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Jun
20

Törichte Torrichter? Nein! Törichte UEFA und FIFA

Die Einführung der Torrichter war der x-te Versuch der alten Herren bei der UEFA und der FIFA, technische Hilfmittel zu umgehen und die ach so heilige „Tatsachenentscheidung“ am Leben zu erhalten. Spätestens seit gestern muss aber auch dem Letzten klar sein, dass es so nicht weitergehen kann.

Man stelle sich nur vor, das Viertelfinale der EURO 2012 fände ohne Spanien und Frankreich statt, dafür mit Kroatien und der Ukraine! Unrealistisch? Keineswegs. Wer die Spiele Spanien – Kroatien und Ukraine – England am Montag bzw. Dienstag gesehen hat, der weiß, worauf ich anspiele…

Hätte, wäre, wenn

Zwei krasse Fehlentscheidungen haben den Turnierverlauf massiv beeinflusst. Natürlich hätte niemand garantieren können, dass die Kroaten gegen die Spanier gewonnen oder zumindest Remis gespielt hätten, wenn der Torrichter (bzw. das Schiedsrichtergespann) beim Foul von Ramos gegen Mandzukic auf Elfmeter entschieden hätte. Doch es wäre zumindest ein Spiel unter anderen Voraussetzungen gewesen.

Ebenso wenig wäre gesichert gewesen, dass die Ukraine den für den Viertelfinaleinzug nötigen Sieg gegen England errungen hätte, wenn der Torrichter beim Schuss von Devic, den John Terry erst eindeutig hinter der Torlinie klären konnte, auf Tor entschieden hätte. Doch zumindest hätte der Co-Gastgeber noch 30 Minuten Zeit gehabt, geduldig auf das 2:1 zu spielen, anstatt hastig auf zwei Tore drängen zu müssen.

Weg mit dem Torrichter

Dennoch bleibt festzuhalten, dass der Torrichter seine Daseinsberechtigung verwirkt hat. Fehler und Fehlentscheidungen gehören zum Leben wie zum Fußball dazu, keine Frage. Doch wenn hinter den Toren zwei gut geschulte Referees stehen, die sich „nur“ um die Fragen zu kümmern haben, ob der Ball hinter der Linie war oder ob sich im Strafraum ein Foul oder Handspiel ereignet hat, und sie diese Fragen nicht beantworten können, dann sind sie unnötig wie ein Kropf.

Aber Hand aufs Herz: Ich möchte nicht mit dem Torrichter tauschen. Denn eben weil deren Aufgabe so vermeintlich einfach ist, stehen sie beim Fällen ihrer Entscheidungen noch mehr unter Druck als der Feldschiedsrichter und die Linienrichter. Anders ausgedrückt: Weil auch der Torrichter keine absolute Sicherheit liefert und es sich hierbei immer noch um einen Menschen handelt, der wochen-, wenn nicht monate- oder jahrelang mit seinen Fehlentscheidungen konfrontiert wird, sollte man ihn schleunigst wieder abschaffen und durch einen technischen Helfer ersetzen.

Torkamera löst zumindest ein Problem

Zugegeben, eine Torkamera hätte beim Foul von Sergio Ramos gegen Mario Mandzukic ebenfalls nicht auf Elfmeter für Kroatien entschieden. Sie wäre also auch nicht das allein Seligmachende. Doch Fehlentscheidungen bei Elfmetersituationen hat es immer schon gegeben. Und weil sie „nur“ die Chance auf ein Tor waren, konnte und kann man sie immer noch irgendwie akzeptieren – auch wenn es schwer fällt. Anders sieht es aus, wenn klare Tore nicht gegeben werden (wie bei der Ukraine gestern) bzw. auf ein Tor entschieden wird, das keines war. Hier liefert eine Kamera sehr wohl Klarheit – und das ohne Diskussionen und ohne dass ein Mensch ein Leben lang mit einem Fehler leben muss, der ihm selbst am peinlichsten ist.

Schuld sind (mal wieder) die Funktionäre

Klar kann man den Torrichtern ein Versagen anlasten. Der Fuß von Mandzukic muss nicht erst abgetrennt werden und neben der Eckfahne landen, um im Zweikampf mit Ramos auf Elfmeter zu entscheiden. Doch die eigentlich Törichten sind nicht die Torrichter, sondern wieder einmal die Funktionäre, die sich wie so oft selber viel zu wichtig nehmen. Sie, die eigentlich dem Spiel dienen sollen, dienen vor allem sich selbst und scheinen Gefallen daran zu finden, von der Welt als Ewiggestrige wahrgenommen zu werden.

In der Technik-Diskussion im Fußball konnte man bislang keinen gemeinsamen Nenner finden. Doch das sture Festhalten an der Tatsachenentscheidung als Grundcharakteristikum des Fußballs wird auf lange Sicht den größten Schaden anrichten.

Daher sage ich: Torkamera her, Torschiedsrichter weg. Dann wäre zumindest die Torfrage geklärt. Und bei der Elfmeterfrage hätte man „nur“ die üblichen Diskussionen, ob der Schieds- oder Linienrichter das hätte sehen müssen. Man würde aber nicht darüber reden, warum der Depp von Torrichter das nicht erkannt hat. Eine Kamera für Elfmeter- oder Abseitsentscheidungen ginge dagegen aus meiner Sicht zu weit. Dann würde auch das Spiel zu häufig unterbrochen. In diesem Punkt gebe ich den Funktionären Recht – aber nur in diesem Punkt.

2 Kommentare

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  1. Jan sagt:

    Stimme dir da zu. Man sollte den Fußball nicht zu sehr technisieren. Aber die Torkamera wäre eine absolut sinnvolle Ergänzung, vor der sich selbst Blatter und Platini nicht mehr allzu lange verschließen können.

    P.S.: Was viele bei der Diskussion vergessen. Selbst wenn der Torrichter gerstenr genau hingeschaut hätte, wäre es vorher immer noch Abseits gewesen

  2. zeiteinblende sagt:

    Der letzte Beweis für die Entbehrung der Torrichter ist erbracht.
    Aber ebenso überflüssig ist doch ein Linienrichter, der eine Abseitsstellung falsch bewertet. Schiedsrichter freffen auch Fehlentscheidungen. Sind denn jetzt alle überflüssig? Ich denke nicht, alles Tatsachenentscheidungen.
    Blöd, für die Ukraine.
    Entscheidung auf dem Rasen und nicht per Zuschauer-TED.

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