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Apr
10

Torkamera & Co. – Regeländerungen, die es nie gab

Die DFL hat sich Ende März gegen die Torkamera und den Chip im Ball entschieden. Nicht die erste angedachte Regeländerung, die nie umgesetzt wurde. „Dirkules“, einer der beiden Gewinner des Aktives-Abseits-Quiz im April, möchte nun die Frage beantwortet haben, welche weiteren Regeländerungen angestoßen, aber nie umgesetzt wurden.

Das Phantomtor von Leverkusens Stefan Kießling in Hoffenheim, das nicht gegebene reguläre Tor von Hoffenheims Kevin Volland gegen Nürnberg – diese beiden (Fehl)-Entscheidungen der laufenden Saison hätte man mit der Torlinientechnik beheben können. Nicht zu vergessen die vielen nicht gegebenen regulären Tore in 51 Jahren Bundesliga.

Das mehrheitliche „Nein“ der abstimmenden 36 Profiklubs auf der DFL-Versammlung am 26. März hat aber gezeigt, dass es bei den Klubs offenbar keinen Bedarf an Gerechtigkeit gibt. Finanzielle Faktoren und die Hoheit der Tatsachenentscheidung wurden vor knapp zwei Wochen als Contra-Argumente angeführt.

Bayer am Saisonende Vierter dank Phantomtor?

Dabei ist es völlig unbegreiflich, dass sich nicht die Mehrheit der Liga daran stört, dass Bayer Leverkusen am Ende möglicherweise dank der zwei „geschenkten“ Punkte vom 18. Oktober 2013 Vierter statt Fünfter werden könnte und so die Champions-League-Qualifikation erreichen könnte – mit der Chance auf Einnahmen von 25 Millionen Euro. Da muten die 500.000 Euro Anschaffungskosten pro Verein fast lächerlich an. Für die könnte Bayer glatt die Rechnung übernehmen und hätte immer noch sieben Millionen übrig.

Dass die Torlinientechnologie zumindest in Deutschland noch nicht eingeführt wurde und bis auf weiteres auch nicht eingeführt wird, ist ein echtes Unding. Immerhin sind „wir“ das Land, das 1966 im WM-Finale durch das Wembley-Tor beim Stand von 2:2 gegen England um den möglichen Titel gebracht wurde. Aber das müssen die Vereine mit sich ausmachen. Gejammert wird später. Und 500.000 Euro kann man sowieso viel besser in die Taschen eines überbewerteten Spielers oder seines Beraters fließen lassen.

Auszeiten im Fußball finden keine Mehrheit

Eine weitere Regeländerung, die immer wieder angestoßen, aber nie umgesetzt wurde, ist die Einführung von Auszeiten. Im Basketball oder im Handball werden sie schon lange erfolgreich praktiziert. Trainern wird so die Chance gegeben, in heiklen Situationen auf ihre Mannschaft einzuwirken. Gleichzeitig können sie mit einer Auszeit die gute Phase des Gegners stoppen und ihren Spielern Zeit zur Erholung geben.

Im Fußball kam das Thema Auszeiten vor allem in der Frühphase der Regentschaft von FIFA-Präsident Sepp Blatter auf das Tapet. Dabei ging es dem Schweizer allzu offensichtlich um das liebe Geld. Die Fernsehsender hätten sich gefreut, hätte man doch trefflich Werbeblöcke während der Auszeiten schalten können. Hierzu muss man ja dummerweise im Fußball nach Anpfiff und Wiederanpfiff 45 Minuten warten. Ein Basketballspiel mit 4×10 Minuten (FIBA) oder 4×12 Minuten (NBA) ist da eh viel dankbarer.

Die Idee der Auszeit kommt allerdings immer wieder auf. Zuletzt wurde sie von 1899 Hoffenheims Trainer Markus Gisdol aufgebracht, der Anfang April im „Kicker“ sagte: „Als Trainer wünschst du dir in hektischen Situationen ein Timeout. Das gibt es beim Fußball leider nicht. Da beneide ich die Handballtrainer wirklich. Ich wäre sofort dafür. Das kostet niemand etwas.“

Der Fußball würde dadurch sicherlich variantenreicher und interessanter, weil die Trainer innerhalb der Spielzeit mehr Einfluss hätten – vor allem in der oft hektischen zweiten Hälfte. Natürlich müsste vorab genau festgelegt werden, wie viele Timeouts jeder Trainer pro Spiel oder Halbzeit hat und wann er sie einsetzen darf. Wenn ein gegnerischer Angreifer frei auf das Tor zuläuft, wäre dabei im Sinne des Spiels keine gute Möglichkeit ;-)

Fliegende Wechsel als Option für die Zukunft?

Noch so eine Idee, die von Hoffenheimer Seite angetragen wurde, genauer von Jugendleiter und Ex-Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters, sind die fliegenden Wechsel im Spiel. Der zweimalige DHB-Weltmeistermacher erklärte 2008, diese Variante brächte „ein höheres Spieltempo, weniger Stammplatzdiskussionen, ein größeres Wir-Gefühl, eine bessere Einflussnahme des Trainers und vor allem eine bessere Förderung der jungen Talente.“

Der 54-Jährige hat damit gewiss nicht Unrecht. Die beim Regelwerk als sehr konservativ geltende FIFA – umso überraschender ist die offene Haltung zur Torlinientechnologie – hat diesem Vorschlag aber kaum Beachtung geschenkt. Schade eigentlich, könnte man doch Freistoßgranaten wie Mario Basler oder Thomas Häßler vermutlich heute noch für solche Situationen einsetzen. Foul, Kippe aus, rauf aufs Feld, rein das Ding, runter.

Doch Scherz beiseite: Die Anforderungen an Spieler und Coaches würden durch fliegende Wechsel noch größer. So könnten Trainer je nach Spielstand und -verlauf von extremer Defensive auf totale Offensive wechseln und das Ganze genauso wieder rückgängig machen. Andererseits würde man auf diese Weise auch Teams mit einer „breiten Bank“ zusätzlich stärken. Der FC Bayern könnte dann 18 Hochkaräter durchrotieren. Das wäre wohl nicht im Sinne von Heribert Bruchhagen und Aki Watzke… #Spannung #Dominanz

Dreifachbestrafung abschaffen – alle fänden’s gut, keiner macht’s

Einig sind sich eigentlich alle in der Fußballfamilie, dass die Dreifachbestrafung aus Platzverweis, Elfmeter und Sperre für eine Notbremse im Strafraum abgeschafft gehört. Wäre da nicht die FIFA, die bislang stur an dieser Uralt-Regel festhält. Dabei müssen sich Schiedsrichter in der Bundesliga heute fast schon entschuldigen, wenn sie einen Keeper oder Abwehrspieler nach einer solchen Szene vom Platz stellen.

Ihnen sind aber die Hände gebunden. Auch wenn es gegen das Gerechtigkeitsempfinden und das Gefühl der Angemessenheit verstößt, werden sie vom Regelwerk zu dieser extremen Strafe gezwungen. Naja, FIFA-Boss Sepp Blatter will ja nochmal eine Amtszeit dranhängen. Ich bin mir sicher, in weiteren vier Jahren ab 2015 wird er sich zuallererst um die Abschaffung der Dreifachbestrafung kümmern.

Schließlich ist auf sein Wort Verlass. Beispiel gefällig? 1994 antwortete der damalige FIFA-Generalsekretär in der „Sport Bild“ auf die Frage, ob er 1998 die Nachfolge des scheidenden FIFA-Präsidenten Joao Havelange antreten wolle: „23 Jahre bei der FIFA sind genug. Ich strebe nicht die Nachfolge von Herrn Havelange an.“

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