV und Werder Bremen. Die beiden Nordrivalen haben von ihrer Ausrichtung her eigentlich wenig gemeinsam, und doch verbindet sie eine Sache: Beide brauchen einen radikalen Schnitt. In Teil 2 ist Werder Bremen an der Reihe.

Sportliche Führung

Selbst die schlechteste Werder-Saison seit dem Bundesliga-Abstieg 1980 (Wiederholung nach wie vor nicht ausgeschlossen) konnte Präsidium und Aufsichtsrat bislang nicht aus der Ruhe bringen. Geschäftsführer Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf sitzen vor allem aufgrund ihrer Verdienste immer noch relativ fest im Sattel. Es wäre nicht verwunderlich, wenn das auch über die Saison hinaus so bleibt. Werder würde damit ein Musterbeispiel für Kontinuität im Fußball abgeben.

Doch manchmal ist eine Veränderung eben die beste Lösung. Und nach 12 Jahren Klaus Allofs bei Werder Bremen und vielen Erfolgen (Meister 2004, drei Pokalsiege, sechs CL-Teilnahmen) scheint der Zeitpunkt für einen Umbruch günstig. Zumal Allofs seit geraumer Zeit bei Transfers augenscheinlich das Händchen verloren hat. Natürlich kann man nicht immer erwarten, dass neue Spieler dermaßen einschlagen wie einst Pizarro, Micoud, Ismael, Klose, Diego oder Özil (hierzu auch Hut ab vor Allofs). Aber der eine oder andere teure Flop war in all den Jahren eben auch darunter, und das läppert sich auf lange Sicht.

Auch wenn Denni Avdic (2,2 Mio. Ablöse) und Marko Arnautovic (6,5) noch das Gegenteil beweisen können, sind sie Stand heute schlechte Transfers. Hinzu kommen teure Fehleinkäufe, wie Carlos Alberto (7,8) Boubacar Sanogo (4,5) oder Sebastian Boenisch (3,5), aber eben auch viel „Kleinvieh“, wie Dusko Tosic (1,8), Marcelo Moreno (1,5) und viele mehr. Ein weiterer Faktor ist die Stagnation oder gar Rückentwicklung von teuren Spielern, die anfangs Verstärkungen waren, wie Marko Marin (8,5) oder Per Mertesacker (4,7).

Diese relativ hohen Investments führen im Übrigen auch dazu, dass Bremen trotz zahlreicher teurer Verkäufe (Diego 27 Mio., Özil 18 Mio., Klose 15 Mio., Ismael 8,5 Mio., Pizarro 8,5 Mio.) in der Ära Allofs ein überraschend kleines Transferplus von „nur“ 11 Mio. Euro erwirtschaftet hat. Das zeigt, wie sehr Bremen auf die Einnahmen aus dem Europapokal angewiesen war und ist. Schließlich will der auch der Werder-Kader bezahlt werden, und Einkommensmillionäre dürften hier die Regel sein – hanseatisches Abwiegeln („kleiner Verein“, „begrenzte Möglichkeiten“) hin oder her.

Trainer

Die Kritik an Klaus Allofs lässt sich natürlich auch auf Trainer Thomas Schaaf übertragen. Schaaf war ebenso an den Erfolgen der letzten Dekade beteiligt, wie er zum aktuellen Niedergang beiträgt. Er ist es, der tagtäglich mit den Spielern arbeiten muss. Und wenn sich ein Per Mertesacker seit Jahren nicht weiterentwickelt, oder der Neueinkauf XY nicht Fuß fasst, wirft das nie ein gutes Licht auf die Arbeit des Trainers.

Fakt ist, dass Thomas Schaaf für die Entwicklung der Mannschaft verantwortlich ist, und die aktuelle Entwicklung ist rückläufig. Das liegt zum einen daran, dass Werder immer wieder seine besten Spieler an größere Vereine abgeben musste. Doch auch der aktuelle Kader sollte eigentlich in der Lage sein, um den Europapokal mitzuspielen. Immerhin ist die Mannschaft bis auf Mesut Özil und den dauerverletzten Naldo fast identisch mit der Truppe aus der Vorsaison, die Bundesliga-Dritter wurde. Die Spieler haben es also drauf – zumindest auf dem Papier. Ob Schaaf es noch einmal aus ihnen herauskitzelt, wenn die Bundesliga im Sommer wieder bei null beginnt, darf man aber durchaus mit einem Fragezeichen versehen.
Nur kann ich mir kaum vorstellen, dass die Ehe Werder/Schaaf im Sommer endet. Eher wird es im Kader ein Stühle rücken geben.

Kader

Erstmals seit acht Jahren wird Werder Bremen in der kommenden Bundesliga-Saison von der Belastung durch den Europapokal „befreit“ sein. Dadurch fallen viele englische Wochen weg, es bliebe mehr Zeit, an taktischen Dingen und der Entwicklung der Spieler zu feilen. Das bedeutet aber zugleich auch, dass deutlich weniger Geld in die Kassen fließt. Durchaus möglich also, dass Bremen sogar Spieler verkaufen muss bzw. zumindest Verträge auslaufen lässt, um Gehälter zu sparen. Der eine oder andere Spieler bietet da Potenzial:

Fix sind die Abgänge von Daniel Jensen, Petri Pasanen und Jurica Vranjes. Alle drei waren zuletzt nicht mehr erste bzw. zweite Wahl, haben aber durchaus gutes Geld verdient. Durch ihre Abgänge spart Werder die eine oder andere Million.

Was mit Torsten Frings passiert, ist noch offen. Erst wollte Werder verlängern, dann wollte Frings aufhören; nun will „Lutscher“ weitermachen, aber Werder ziert sich. Fakt ist, dass Frings seine besten Jahre hinter sich hat, aber vermutlich der Top-Verdiener in der Mannschaft ist. Bei all seinen Verdiensten wäre es durchaus nachvollziehbar, wenn Bremen nun bei seinem „nein“ bleibt.

Die Verträge von Tim Wiese und Per Mertesacker laufen 2012 aus, Werder könnte mit einem Verkauf im Sommer die Vereinskasse also noch einmal auffüllen. Beide genießen in England einen guten Ruf, und Premier-League-Vereine zahlen bekanntermaßen gut. Dennoch: Wiese wäre ein Riesenverlust, Mertesacker in Normalform auch, doch die sucht er seit geraumer Zeit.

Die Rückkehr zur Raute (und zu einer besseren Punkteausbeute) ist eigentlich Gift für Marko Marin. Als Flügelflitzer und Dribbler ist er für dieses System nicht geschaffen. Behält Werder die Mittelfeldraute auch in der kommenden Saison bei, würde ein Verkauf durchaus Sinn machen. Obwohl auch Marin kein gutes Jahr hatte, steht er traditionell bei englischen Vereinen hoch im Kurs.

Aaron Hunt wurde vor der Saison als Nachfolger von Mesut Özil auserkoren. Die „interne Lösung“ scheiterte an dieser großen Aufgabe. Hunt zeigte, dass die Nummer 10 zu groß für ihn ist. Vielleicht findet er in der Raute wieder eher seinen Platz – oder bei einem anderen Verein.

Marko Arnautovic müsste eigentlich gut zu Claudio Pizarro passen, wenn die beiden sich über mehrere Wochen einspielen könnten. Pizarros Verletzungen und Werders System mit nur einer echten Spitze in der Hinrunde haben das jedoch verhindert. Da die Skandale bei Arnautovic aber nicht abreißen, ist auch eine Trennung im Sommer vorstellbar. Trotz seines schlechten Rufs würde sich angesichts seines unbestrittenen Talents vermutlich immer noch ein Abnehmer finden. Ob der aber bereit wäre, die 6,5 Millionen zu zahlen, die Werder sich den Österreicher im Sommer hat kosten lassen, ist zu bezweifeln.

Wie die Saison auch immer endet: Werder wird einen Schnitt machen müssen. Auf allen drei genannten Ebenen vermutlich nicht, aber allein schon aus finanziellen Gründen und zwecks „Blutauffrischung“ dürfte sich zumindest im Kader etwas tun.

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