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Aug
12

TV-Fußball in Frankreich: Fast in der Unterhose der Spieler

Nicht nur die Bundesliga ist in die neue Saison gestartet, auch in der französischen Ligue 1 ging es wieder los. Weil mein Brötchengeber es so wollte, habe ich am vergangenen Freitag nicht Bayern gegen Gladbach geschaut, sondern mir die Ligue-1-Saisonauftaktpartie zwischen Ex-Meister HSC Montpellier und Titelverteidiger Paris St. Germain (1:1) zu Gemüte geführt. Was ist gesehen habe, bewegt sich irgendwo zwischen skurril und beängstigend.

Bundesliga und Ligue 1 nehmen jährlich etwa 600 Millionen Euro über TV-Verträge ein. Insofern verbietet es sich eigentlich, die französische Liga anzuprangern und bei der deutschen Eliteklasse mit Kritik zu sparen. Doch ein zweiter Blick wird die Kritik rechtfertigen.

Freiburgs Trainer Christian Streich hat dem „Kicker“ am vergangenen Donnerstag (Heft 65/2013) ein interessantes Interview gegeben. Darin sagte er unter anderem: „Dass das Spiel bisher überlebt hat und so viele Millionen Menschen begeistert, ist fast ein Wunder. Aber ich weiß nicht, ob es so weitergeht. Vielleicht kommen irgendwann Kameras in die hintersten Kabinenwinkel. Das Spiel ist davon enorm bedroht.“

„Monsieur Blanc, was hat Ibrahimovic da gemacht?“

Was für den deutschen Fußball noch ein Schreckensszenario darstellt, ist in Frankreich bereits Realität: Kameraleute spazieren vor dem Spiel durch die Katakomben. Reporter interviewen Startelfspieler wenige Sekunden, bevor sie das Spielfeld betreten. Und Trainer müssen im laufenden Spiel erklären, warum gerade ein Gegentor gefallen ist oder wie sie eine strittige Situation beurteilen.

„Monsieur Blanc, was hat Ibrahimovic da gemacht?“, fragte eine überaus umtriebige Field-Reporterin, deren Redeanteil gefühlt über dem der Kommentatoren lag, PSG-Trainer Laurent Blanc wenige Sekunden, nachdem seine Mannschaft nach einem Ballverlust von Zlatan Ibrahimovic das 0:1 kassiert hatte. Und der ehemalige französische Nationaltrainer antwortete brav und ausführlich, so als befände er sich gerade nach dem Spiel im TV-Studio zu einem der üblichen Interviews.

Der eine oder andere wird das für einen Rundum-Service halten, der in Zeiten der unmittelbaren Kommunikation über Facebook und Twitter eigentlich selbstverständlich sein sollte. Der Großteil wird allerdings hoffen, dass dieser Trend nicht zur Mode wird. Die 90 Minuten gehören dem Spiel, jeder soll auf dem Rasen seinen Job machen. Die „Nebenbeschäftigung“ Medienarbeit kann man danach immer noch erledigen. Das ist zumindest meine bescheidene Meinung.

QSI: Investor, Sponsor, TV-Partner

Doch warum wird der Fußball in Frankreich überhaupt so inszeniert? Die Antwort hat drei Buchstaben: QSI. „Qatar Sport Investment“ ist nicht nur der Name jener sympathischen Vereinigung, die vor rund zwei Jahren Paris St. Germain gekauft und seitdem Schnapper wie Zlatan Ibrahimovic, Thiago Silva oder jüngst Edinson Cavani in die französische Metropole gebracht hat. Die Gruppe besitzt auch den TV-Sender „be In Sport“, der zwei Partien pro Ligue-1-Spieltag live übertragen darf.

360 Millionen Euro lässt sich die „Al Jazeera“-Tochter diesen Spaß über vier Jahre kosten – und erwartet entsprechend eine Gegenleistung. Dass diese beim eigenen Verein Paris St. Germain ein Komplettpaket mit Kabinenbildern und den genannten Spieler- und Trainerinterviews umfasst, versteht sich da fast von selbst. Und so verwundert es auch nicht, dass sich „be In Sport“ bevorzugt PSG-Spiele herauspickt und auf den Freitag- bzw. Samstagabend verlegen lässt, wenn der Sender zur Prime Time ausstrahlen darf.

Das Financial Fairplay großzügig ausgelegt

Ach so: „QSI“ ist natürlich auch als Sponsor für die Hauptstädter tätig. Einen dreistelligen Millionenbetrag überweist die Investorengruppe in Form von Sponsorengeldern alljährlich nach Paris – etwa viermal so viel wie Bayern München von seinem Trikotsponsor einstreicht. Dass QSI einen derart hohen Betrag rüberschiebt, um das UEFA Financial Fairplay zu umgehen, ist natürlich nur eine aus der Luft gegriffene Vermutung meinerseits.

Immerhin soll die UEFA gerade prüfen, ob es sich hierbei um eine legale Auslegung des FFP handelt. Bei der Gelegenheit sollte der Verband vielleicht auch einmal ergründen, ob ein Unternehmen gleichzeitig Vereinseigner, Sponsor und TV-Rechteinhaber sein darf. Nicht, dass das Spiel am Ende noch bedroht wird…

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