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Apr
28

Tönnies‘ Doppelfehler: Schalke zwischen Putin und Assauer

Auf dem Spielfeld läuft die Saison ordentlich für den FC Schalke 04. Doch neben dem Rasen gibt der Klub um Vorstandsboss Clemens Tönnies derzeit ein jämmerliches Bild ab. Die offene Zuneigung gegenüber dem umstrittenen russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin und die gleichzeitige Ablehnung gegenüber dem demenzkranken Ex-Vereinsmanager Rudi Assauer sind einfach nur beschämend.

Fingerspitzengefühl ist etwas, das viele Profis und Vereinsverantwortliche in schöner Regelmäßigkeit von den Bundesliga-Schiedsrichtern einfordern. Nur sollte man selbst auch mit gutem Beispiel vorangehen. Clemens Tönnies etwa, millionenschwerer Fleischfabrikant und Vorstandsvorsitzender des FC Schalke 04, besitzt selbst offenbar nicht einen Hauch davon.

Wollte er doch vor nicht einmal einer Woche noch mit der Mannschaft eine Einladung des umstrittenen russischen Präsidenten Wladimir Putin annehmen – immerhin ist der staatliche russische Energiekonzern „Gazprom“ der Schalker Hauptsponsor und buttert jährlich knapp 15 Millionen Euro in den Verein.

Der Fall Putin: Tönnies gibt sich der Lächerlichkeit preis

Dass Tönnies den Trip in einem Interview vom vergangenen Mittwoch mit dem „Handelsblatt“ als Sightseeing-Tour tarnen wollte, setzte dem Ganzen die Krone auf: „Es geht doch nicht alleine um den Präsidenten. Die Mannschaft würde gerne einmal den Kreml sehen und interessiert sich für Moskau.“

Auf mindestens einem Auge für die Ukraine-Krise blind, schob Tönnies nach: „Wir sind Sportsleute und keine Weltpolitiker. Die Politik ist nicht unser Spielfeld.“ Erst nach heftiger Kritik aus Sport und Politik ruderte der Verein zurück. Tönnies erklärte am vergangenen Freitag, ein Besuch sei „in der aktuellen politischen Situation nicht angebracht.“ Aha. Sportvorstand Horst Heldt stimmte ein: „Wir planen keine Reise. In absehbarer Zeit werden wir nicht nach Russland fahren.“

Der Fall Assauer: einfach nur beschämend

Als wäre ein Fettnäpfchen nicht genug, sind die Königsblauen nur wenige Tage später gleich in ein zweites getappt: Wie am Sonntag publik wurde, wollte der Klub zunächst keine offizielle Delegation für eine Charity-Gala zum 70. Geburtstag des an Demenz erkrankten Ex-Managers Rudi Assauer am 30. April abstellen.

Auch hier musste erst Kritik laut werden, ehe der Verein einlenkte. Wie SO4 am Sonntagnachmittag schließlich bekanntgab, wird eine Delegation um Ehrenpräsident Gerhard Rehberg die Gala besuchen. Tönnies, den man eigentlich an der Spitze der Delegation erwarten durfte, wird nicht dabei sein. Dass er vor dessen Erkrankung gewisse Spannungen mit Assauer hatte, scheint wohl mehr als nur ein Gerücht zu sein. Dennoch wäre ein solche Abend die beste Gelegenheit, über seinen Schatten zu springen.

Es kommt noch besser: Erst kürzlich wurde publik, dass Schalke einen Mitgliedsbeitrag in Höhe von 38 Euro beim Baumeister der erfolgreichen 90er und 00er Jahre (UEFA-Cup 1997, DFB-Pokal 2001 und 2002, Bau der Multifunktionsarena) angemahnt hatte. Zwar verwies der Klub rasch auf ein „Versehen“ im Fall Assauer, das mittlerweile behoben sei, doch ein fader Beigeschmack im Fall bleibt.

Schalke 04 und insbesondere Clemens Tönnies sollten dringend zusehen, sich etwas mehr Fingerspitzengefühl anzueignen. Ansonsten bleibt bald nur noch ein Urteil: Auf dem Platz Champions League, in der Führungsebene nicht mal amateurhaft.

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  1. #Link11: Vom BVB lernen heißt Siegen lernen | Fokus Fussball sagt:

    […] “Tönnies’ Doppelfehler: Schalke zwischen Putin und Assauer” – Aktives Abseits beschäftigt sich mit den Vorgängen auf Schalke und dem fehlenden Fingerspitzengefühl des […]

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