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Feb
11

Typisch Klinsmann

Nach 76 Tagen als Trainer von Hertha BSC hat Jürgen Klinsmann hingeworfen. Der Ex-Bundestrainer ist sich mal wieder treu geblieben.

Nein, es war nicht wirklich davon auszugehen, dass sich Jürgen Klinsmann mit 55 Jahren noch einmal grundlegend ändern würde. Und so darf seine Rücktrittsankündigung als Trainer von Hertha BSC nach nur 76 Tagen eigentlich niemanden überraschen. Selbst die Art und Weise war typisch Klinsmann: Der Weltmeister von 1990 übertölpelte seinen Verein, indem er die Bombe auf seinem privaten Facebook-Account platzen ließ. Es verging eine gute Stunde, bis die Presseabteilung der Berliner die Personalie offiziell bestätigte. Eine Provinzposse in der Hauptstadt!

Klinsmann machte wieder einmal sein Ding. Wie so oft. Als Spieler war der Weltklassestürmer eine Ich-AG. Besonders sein Engagement bei Bayern München (1995 bis 1997) war eine reine Zweckehe, immer wieder knirschte es. Letztlich erreichten beide Seiten ihre Ziele, doch in München weinte dem alternden Torjäger Klinsmann beim Abschied niemand eine Träne nach.

Kompromisslosigkeit als erste Bürgerpflicht

Die große Wende in der öffentlichen Wahrnehmung erfuhr Klinsmann durch die Weltmeisterschaft 2006. Kompromisslos hatte er als Bundestrainer den angestaubten DFB auf allen Ebenen reformiert, sich mit eigenwilligen Handlungen viel Kritik aus der Branche zugezogen – nach Platz drei beim „Sommermärchen“ im eigenen Land aber waren alle mundtot. Und Klinsmann das große Ding auf dem Trainermarkt.

Bayern München holte den Visionär und Reformer 2008 trotz aller Bedenken als Trainer – und Klinsmann musste schnell erfahren, wie sehr die Akzeptanz seiner radikalen, teils rücksichtslosen Methoden vom Erfolg abhängt.

Bei Hertha BSC erging es ihm letztlich nicht anders. Klinsmann teilte die Vision von Großinvestor Lars Windhorsts, aus Berlin einen „Big City Club“ zu machen. Erst kürzlich sprach Klinsmann von dem Ziel, schon 2021 die Europa League zu erreichen, in „drei, vier Jahren“ sollte der Klub um die Meisterschaft spielen. Und sie natürlich auch mal gewinnen.

Klinsmann brachte keinen Fortschritt

Dabei ist die Realität trotz Transfers für mehr 100 Millionen Euro eine andere: Abstiegskampf. Klinsmann selbst, der kurz nach seiner Berufung zum Aufsichtsrat am 27. November den glücklosen Ante Covic auf der Trainerbank ablöste, hat wenig Abhilfe schaffen können. Zwölf Punkte aus neun Spielen sind hochgerechnet genug für den Klassenerhalt, aber letztlich ist mit so einer Bilanz nicht mehr drin als das biedere Mittelfeld – aus dem Hertha ja unbedingt raus wollte.

Wer in Klinsmanns Facebook-Botschaft zwischen den Zeilen liest, der erkennt dass das fehlende „Vertrauen der handelnden Personen“ eine Spitze an die Adresse von Manager Michael Preetz ist. Zwischen dem Trainer, dessen Engagement zunächst bis zum Sommer ausgelegt war, und dem Sportlichen Leiter passte es nie.

Pointe: Klinsmann kehrt nach seinem Rücktritt wieder auf den Posten des Aufsichtsrats zurück – und überwacht als solcher die Arbeit von Preetz. Es wird gewiss nicht langweilig in Berlin.

1 Kommentar

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  1. Homedika sagt:

    Sportlich holte Hertha unter Klinsmann aus neun Bundesliga-Spielen zwolf Punkte, gewann dreimal und steckt als Vierzehnter nach wie vor mitten im Abstiegskampf. Nicht mehr, nicht weniger. Umso mehr uberrascht es, dass er von den Verantwortlichen bereits jetzt einen langfristigen Vertrag uber das Saisonende hinaus gefordert haben soll. Irgendwie auch typisch Klinsi.

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