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Nov
24

Tragische Figur Reus: Schutz-Diskussion neu entfachen

Bereits zum vierten Mal in den letzten sechs Monaten hat Nationalspieler Marco Reus eine schwere Verletzung davongetragen. Zwar ist er damit eine tragische Figur, doch sämtliche Blessuren waren eine Folge eines harten Einsteigens und hatten nur wenig mit Pech zu tun. Die alte Diskussion um den Schutz herausragender Spieler muss neue Nahrung erhalten.

Ein Syndesmoseanriss im Juni setzte Marco Reus zwei Monate matt und kostete ihn die WM. Im September fiel er nach einem Außenbandanriss im Sprunggelenk 28 Tage aus. Anfang November musste der Dortmunder nach einer Bänder- und Sehnenzerrung sowie einem Knochenödem im Sprunggelenk 13 Tage lang zusehen. Am Samstag nun erlitt Reus einen Außenbandriss im Sprunggelenk, eine Wiederaufnahme des Trainings ist erst im neuen Jahr realistisch.

Manche mögen den Fall Reus als Paradebeispiel für das extreme Pech eines Spielers anführen, doch das wäre nicht ganz korrekt. Anders als der frühere Nationalspieler Jens Nowotny etwa, der in seiner Karriere vier Kreuzbandrisse abseits des unmittelbaren Spielgeschehens erlitt, ist Offensivstar Reus keineswegs ein Opfer von Pech. Vielmehr erlitt der 25-Jährige seine vier letzten Blessuren bei mehr oder weniger gezielten Fouls seiner Gegenspieler.

Jagd auf die Top-Stars nimmt zu

Reus ist damit eines der Hauptopfer der immer stärker zunehmenden „Jagd“ auf herausragende Einzelkönner im Fußball. Der Brasilianer Neymar wurde bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer Opfer dieser Hatz, die zwei weltbesten Kicker Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sind es quasi in jedem Spiel. Reus als einer der Top-Zehn-Spieler in der Welt gehört mittlerweile ebenfalls diesem „elitären“ Kreis an.

Das Pech des Offensiv-Allrounders, der nach einem geglückten Antritt kaum noch fair zu stoppen ist: Seine Bänder geben eher nach als die der Kollegen. Vielleicht treffen die Gegenspieler bei ihm aber auch nur folgenschwerer als bei einem Ronaldo oder Neymar. So oder so sollte sich der Fußball Gedanken machen, wie man die Treterei gegen die Spieler eindämmen kann, die den Unterschied ausmachen.

Übeltäter bis zur Rückkehr des Opfers aus dem Verkehr ziehen

Persönlich war ich lange gegen Schutzmaßnahmen der Stars, weil auch diese sich in das Spiel zu integrieren haben. Doch die Extrakönner sind einer der wesentlichen Gründe, warum Abermillionen von Menschen den Fußball lieben. Um sie – aber auch jeden anderen Kollegen zu schützen – sollten die Gremien von der FIFA bis zu den nationalen Verbänden und Ligaverbänden zu einer harten, aber fairen Sanktion greifen: Wer einen Kollegen mutwillig oder fahrlässig arbeitsunfähig macht, sollte erst wieder ein Pflicht- oder Testspiel bestreiten dürfen, wenn der verletzte Spieler dies ebenfalls kann.

Der Paderborner Marvin Bakalorz etwa, der Reus die jüngste Verletzung beigebracht hat, würde auf diese Weise frühestens im Januar wieder eingreifen können. So kam er mit der Gelben Karte mehr als glimpflich davon. Doch auch mit einer Roten Karte und einer Sperre von zwei oder drei Ligaspielen wäre er vor Reus zurück auf dem Platz gewesen – und da hinkt sicher das Rechtsverständnis nicht weniger Beobachter.

Zwar kann man Bakalorz abnehmen, dass er seinen früheren Mitspieler keineswegs mutwillig schädigen wollte. Er hat eine schwere Verletzung aber billigend in Kauf genommen. Und allein diese Facette sollte aus dem Sport verbannt werden. Also ihr Regelhüter: Sorgt für mehr Fairness und Sportsgeist. Prävention durch die Androhung harter Strafen ist in diesem Fall der beste Schutz.

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