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Nov
19

Topzuschlag für Gästefans – Bayer Leverkusen stößt in unverschämte Dimensionen vor

Ein Fußballstadion als „Schmuckkästchen“ zu bezeichnen, ist in etwa so, wie einem Angestellten zu attestieren, dass er immer pünktlich zum Dienst kommt – ein Kompliment sieht anders aus. Die BayArena in Leverkusen ist ein solches „Schmuckkästchen“. Übersetzt heißt das: Nette Architektur, keine Stimmung, gesalzene Preise. Die Fans sollen zahlen und möglichst die Fresse halten. So wird Fußball zur Oper.

Bayer Leverkusen ist ein seriös geführter Verein. Punkt. Mehr Positives gibt es über den fünfmaligen Deutschen Vizemeister nicht zu sagen. Auch im 34. Erstligajahr geht dem Verein jegliches Flair ab. Die mittlerweile 30.000 Zuschauer fassende, schicke Arena am Verkehrsknotenpunkt „Kreuz Leverkusen“ war nicht einmal ausverkauft, als der FC Chelsea in der Champions-League-Saison 2011/12 zu Gast war. Knapp 100 Tickets wären damals noch zu haben gewesen. Andere Bundesliga-Vereine – auch solche mit 50.000 und mehr Zuschauer fassenden Arenen – könnten bei solchen Gelegenheiten ihre Hütte doppelt und dreifach füllen… Und beim Europa League-Spiel gegen Rapid Wien in der vorvergangenen Woche hörte man nur die mitgereisten Fans aus Österreich, obwohl Rapid nie eine Chance hatte und mit 0:3 abgewatscht wurde. Eine Liste, die man beliebig fortführen könnte.

Bayer Leverkusen: Nur beim Topzuschlag spitze

Auch in der laufenden Bundesliga-Saison ist der Zuschauerschnitt dürftig für eine Mannschaft, die seit 25 Jahren zur erweiterten nationalen Spitze gehört. Gerade einmal 27.000 Zuschauer „verirren“ sich im Schnitt zu den Bayer-Heimspielen – und das, obwohl der Verein bereits gegen Mönchengladbach, Düsseldorf und Schalke gespielt hat, allesamt Vereine aus der Region mit großer Anhängerschaft.

Aber genau hier liegt das Problem: Bayer erhebt den dreistesten Top-Zuschlag der Bundesliga. Und den wälzt der Verein vor allem auf die Gästefans ab. 67 (!) Euro musste ein Schalke-Fan löhnen, um sich für das Spiel am vergangenen Samstag ein Sitzplatz-Ticket im Gästebereich zu sichern. Gegen Mönchengladbach und Düsseldorf war es genauso, auch die Fans aus Dortmund und München sollten sich auf solche Preise einstellen. Wenig verwunderlich, dass die BayArena in allen acht Heimspielen der Saison (sechs in der Bundesliga, zwei in der Europa League) nicht ein einziges Mal ausverkauft war.

Wie kommt’s zu der Abzocke?

Bayer Leverkusen unterteilt seine Gegner in drei „Töpfe“ und staffelt danach die Tageskartenpreise für die einzelnen Heimspiele. In Topf A befinden sich Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04, Borussia Mönchengladbach und Fortuna Düsseldorf. In Topf B findet man semi-attraktive Gegner wie den Hamburger SV, Werder Bremen oder den VfB Stuttgart. In Topf C stecken u.a. der FC Augsburg, Greuther Fürth und 1899 Hoffenheim.

So kommt es, dass ein und derselbe Sitzplatz im Gästebereich für einen Schalker 67, für einen Stuttgarter 37 und für einen Fürther „reguläre“ 23 Euro kostet. Doch auch die eigenen Fans müssen „bluten“: Wer den Schwarz-Roten keine Dauerkarte abnimmt, zahlt für einen Platz in der Bayer-Fankurve gegen den FC Bayern 42 Euro, gegen Werder Bremen 23 Euro und gegen den FC Augsburg 14 Euro. Nicht eingerechnet sind Bearbeitungsgebühren und Versandkosten von bis zu acht Euro. Wer sich genauer über die Preisstruktur bei Bayer informieren will, dem sei dieser Link empfohlen: http://www.bayer04.de/bilder/pdf/Tageskarten_Toepfe_ABC.pdf

Logischerweise ist Bayer nicht der einzige Bundesligaverein, der einen Topspielzuschlag ausruft. Das machen alle 18 Klubs. Doch Bayer ist in dieser Hinsicht der „Branchenprimus“. Auf manchen Plätzen ist eine Karte bei Top-Spielen um 200 Prozent teurer als bei Partien gegen einen Kleinen! Endlich einmal Deutscher Meister, könnte man sagen… Vielleicht steckt dahinter aber auch ein revolutionärer Ansatz: Bayer Leverkusen zeigt die Lehrbuchlösung, wie man das „Gewaltproblem“ im Fußball in den Griff bekommen kann: Man setzt Preise wie in der englischen Premier League an, nimmt dem Fußball seine Seele und spielt zur Not in steriler Atmosphäre vor halbleeren Rängen… Wie ging noch mal der Gassenhauer von 2002? Ach ja: „Ein‘ Rudi Völler, es gibt nur ein‘ Rudi Völler!“

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