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Jun
05

U-21-EM im Roundup: Fakten, Historie, Stars

Heute startet in Israel die Endrunde zur 19. Europameisterschaft der Altersklasse U-21. Bis zum 18. Juni messen sich viele der besten Kicker Europas, die nach dem 1. Januar 1990 geboren sind. Deutschland peilt seinen zweiten Titelgewinn nach 2009 an, hat aber harte Konkurrenz – und zwar bereits in der eigenen Gruppe. Hier sind die wichtigsten Fakten zur U-21-EM.

HISTORIE

Seit 1972 gibt es U-21- bzw. U-23-Turniere (bis inklusive 1976). Rekordsieger ist Italien mit fünf Titeln, die allesamt zwischen 1994 und 2004 errungen wurden. Titelverteidiger ist Spanien, bei dem sich 2011 u.a. Javi Martinez, David de Gea und Juan Mata in die Notizbücher der internationalen Spitzenklubs spielen konnten.

Deutschland gewann bislang einen Titel, 2009 im Schweden. Damals im Kader: die aktuellen A-Nationalspieler Manuel Neuer, Mesut Özil, Sami Khedira, Mats Hummels, Jerome Boateng, Benedikt Höwedes, Marcel Schmelzer und Dennis Aogo. Ob die 2013er Generation eine ähnlich „goldene“ wird, darf zumindest leise angezweifelt werden. Doch das hat Gründe (s. Gruppe B/Deutschland).

Einige Spieler, die zum besten Akteur des Turniers gewählt wurden, haben später eine Weltkarriere hingelegt, als da wären: Rudi Völler, Laurent Blanc, Davor Suker, Luis Figo, Fabio Cannavaro, Andrea Pirlo, Petr Cech, Klaas-Jan Huntelaar. Andere, wie Royston Drenthe, Marcus Berg, Francesc Arnau oder Renato Buso konnten die großen Hoffnungen, die sie bei diesem Turnier geweckt haben, nie erfüllen.

MODUS

52 Nationen sind im Herbst 2011 zur Qualifikation angetreten, die acht stärksten haben es nach Israel zur Endrunde geschafft. Gespielt wird in zwei Gruppen à vier Mannschaften. Jeder in der Gruppe spielt einmal gegen jeden. Die beiden Erstplatzierten einer Gruppe ziehen ins Halbfinale ein. Bei Punktgleichheit entscheidet zuerst der direkte Vergleich, dann die Tordifferenz.

Deutschland (Gruppe B) spielt am 6. Juni um 20:30 Uhr gegen die Niederlande, am 9. Juni um 20:30 Uhr gegen Spanien und am 12. Juni um 18 Uhr gegen Russland. Die Halbfinals steigen am 15. Juni, das Endspiel am 18. Juni.

STADIEN

Gespielt wird in Jerusalem (Teddy-Kollek-Stadion, 33.500 Plätze), Tel-Aviv (Bloomfield-Stadion, 14.000 Plätze), Netanja (Netanja-Stadion, 13.800 Plätze) und Petach Tikwa (HaMoshava-Stadion, 12.000 Plätze). Deutschland spielt in der Vorrunde zweimal in Netanja und einmal in Petach Tikwa. Das Finale findet in Jerusalem statt.

TV

„Kabel eins“ bzw. „Sat 1“ übertragen, wenn Deutschland am Ball ist. „Sport 1“ hat die Rechte an allen Spielen ohne deutsche Beteiligung.

DIE TEAMS

Gruppe A

Israel

Israel war als Gastgeber automatisch qualifiziert. Vom Heimvorteil einmal abgesehen, spricht nur wenig für ein Weiterkommen der Mannschaft von Guy Luzon. Stars: Mittelfeldspieler Omri Altman (19, FC Fulham) ist mit Abstand der jüngste Akteur im Aufgebot, kickt aber als einziger Spieler im Ausland. Regisseur Eyal Golasa (21, Maccabi Haifa) verfügt über Champions-League-Erfahrung und galt vor ein paar Jahren international als „heiße Ware“. Mittlerweile ist das Interesse an dem Mittelfeldspieler aber deutlich abgekühlt. Die EM ist für ihn und seine Teamkameraden das Schaufenster nach Europa.

England

Seit 1984 warten die „Three Lions“ auf ihren dritten U-21-Titel. Die Mannschaft von Stuart Pearce qualifizierte sich souverän mit neun Siegen aus zehn Spielen und gilt in der Gruppe A als Anwärter auf das Weiterkommen. Stars: Kapitän Jordan Henderson (22, FC Liverpool) und Sturmjuwel Wilfried Zaha (20, Crystal Palace), der zur kommenden Saison für zwölf Millionen Euro zu Manchester United wechselt. Die Mannschaft könnte durchaus stärker sein, die FA verzichtete zugunsten der WM-Qualifikation der A-Nationalmannschaft jedoch auf die Nominierung von u.a. Jack Wilshere (23, FC Arsenal), Phil Jones (22, Manchester United) oder Danny Welbeck (22, Manchester United).

Italien

Der Rekordeuropameister ist die am stärksten einzuschätzende Mannschaft in Gruppe A. In der Qualifikation ließ die „Squadra Azzurra“ lediglich gegen die robusten Iren zweimal Punkte liegen. Ob das gegen die ähnlich veranlagten Engländer und Norweger zum Problem wird? Stars: Mittelfeldspieler Marco Verratti (20, Paris St. Germain) sowie die Angreifer Mattia Destro (22, AS Roma) und Fabio Borini (22, FC Liverpool). Auch die Italiener verzichten zugunsten der A-Nationalmannschaft, die neben der WM-Qualifikation auch den Confed Cup vor der Brust hat, freiwillig auf einige einsatzberechtigte Spieler, zum Beispiel die Milan-Stürmer Mario Balotelli (22) und Stephan El Shaarawy (20).

Norwegen

Klingt nach einem klassischen Außenseiter, doch die Skandinavier haben im Play-Off immerhin die Franzosen eliminiert. Zwar haben die „Bleuets“ nicht mehr die Klasse früherer Jahrgänge, doch dieses Ergebnis durfte man schon als Überraschung werten. International bekanntester Spieler ist der Mönchengladbacher Abräumer Havard Nordtveit (22) . Mit den Rechtsverteidigern Vegar Eggen Hedenstad (21, SC Freiburg) sowie Omar Elabdellaoui (21, Eintracht Braunschweig) und Stürmer Flamur Kastrati (21, Erzgebirge Aue) stehen noch drei weitere Deutschland-Legionäre im Kader der Norweger.

Prognose: Italien sollte sich den Gruppensieg sichern. England könnte gegen Norwegen ein paar Schwierigkeiten bekommen, sollte sich im Normalfall aber ebenfalls für das Halbfinale qualifizieren.

Gruppe B

Deutschland

Mario Götze, Toni Kroos, André Schürrle, Ilkay Gündogan, Julian Draxler, Marc-André ter Stegen, Kevin Trapp oder Sebastian Jung – wenn sie alle fit und bereit wären, gäbe es wohl keinen Zweifel, wie der Turnierfavorit heißen würde. Doch der DFB hat sich frühzeitig festgelegt, dass nur Spieler mit nach Israel fahren, die in der Qualifikation mitgewirkt haben bzw. im Frühjahr 2013 NICHT zum (erweiterten) Kader der A-Nationalmannschaft gehören. Doch auch der Mannschaft, die Rainer Adrion nominiert hat, wird einiges zugetraut. Stars: Kapitän Lewis Holtby (22, Tottenham Hotspur), Abräumer Sebastian Rode (22, Eintracht Frankfurt), Offensivallrounder Patrick Herrmann (22, M’Gladbach), Verteidigerhoffnung Matthias Ginter (19, SC Freiburg) und die Torhüter Bernd Leno (21, Leverkusen) und Oliver Baumann (23, SC Freiburg). Insgesamt ist die Mannschaft homogen besetzt, allerdings verfügen nur wenige der nominierten Spieler zum aktuellen Zeitpunkt ihrer Karrieren über ähnliche Anlagen wie die Europameister von 2009. „Schwächster“ Mannschaftsteil bleibt der Sturm, der ohne echten Torjäger auskommt: Kevin Volland (20, Hoffenheim) ist mehr ein Neuneinhalber denn ein Vollstrecker, Peniel Mlapa (22, Gladbach) und Sebastian Polter (22, Nürnberg) haben sich bislang ebenfalls keine Meriten als Torjäger erworben. Der wuchtige Pierre-Michel Lasaogga (21, Hertha BSC) war lange verletzt und kam im Verein zudem nur unregelmäßig zum Einsatz.

Niederlande

2006 und 2007 (damals wechselte der Turnierrhythmus von geraden auf ungerade Jahre) dominierten die Niederländer in der Altersklasse U-21 den Kontinent nach Belieben. Die Qualifikation gelang zwar auch dieses Mal überaus locker, doch die junge Oranje war in der Vergangenheit schon besser aufgestellt. Stars: Kapitän Kevin Strootman (23, PSV Eindhoven), der nominiert wurde, obwohl er bereits ein wichtiger Bestandteil der A-Nationalmannschaft ist. Im Angriff hängen die Hoffnungen am Gladbacher Luuk de Jong (22) und am starken Benfica-Flügelstürmer Ola John (21). Im Auge haben sollte man Mittelfeldtalent Marco van Ginkel (20, Vitesse Arnheim), an dem u.a. der FC Chelsea Interesse zeigt.

Spanien

Mit Sicherheit der Top-Favorit – in der Gruppe und im gesamten Turnier. Kein Land hat sich souveräner qualifiziert (neun Siege in zehn Spielen, 35:3 Tore). Der Nachwuchs des Welt- und Europameisters ragt zudem seit zwei Jahrzehnten in fast allen Altersklassen heraus und zählt eigentlich immer zum Favoritenkreis. Das sollte auch 2013 nicht anders sein, obwohl Trainer Julen Lopetegi u.a. auf Barca-Supertalent Gerard Deulofeu (19) verzichtet. Hochkarätige Spieler befinden sich aber immer noch in ausreichender Anzahl im Kader der „Seleccion“. Als da wären: Keeper David de Gea (22, Manchester United), Supertalent Isco (21, FC Malaga), Mittelfeldregisseur Thiago Alcantara (22, FC Barcelona) oder die Außenstürmer Iker Muniain (20, Athletic Bilbao) und Cristian Tello (21, FC Barcelona). Mit dem Noch-Leverkusener Daniel Carvajal (21), den Real Madrid per Rückkaufrecht in die spanische Hauptstadt zurückholen wird, zählt außerdem ein Bekannter aus der Bundesliga zum spanischen Kader.

Russland

Die Russen hatten gewisse Schwierigkeiten in der Qualifikation, allerdings mussten sie sich mit Portugal und Polen auch namhafter Konkurrenz erwehren und im Play-Off die Tschechen um den derzeit von der halben Bundesliga gejagten Vaclav Kadlec ausschalten. Die Russen haben mit Alan Dzagoev (22, ZSKA Moskau) ihren größten Star nominiert, obwohl der bereits im Vorjahr bei der EM der „Großen“ brilliert und schon 27 A-Länderspiele auf dem Buckel hat. Das zeigt, dass die Russen in Israel nichts zu verschenken haben. Doch hinter dem Techniker wird es im Kader qualitativ etwas dünn. Ein Auge haben sollte man vielleicht auf Denis Cheryshev. Der 22-jährige Mittelfeldspieler wurde in der Jugend von Real Madrid ausgebildet, überzeugte in der vergangenen Saison in der 2. Mannschaft der „Königlichen“ und wurde von José Mourinho zumindest ein paar Mal auf die Ersatzbank der Profis beordert.

Prognose: Spanien sollte locker ins Halbfinale kommen. Für Deutschland hängt viel vom Start gegen die Niederlande als vermeintlich direktem Konkurrenten um Platz zwei ab. Russland dürfte qualitativ zu dünn besetzt sein, um die Runde der letzten vier zu erreichen.

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