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Dez
18

Trotz Finale furioso: Bundesliga liefert nur Mittelmaß

Der verrückte 17. Spieltag mit 36 Toren und reichlich Dramatik in den Schlussminuten war Werbung für die Bundesliga. Doch unter dem Strich bot das „Produkt“, das TV-Sendern auf der Welt jährlich (noch) einen Milliardenbetrag wert ist, reinstes Mittelmaß.

Dabei wirkt Rekordmeister Bayern München nicht einmal unantastbar. Und dennoch dürfen sich die Bayern bereits auf ihren 27. Meistertitel insgesamt und die sechste Schale in Folge freuen – denn so etwas wie einen ernstzunehmenden Verfolger sucht man vergebens in der Bundesliga.

Bayern schwach wie lange nicht – und unangefochten wie nie

41 Punkte hat der FCB in den ersten 17 Spielen gesammelt. Das ist der schlechteste Wert für den erfolgsverwöhnten Klub seit der Hinrunde der Saison 2011/12. Und doch war der Vorsprung der Münchner bei Saisonhalbzeit auf den Tabellenzweiten nie größer als derzeit. Elf Punkte sind es auf Schalke 04. Hätte sich der Rekordmeister noch früher vom erfolglosen Trainer Carlo Ancelotti getrennt bzw. noch früher den einstigen Triple-Macher Jupp Heynckes zurückgeholt, wäre das Bild für den Rest der Liga noch beschämender.

Eng geht es erst hinter dem Spitzenreiter zu. Gerade einmal zwei Punkte trennen den Zweiten Schalke vom Sechsten Borussia Mönchengladbach. Dazwischen stehen noch Pokalsieger Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und RB Leipzig. Jeder aus diesem Quintett kann an einem guten Tag mit den Bayern mithalten, und viele haben das in den vergangenen Monaten auch bewiesen. Doch ausnahmslos jeder dieser Klubs ist genauso für unerklärliche Niederlagen gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte gut – das ist der feine Unterschied zum FCB und zu den Topklubs aus England, Italien, Spanien oder auch Frankreich.

Ausgeglichenheit der Liga kein Zeichen von Klasse

Nun mag man einwenden, dass die Bundesliga hinter dem seit Jahren übermächtigen FC Bayern einfach extrem ausgeglichen ist. Das mag schon stimmen, allerdings ist die deutsche Beletage auf keinem sonderlich hohen Niveau ausgeglichen. Auch wenn die Deutsche Fußball Liga und die Rechteinhaber um Sky und Eurosport bei jeder Gelegenheit (verständlicherweise) die Liga hochjubeln, droht im Land des Weltmeisters der Absturz.

Wie sonst lässt sich das schwache Abschneiden der Klubs im Europapokal erklären – den FC Bayern ausgenommen, der als einziger deutscher Vertreter im Achtelfinale der Champions League steht und wieder wenigstens auf das Halbfinale hoffen darf. Doch Vizemeister RB Leipzig ist nach jahrelangem steilem Aufstieg erstmals an die Grenzen (des Reißbretts) gestoßen. Der Brauseklub leidet unter der Mehrbelastung wie kaum ein anderer Verein.

Dortmund hat ein kurzes und krachend gescheitertes Experiment mit dem dogmatischen Niederländer Peter Bosz hinter sich. Die Mannschaft ist vom Potenzial immer noch die Nummer zwei in Deutschland, doch selbst das Erreichen dieses Platzes wird kein Selbstläufer. Ein Beleg für die BVB-Schwäche in der ersten Saisonhälfte: Mit lächerlichen zwei Punkten (je 1:1 gegen Apoel Nikosia) rettete sich der Pokalsieger nach dem in der Art und Weise blamablen Vorrunden-K.o. in der Champions League noch in die Europa League. Weniger Leistung geht nicht, um dorthin zu kommen.

Hoffenheim hat wie Hertha BSC und der SC Freiburg jede Menge Lehrgeld in der Europa League gezahlt. Den größten Absturz hat aber der 1. FC Köln hinter sich. Nach 25 Jahren internationaler Abstinenz schien der erste Bundesligameister nach der Rückkehr in den Europacup nach Platz fünf in der vorherigen Saison so gefestigt wie lange nicht mehr. Ein halbes Jahr später sind die Geißböcke mit der mickrigen Ausbeute von sechs Punkten aus 17 Ligaspielen fast schon abgestiegen, selbst die „ewig“ erscheinenden Negativrekorde von Tasmania Berlin sind bei einer ähnlich schwachen Rückrunde greifbar.

Bundesliga bietet fast nur noch Schwarzbrot

Spannungsmomente für die zweite Saisonhälfte sucht man vergebens. Bayern ist durch, die Frage nach den weiteren Champions-League-Startern wird sich im Lauf der Rückrunde klären. Dortmund und Leipzig werden sich hinter dem FCB einnisten. Allenfalls der Kampf um Platz vier verspricht Spannung, genauso wie die Frage nach dem zweiten und womöglich dritten Absteiger neben Köln.

Spielerisch ist aber fast nur noch Magerkost dabei. Kaum ein Team geht noch Risiko. Und wenn, dann so unkontrolliert wie der BVB unter Bosz. Ansonsten setzt sich der Trend fort, dass einen schon die Paarungen vor einem Spieltag kaum noch umhauen. Nach Abpfiff ist es kaum besser: Kaum eine Partie bleibt nachhaltig im Gedächtnis. Und wenn, dann hatte nicht selten das Chaos um den Videoassistenten den Löwenanteil daran. Die Liga muss anpacken, sonst ist das Milliardenprodukt bald „nur“ noch ein Millionenprodukt.

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