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Okt
22

Überfällig: Profis müssen ihre Berater künftig selbst bezahlen

Ein Urteil des Bundesfinanzhofs zwingt die deutschen Profiklubs nach Informationen des „Kicker“ (Montagsausgabe) zu Steuernachzahlungen von rund 70 Millionen Euro. Vorstände oder Manager müssen womöglich mit weiteren Konsequenzen rechnen. Agenten müssen sich künftig von ihren Klienten und nicht mehr von deren Vereinen bezahlen lassen.

In dem Urteil (AZ: XI-R-4/11) geht es präzise um die Umsatzsteuer von 19 Prozent, die Berater Vereinen für ihre Leistungen (vor allem für Transferabschlüsse und Vertragsverlängerungen) in Rechnung gestellt haben. Diese haben die Vereine demnach bislang zu Unrecht als Vorsteuer geltend gemacht. Das würde je nach Profiklub zu Steuernachzahlungen zwischen 1,5 und 25 Millionen Euro für den Zeitraum der letzten vier Jahre führen.

Im Extremfall könnten Vorstände und Manager sogar wegen Veruntreuung von Vereinsvermögen belangt werden, wenn sich Rechnungsstellungen und Honorarentgegennahmen für nicht erbrachte Leistungen seitens der Berater nachweisen lassen – und die haben für die Vereine ja de facto keine Leistungen erbracht, sondern nur für ihre Klienten, also Spieler und mittlerweile auch immer mehr Trainer.

Spieler werden nun zur Kasse gebeten

Dass ein Profi-Fußballer seinen Berater bislang nicht bezahlt hat, sondern durch seinen aktuellen Verein bezahlen ließ, war eine der großen Paradoxen des Fußballs. Würde ich als freier Journalist mir einen Hiwi suchen, der mir lästige Aufträge abnimmt, würde ich ihn schließlich auch selbst bezahlen. Anders ausgedrückt: Meine Kunden würden sich „freuen“, wenn ich zusätzlich zu meinen üblichen Rechnungen noch die Dienstleistung meines Assistenten in Rechnung stellen würde.

Nun wird aber offenbar alles anders. Wenn sämtliche Instanzen durchlaufen sind, müssen Profifußballer in Deutschland ihre Berater fortan selbst bezahlen. Die Vereine, die zwar zunächst Steuern nachzahlen müssten, hätten auf lange Sicht die Beraterkosten von der Payroll – wobei besonders die Top-Spieler das Gehalt ihres Beraters vermutlich auf ihren nächsten Vertrag einfach draufschlagen würden.

Familienangehörige und Anwälte in der Klemme?

Besonders belastend könnte das Urteil auch für Agenten werden, die Familienangehörige beraten. Diese dürften, ebenso wie Rechtsanwälte, ihre Leistung ausschließlich ihrem Klienten in Rechnung stellen. Prominentestes Beispiel in Deutschland ist sicherlich Mesut Özil, ließ sich lange Jahre von seinem Vater Mustafa vertreten ließ. Diese Aufgabe hat nun sein Bruder Mutlu übernommen. Auch Wolfsburgs Spielmacher Diego lässt sich seit Jahr und Tag von seinem Vater Djair da Cunha beraten.

Der Fall wurde bereits im Jahr 2006(!) aufgenommen. Damals stießen Steuerprüfer bei Borussia Mönchengladbach auf Belege über Umsatzsteuerzahlungen an zehn Spielervermittler, die als Vorsteuer deklariert waren. Hierbei handelte es sich um Spielerverpflichtungen beziehungsweise Vertragsverlängerungen aus den Jahren 2000 und 2001. Die Prüfer vertraten die Auffassung, dass dem Verein aus den Rechnungen der Vermittler kein Vorsteuerabzug zusteht.

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