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Okt
15

Über die Ästhetik des Altherren-Fußballs

Matthäus, Brehme und Littbarski gegen Baggio, Vieri oder Toni – das klingt nach großem Fußball. In der Tat war das gestrige „Jahrhundertspiel“ zwischen Deutschland und Italien eine runde Veranstaltung, die zeigt, dass auch die ehemals besten Kicker der Welt im Alter mit Gewichts- und Konditionsproblemen zu kämpfen haben. Irgendwie sympathisch.

Ok, der Italien-Fluch geht weiter. Selbst in einem Spaß-Spiel wie dem gestrigen, bei dem der Altersdurchschnitt auf dem Rasen jenseits der 45 gelegen haben dürfte, kann Deutschland nicht gegen die Squadra Azzurra gewinnen. 1:1 hieß es nach 90 Minuten, im Elfmeterschießen hatten die Italiener mit 5:4 die Nase vorn, weil Fredi Bobic (40) beim Anlauf zu seinem Strafstoß scheinbar die Puste ausgegangen ist.

Italien ohne Glanz – wie immer

Spaß beiseite. Für Menschen wie mich, die am gestrigen Sonntag mit einer leichten Erkältung zu kämpfen hatten, war das Spiel der Fußball-Legenden beider Länder aus den letzten 20 Jahren eine grundsolide Beschäftigung für den frühen Abend. Zugegeben, bei den Italienern hätte es gerne der eine oder andere Star mehr sein dürfen. Roberto Baggio (45) etwa, der mittlerweile mit einer Oliver-Reck-mäßigen Kugel ausgestattet sein soll, welche perfekt zu seiner buddhistischen Weltanschauung passt, hätte dem Spiel sicher gut zu Gesicht gestanden. Auch der Ex-Nationalkeeper mit dem wohlklingenden Namen Gianluca Pagliuca (45) wäre allein akustisch ein Gewinn gewesen. So reichten ein immer noch erstaunlich fitter Angelo di Livio (46) und ein noch runder gewordener, immer noch daherstolpernder, aber stets gut platzierter Christian Vieri (39), um die deutsche Mannschaft in Verlegenheit zu bringen.

Ein inneres Blumenpflücken für Nostalgiker

Die wiederum bot fast alles auf, was in den 1990ern Rang und Namen hatte: Buchautor Lothar Matthäus (51), der mit dem Ehrgeiz seiner besten Jahre agierte und es als einziger Spieler für nötig erachtete, beim Gegentor den weiten Weg nach hinten zu machen. Goldfuß und Alltagsphilosoph Andreas Brehme (51), der nach seiner Karriere ein paar Kilo Lebensqualität hinzugewonnen hat, aber nach wenigen Minuten verletzt raus musste. Und natürlich Pierre Littbarski (52) und Thomas Häßler (46), bei deren Anblick Anhänger des 1. FC Köln heute noch feuchte Augen bekommen. Phasenweise sah es so aus, als könnten der Säbelbeinige und der Dribbelzwerg auch in ihrem gesetzten Alter der aktuellen FC-Mannschaft noch weiterhelfen.

Früher war alles besser…

Drei Dinge sind mir aber besonders aufgefallen: Die Qualität der Hereingaben. Fast jede Basler-Flanke und -Ecke war gefährlicher als das, was die aktuelle deutsche Spielergeneration fabriziert.

Zum Zweiten merkte man, dass die Spieler noch im Hinterkopf hatten, wie steil man die Kollegen früher einmal schicken konnte. Nur sind die mittlerweile einige Jahre älter und einige Kilo schwerer geworden. So war der Horizontalpass in vielen Situationen das bessere Rezept gegenüber dem Diagonal- oder gar Vertikalpass.

Zum Dritten war die Qualität der Elfmeter beeindruckend – ausgenommen dem von Fredi Bobic. Neun der zehn Bälle waren sowohl hart als auch platziert geschossen.

Alles in allem fühlte ich mich jedoch ein wenig an Frauenfußball interessiert. Das ist nicht böse gemeint. Doch was Tempo, Dynamik und Durchschlagskraft angeht, ist das Niveau von Frauen zwischen 20 und 30 dem von Männern zwischen 40 und 50 doch recht ähnlich. Ein direktes Duell der Frauen-Nationalmannschaft mit den „Alten Herren“ wäre sicherlich reizvoll.

P.S.: Wer mich jetzt für einen unverbesserlichen Chauvinisten hält, der dem Frauenfußball jegliche Qualität abspricht, der hat nicht ganz Unrecht. Solange Bilder wie die folgenden zustande kommen – aufgenommen vor wenigen Tagen bei der U17-WM der Frauen in Aserbaidschan –, werde ich von meinem Standpunkt aber auch nicht abrücken…

Beim ersten Video ist vor allem auf die zweite Schützin der Nigerianerinnen zu achten (etwa ab 2:10 Minuten), welcher leider der Versuch misslingt, zum Einwurf zu klären. Auch die vierte Schützin der Französinnen liefert eine denkwürdige Performance ab (etwa ab 4:40 Minuten) – welche nur von der nigerianischen Torfrau unterboten wird…

Beim zweiten Video genügt die Schlusssequenz ab 0:23 Minuten. Dort sehen wir den spielentscheidenden Treffer. Manchmal könnten Frauenteams auch mit elf Feldspielerinnen agieren, ohne dass es einen Unterschied machen würde…

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